Mit einem bunten Stelldichein ist am Pfingstmontag der Mühlentag an der Colbitzer Bockwindmühle gefeiert worden. Rund um die Mühle herrschte ein dichtes Getümmel. Ein schöneres Geburtstagsgeschenk hätte es für den Mühlenverein Lindhorst, der zugleich sein 25-jähriges Bestehen beging, wohl nicht geben können.

Colbitz/Lindhorst l "Heute holen wir das Schroten nach, was wir zu Himmelfahrt schon geplant hatten", erklärte Hobbymüller Friedhelm Sienholz, als er eine Handvoll Weizenschrot aus dem Sack holte. Himmelfahrt war der Betrieb nur im Leerlauf möglich, wie Sienholz, der zugleich auch Vereinsvorsitzender des Mühlenvereins Lindhorst ist, sagte.

Nun aber war der Wind gut und trieb die Flügel der etwa 1861 erbauten und 1992 umgesetzten Bockwindmühle zwischen Colbitz und Lindhorst an. Die alte Mühlentechnik - wie Friedhelm Sienholz sagte, zum Teil wohl noch im Original erhalten - bekam gut zu tun. Und so rieselte das Schrot in großer Menge in den Sack. Mit dem Ergebnis war der Hobbymüller zufrieden, doch es brachte ihm ein neues Problem: "Wir brauchen noch heile Mehlsäcke, wer noch welche hat, kann die gern zu uns bringen."

Die Gäste, die in Scharen ins Mühleninnere geklettert waren, schauten dem Hobbymüller gern bei der Arbeit zu und beobachteten seine Handgriffe. Während Friedhelm Sienholz die spannenden (Mühlen-)Geschichten aus dem Gestern und dem Heute erzählte, klebten sie förmlich an seinen Lippen. Dass die Mühle doch etwas wackelte, während die Flügel richtig "Fahrt aufnahmen", störte die interessierten Besucher kaum. Wann ergibt sich schon einmal die Gelegenheit, zu schauen, wie in so einer Mühle zu Großvaters Zeiten noch gearbeitet wurde?

Selbst was aus dem Mehl wurde, das einst aus dem Bauch der Mühle kam, konnten die Gäste live erleben und auch probieren. Im benachbarten Backhaus stand die Tür weit offen. Mühlenbäcker David Bahrendt und seine Mitarbeiter buken hier Brot verschiedener Art. Kleine Nachwuchsbäcker gaben sich alle Mühe beim Brezelformen.

Arbeiten und gucken macht hungrig - das wissen auch die mittlerweile 96 Mitglieder des Mühlenvereins Lindhorst. 25 Jahre nach der Vereinsgründung wissen sie genau, wie sie die Gäste bewirten müssen. So brutzelte nicht nur die Wurst auf dem Grill und floss auch das Bier, sondern gab es auch Kuchen- und Brotspezialitäten in Hülle und Fülle zum Verkosten. Nicht nur zur Mittagszeit bildeten sich lange Schlangen.

"Wir haben um 11 Uhr angefangen, um 9.30 Uhr waren die ersten Gäste bereits da", zog Dieter Hübsch vom Mühlenverein eine erste Zwischenbilanz. Er sprach von denen, die den Besuch an der Mühle mit einem Fahrradausflug in Familie verbunden hatten, aber auch von denen, die teilweise weit mit dem Auto angereist waren. Keiner wollte sich die gemütliche Atmosphäre im Schatten der Mühle entgehen lassen.

Die kulturellen Einlagen waren dabei, wie aus den Vorjahren bekannt, auch diesmal wieder inklusive. So hatten die Organisatoren vom Mühlenverein Orgel-Felix ebenso wie den Gemischten Chor aus Colbitz engagierte. Zudem brachte die Band Wohlget(h)an das Publikum in Stimmung.

Dieter Hübsch rief allen ein fröhliches "Glück zu" zu, als er davon erzählte, dass hier nicht nur zum 22. Mal der Deutsche Mühlentag begangen wurde, sondern zugleich auch der 25.Geburtstag des Mühlenvereins. Vieles hätte der Verein während seines Bestehens erreicht. "Er hat es geschafft, das hier zu erhalten und überhaupt erst einmal aufzubauen", sagte Hübsch. In seinen Worten klang ein wenig Hoffnung mit, dass das Erreichte auch einige noch zur Mitgliedschaft bewegen würde. "Bis zur 100 fehlen noch vier", unterstrich er auch mit dem Wissen, dass es in den kommenden Jahren noch einiges zu tun geben würde an der Mühle. So müssten die Flügel dringend in den nächsten zwei Jahren überholt werden. Das bedeute Arbeit und koste Zeit.

   

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