Eine Schulung in Taktik und Bedienung der großen Drehleiter bekommen acht Feuerwehrleute aus Haldensleben und Uthmöden in dieser Woche. Dazu wird auch geübt - am "lebenden" Objekt wie dem Haldensleber Rathaus und der St. Marienkirche.

Haldensleben l Auch ohne Blaulicht und Tatütata zieht die Drehleiter der Freiwilligen Feuerwehr Haldensleben neugierige Blicke an. Binnen Sekunden sind die Fensterplätze des Haldensleber Rathauses in Richtung Marktplatz "ausgebucht" und bei Michael Schumann, stellvertretender Leiter der Haldensleber Feuerwehr und Sachbearbeiter für Feuerwehrangelegenheiten bei der Stadt, überschlagen sich die Nachfragen. "Es ist nichts passiert. Wir haben keinen Einsatz am Rathaus, sondern nutzen das Gebäude für Ausbildungszwecke", beruhigt er.

Acht Feuerwehrleute - vier aus Haldensleben und vier aus Uthmöden, die aber die Tageseinsätze der Haldensleber Wehr mitfahren - müssen vier Tage lang die Schulbank drücken. "Sie bekommen eine Ausbildung an der Drehleiter", erklärt Schumann. Sowohl die Bedienung des tonnenschweren Fahrzeuges als auch die Grundlagen für dessen taktischen Einsatz bekommen sie von Experten vermittelt.

Normalerweise läuft solch eine Ausbildung über das Land am Institut für Brand- und Katastrophenschutz in Heyrothsberge. "Doch da werden pro Jahr nur sechs Lehrgänge für jeweils acht Kameraden angeboten", meint Schumann. Für die Haldensleber Wehrleitung zu wenig. "Unser Bedarf ist viel höher", verweist er auf die acht Teilnehmer aus den eigenen Reihen. Deshalb ist die Drehleiterausbildung im vergangenen Jahr bei der Stadt beantragt und mit dem Haushalt für 2015 genehmigt worden. 5000 Euro kostet der Lehrgang.

Von einem Mitarbeiter der Herstellerfirma werden die Kameraden in der Bedienung der Leiter geschult. Die taktischen Kenntnisse vermitteln ihnen Jörg Kurtz und Lars Scheugl von der Feuerwehr Hamburg. Sie haben sich auf solche Seminare spezialisiert und bieten sie in halb Europa an.

Beim ersten Anlauf muss alles sitzen

"Solch ein Drehleitereinsatz ist schon eine Wissenschaft für sich", weiß Scheugl. "Wir wollen die Kameraden so fit machen, dass sie gleich beim ersten Anlauf den perfekten Standpunkt für die Drehleiter finden, um sie maximal ausnutzen zu können", sagt er. "Wir können ja im Ernstfall bei einer Personenrettung nicht dreimal hin- und herrangieren, bis wir den besten Punkt für den Einsatz gefunden haben. Das muss auf Anhieb sitzen." Und so hält Jörg Kurtz immer ein wachsames Auge auf den Einweiser. Schließlich muss der den Fahrer des Einsatzfahrzeuges dorthin dirigieren, von wo aus die Hubrettung am geeignetsten wäre. "Das wollen wir in der Taktikschulung vermitteln: Wie gehe ich an ein Gebäude ran", so Scheugl weiter.

Die Kameraden würden sich gut schlagen, resümiert er. "Man darf ja nicht vergessen, dass es blutjunge Anfänger sind", meint er. Genau aus diesem Grund würden die Feuerwehrleute während der Ausbildung auch an die Grenze des Machbaren herangeführt. "Sie sollen ein Gespür bekommen, was noch geht", so der Ausbilder. Daher sei es von Vorteil, dass wie hier in Haldensleben die Kameraden mit dem eigenen Fahrzeug an Gebäuden in ihrer Stadt üben können.

Am Ende des Seminars winkt den Feuerwehrleuten ein Zertifikat, wenn sie die schriftliche und praktische Prüfung bestehen. "Sie sind dann vom Hersteller des Fahrzeuges autorisiert, dieses Hub- rettungsfahrzeug zu fahren", sagt Scheugl. Für die dann zertifizierten "Maschinisten für Drehleiter" ist das Lernen aber noch nicht beendet. "Wir liefern die Grundkenntnisse, auf die sie aufbauen können. Und das heißt für sie ,üben, üben und nochmals üben`", unterstreicht er.

Bilder