Haldensleben (jch). Möchte man einfach nur den Musikstil einordnen, den Reinhardt Repke und seine vier Musikerkollegen Katharina Franck, Tim Lorenz, Markus Runzheimer und Andreas Sperling kürzlich auf die Bühne der Haldensleber Kulturfabrik brachten, so könnte man ihn einfach deutschen Pop nennen. Deutscher Pop, der manchmal etwas melancholisch anmutet, oft aber auch Kopf und Füße zum Mitwippen anregt und viele bestimmt an deutsche Bands der 80er Jahre erinnert, aus deren Zeit noch alte Schallplatten zuhause liegen.

Nichts Neues also, möchte der ein oder andere bei dieser Beschreibung abwinken. Nennt man den "Club der toten Dichter" jedoch beim Namen, gelangt man bereits zu einer viel aussagekräftigeren Einordnung der Band. Im Jahr 2005 gründete Reinhardt Repke das Projekt, das sich der Neuvertonung von Gedichten bedeutender Schriftsteller widmet. So komponierte Repke zuerst Lieder zu Heinrich Heine-Gedichten, mit denen er und seine Musiker zwei Jahre lang auf Tournee gingen. Mit anderer Besetzung folgte dann ein Programm über Werke von Wilhelm Busch. Nun ist es Rainer Maria Rilke, dessen Texte von einer erneut anderen Besetzung von Musikern zu neuem Leben erweckt werden.

Für jede Tournee holt sich Repke neue Solisten heran, nicht ohne zu überlegen, welcher Sänger die Werke eines Dichters am besten vorzustellen vermag. Die Stimme des aktuellen Programmes "Eines Wunders Melodie" ist Katharina Franck, die durch ihre Band Rainbirds bereits einen hohen Bekanntheitsgrad besitzt.

Ausdrucksstark, aber immer auch sanft, verleiht sie Gedichten wie "Einsamkeit", "Rot war der Abend", "Aus einer Kindheit" oder auch Rilkes berühmtem "Panther" wieder Aktualität. Die Lebendigkeit und Spielfreude, die die Musiker gemeinsam an den Tag legen, tun das Übrige, um das Programm frisch wirken zu lassen und einen ganz neuen Blick auf teilweise längst vergessene Texte zu eröffnen.

Reinhardt Repke lässt aber nicht nur singen, sondern leiht seinen Kompositionen auch seine eigene Stimme. Und zwischen den Stücken erklärt er auch hier und da einmal, wie es zu der Auswahl einzelner Werke kam oder worum es sich in einzelnen Texten handelt. Die etwa 150 Gäste des literarischen Konzertabends dankten den Künstlern ihren Besuch mit viel Applaus.