Hundisburg l "Die Tragfähigkeit des Oberbaus der Brücke ist nicht mehr gegeben. Sie kann zusammenbrechen und in die Garbe fallen", erklärte Holger Waldmann, Abteilungsleiter für Hochbau beim städtischen Bauamt, während der jüngsten Sitzung des städtischen Bauausschuss. Bei der letzten Hauptprüfung habe die Garbebrücke die Note 4 erhalten. "Das ist die schlechteste Note, die eine Brücke überhaupt bekommen kann", so Holger Waldmann. Eine vorübergehende Nutzung als reine Fußgängerbrücke sei laut Gutachter ebenfalls nicht mehr möglich. Deshalb wolle die Stadt einen möglichen Zusammenbruch nicht abwarten, sondern das Bauwerk vorher abreißen.

Dezernent Henning Konrad Otto fand sogar noch deutlichere Worte: "Die Brücke könnte bei einem Einsturz nicht nur die Garbe blockieren, es laufen auch Menschen darüber. Wir müssen die Brücke auf jeden Fall wegnehmen. Da gibt es nichts mehr zu deuteln." Zwar habe die Stadt den Zugang zur Brücke zugeschweißt, er sei aber immer wieder freigeflext worden.

Tatsächlich beschäftigt die Garbebrücke in der Straße Eiche die Stadt und den Ortschaftsrat bereits seit Jahren. 2012 wurde laut Stadt-Pressesprecher Lutz Zimmermann die Entscheidung gefällt, dass eine Sanierung nicht möglich ist. Stattdessen solle ein Neubau in Form einer reinen Fußgängerbrücke entstehen. Laut Holger Waldmann war geplant, gleichzeitig die angrenzende Magdeburger Straße und den angrenzenden Vorplatz der Brücke auszubauen. Doch zwischenzeitlich habe sich der Zustand der Brücke weiter verschlechtert. Aus diesem Grund und wegen der fortlaufenden Nutzung trotz Sperrung solle der Rückbau der Brücke nun vorgezogen werden.

Doch aus Sicht von Hundisburgs Ortsbürgermeister Nico Schmidt (CDU) ist das alles nicht so einfach. Denn die Ersatzbrücke soll es erst in einigen Jahren geben. "Die Brücke wird gebraucht", machte Nico Schmidt deutlich. Sie bilde eine direkte Verbindung von Ortskern und Schlosszufahrt. Da das Schloss für den Tourismus eine große Rolle spiele, werde auch die Brücke in der Straße Eiche häufig genutzt. Zwar gibt es weitere Übergänge über die Garbe. Aber deren Nutzung bedeute einen merklichen Umweg.

"Wir können die Brücke nicht abreißen, wenn es erst drei Jahre später einen Neubau gibt. Vielleicht werden aus den drei Jahren bis zum Neubau auch fünf. Schließlich wird der Haushalt immer knapper. Eventuell heißt es dann in ein paar Jahren, dass sich alle an die Situation gewöhnt hätten, und es gibt überhaupt keine neue Brücke mehr", so Nico Schmidt.

Ratsherr Thomas Seelmann (CDU) stellte im Ausschuss einen Vorschlag des Hundisburger Ortsrates vor. Demnach könne bis zum Neubau eine provisorische Brücke über die vorhandenen Fundamente gelegt werden.

"Es ist aber schwierig, die Brücke abzureißen, ohne dabei die Widerlager zu beschädigen", gab Nico Schmidt zu bedenken. Nach seiner Aussage sind für den Abriss 20 000 Euro eingeplant. Davon soll auch die Böschung wieder hergerichtet werden. Falls man darauf jedoch verzichte und nur den Oberbau der Brücke entferne, könne man Geld sparen. Das wiederum könne dann für das angedachte Provisorium genutzt werden.

Wie Lutz Zimmermann gegenüber der Volksstimme sagte, ist der Abriss für Anfang Mai geplant. Nach dem Plan des Ortsrates könnte das Provisorium danach so schnell wie möglich errichtet werden. Soweit möglich, könne man vorab schon Angebote einholen und den Aufbau planen.

Zuvor muss jedoch noch eine weitere Hürde genommen werden. Denn wie Lutz Zimmermann erklärte, muss die Stadt auch für eine provisorische Brücke zunächst einen Antrag bei der Unteren Wasserbehörde stellen.