Der Biber, einst vom Aussterben bedroht, hat sich seinen Lebensraum wieder zurückerobert. Selbst im Stadtgebiet von Haldensleben ist der pelzige Geselle anzutreffen, vorrangig im Bereich der Ohre.

Haldensleben l Diesen "Neu-Haldensleber" hat die Stadtverwaltung sicherlich nicht im Blick, wenn sie mit dem Spruch "Haldensleben - wer kommt, der bleibt" um neue Einwohnern wirbt. Doch trotzdem ist er in der Kreisstadt heimisch geworden: der Biber. Entlang der Ohre hat er sich verbreitet, auch im Stadtgebiet.

"Gerade jetzt in den Wintermonaten habe ich mehrfach Anrufe von Bürgern bekommen, die den Biber an der Ohre direkt in Haldensleben gesehen haben wollen", berichtet Fred Braumann den Mitgliedern des Ausschusses für Umwelt, Landwirtschaft, Forsten und Abwasserangelegenheiten. Doch nicht alle Anrufer, so glaubt Braumann, hätten auch wirklich einen Biber gesehen. Denn das Tier ist sehr scheu und vor allem nachtaktiv. "In den meisten Fällen handelt es sich wohl um Nutrias, die dem Biber zum Verwechseln ähnlich sehen", meint er.

Dabei gebe es eindeutige Unterscheidungsmerkmale, sagt der Leiter der Naturparkverwaltung Drömling, der sich in seiner Freizeit um den Biberbestand außerhalb des Drömlings kümmert. "Der Biber ist im Gegensatz zur Nutria größer, hat einen breiten, platten Schwanz und kein weißes Nasenumfeld", nennt Braumann die deutlichsten Unterschiede. Und Biber lassen sich auch nicht füttern, die Nutria schon. "Das kann man manchmal sogar an der Ohrebrücke am Gänseanger beobachten. Da werden dann eben nicht nur Enten gefüttert", so Braumann.

12 besetzte Biberreviere gibt es laut Braumann im Stadtgebiet. Die meisten befinden sich entlang der Ohre. Doch auch auf der Moosbruchwiese hat der Biber mittlerweile schon seine Burg errichtet.

Probleme würden die Tiere derzeit nicht bereiten, macht Fred Braumann deutlich. Obwohl sie deutliche Spuren hinterlassen und die Bäume entlang der Ohre als Winter-Nahrungsquelle nutzen. "Da kann es durchaus zu Problemen der Verkehrssicherheit kommen, wenn die Stämme so weit durchgenagt sind, dass sie drohen umzustürzen", hat er festgestellt. Hier müsse die Stadt dann im Ernstfall handeln. Und weil sich der Biber weiter durch die Ohre-Landschaft frisst, sollte auch überlegt werden, ob bestimmte Baumarten nicht besser vor dem fleißigen Nager geschützt werden sollten, schlägt der Experte vor. "Denn der Biber selbst ist ein streng geschütztes Tier, ihm darf nicht zu Leibe gerückt werden."

Für Bäume auf städtischen Grundstücken sei ein Schutz mit einem Drahtgeflecht kein Problem, erklärt Dezernent Henning Konrad Otto. Auf Privatgrundstücken allerdings sei der Eigentümer zuständig, sagt er. Landwirt Oliver Schoppmann berichtete, er habe bei Satuelle beobachten können, dass der Biber auch an einigen Eichen seine Nagespuren hinterlassen hat. "Ans Hartholz geht er nur, um seine ständig nachwachsenden Zähne abzuschleifen", erklärt Braumann dieses Verhalten der Biber. Um Hilfe für Schutzmaßnahmen zu bekommen, sollte sich der Landwirt mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises in Verbindung setzen, rät Fred Braumann.