Ein Wappen gibt es in Hundisburg bereits seit 1992. Nun denkt man in der Ortschaft darüber nach, sich eine eigene Fahne anzuschaffen, hat sogar schon mit einem Hobby-Heraldiker gesprochen und Entwürfe anfertigen lassen. Der Ortschaftsrat ist von den Vorschlägen sehr angetan - bei der Kommunalaufsicht des Landkreises sieht man allerdings Probleme mit der Genehmigung.

Hundisburg. Eigentlich hat man in der Ortschaft alles da, was es braucht, um eine eigene Flagge herauszubringen. Es gibt seit 1992 ein Wappen, das die Ruine von Nordhusen auf einem roten Schild zeigt und von einem örtlichen Hobby-Heraldiker schon in zwei Entwürfen für mögliche Flaggen integriert wurde. Es gibt Interessenten in der Ortschaft, die sich eine Fahne kaufen würden. Der Ortschaftsrat ist von der Idee ebenfalls begeistert - und hat sogar schon Geld zur Seite gelegt, um die Herstellungskosten vorschießen zu können.

Woran es bisher noch scheitert, sind die unterschiedlichen Auffassungen über die Genehmigungspflicht einer solchen Flagge. Laut Paragraf 14 der Gemeindeordnung bedarf die Annahme neuer Wappen oder Flaggen sowie deren Änderung einer Genehmigung des Landkreises.

"Nur Wappen oder Fahnen weiterführen, die es vor der Eingemeindung schon gegeben hat"

"Gemeinden, die nicht mehr eigenständig sind, können nur die Wappen oder Fahnen weiterführen, die sie vor der Eingemeindung schon hatten", erteilt Marita Schenk dem Anliegen der Ortschaft eine Absage. Laut der Hauptsachbearbeiterin der Kommunalaufsicht sei eine nachträgliche Genehmigung von Hoheitszeichen wie Wappen oder Flaggen nicht möglich.

Dem widerspricht Thomas Rystau, der nicht nur die Entwürfe für die Hundisburger Ortsteilfahne gefertigt, sondern sich auch Erfahrungen aus anderen Ortschaften eingeholt hat. Der Hobby-Heraldiker hat über den Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Flaggenkunde mitgeteilt bekommen, dass man als nicht selbständige Gemeinde keine Erlaubnis für eine Fahne einholen müsste.

Das erklärte Jörg Majewski gestern auch gegenüber der Volksstimme. "Selbständige Gemeinden müssen ihre Symbole genehmigen lassen", so der Vorsitzende. Bei Gemeinden, die nicht mehr eigenständig sind, würden die Symbole auch nicht als Hoheitszeichen gelten und bedürften deshalb keiner Genehmigung, sondern könnten problemlos erstellt und verwendet werden. "Ich bin zwar kein Jurist, aber kenne zahlreiche Beispiel aus der Praxis", erklärte Majewski, der für eine Flaggenfirma in Höxter arbeitet.

Der Hundisburger Thomas Rystau fragte auch bei einem Vertreter aus dem Landeshauptarchiv in Magdeburg nach, wie der denn die Sachlage bewertet.

"Bei neuen Wappen und Flaggen im Land muss eine fachlich heraldische Stellungnahme vom Landeshauptarchiv abgegeben werden, und diese Aufgabe hat Herr Rohloff bis Mitte 2010 über lange Jahre betreut und wahrgenommen. Auch er hat es begrüßt, wenn über ein solches Symbol etwas Identitätsstiftendes herauskommt und sich die Einwohner mit ihrem Ortsteil über diese Schiene verbunden fühlen", berichtete Rystau über die Ergebnisse seiner Nachforschungen. Die Experten, die er befragt hätte, seien einhellig der Meinung, dass solch eine Flagge nur Repräsentationszwecken diene und kein Hoheitsrecht darstelle - und deshalb keiner Erlaubnis bedarf.

"Über ein solches Symbol fühlen sich die Bürger mit ihrer Ortschaft verbunden"

Der Hundisburger Ortschaftsrat will sich auf seiner Sitzung kommende Woche erneut mit der Ortsteilfahne befassen, die laut Ortsbürgermeister Josef Franz vor allem von den Vereinen gewünscht wird. Franz ist wichtig, dass sich auch die Bewohner selbst zu den Entwürfen äußern. Deshalb ruft er die Hundisburger auf, ihm selbst oder anderen Mitgliedern des Gremiums ihren Favoriten mitzuteilen.

Die Räte stimmten auf ihrer Sitzung - genau wie auch Thomas Rystau als Gestalter - für den zweiten, den dreistreifigen Entwurf. Dieser zeigt das Wappen, das von zwei roten Balken eingefasst auf weißem Untergrund abgebildet ist. Die verwendeten Farben würden dabei Bezug auf die historischen Wurzeln von Hundisburg nehmen. Durch die Dreistreifigkeit würde das Wappen bei Entwurf Nummer zwei noch besser zur Geltung kommen, was die Ortschaftsräte bevorzugten.

Thomas Rystau, der seit 2006 in dem Haldensleber Ortsteil wohnt, hatte zur Sitzung sogar schon Kostenkalkulationen für die verschiedenen Größen der Flagge mitgebracht.

Die Ortsräte einigten sich im späteren Verlauf der Sitzung darauf, die verbliebenen 750 Euro Prämie aus dem Kreiswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" für diesen Zweck einzusetzen. So könne man mit dieser Summe die Herstellung der Fahnen vorfinanzieren, bevor diese in der Ortschaft verkauft würden.

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