Lebendig wird das Mittelalter heute Nachmittag an der Stelle, an der Flechtingen einst ge- gründet wurde. Dort ist seit einer Woche ein ganzes Dorf neu entstanden. Gaukler, Mägde und Ritter handeln und wandeln wie einst unsere Vorfahren, ehe das ganze Spektakel in einem Musik- feuerwerk am Schloss-See ausklingt.

Flechtingen (cbo). Weidenzäune flechten, Gefängnis bauen, eine Unterkunft für die Handwerker schaffen, Weben, Flechten und das Essen über offenem Feuer zubereiten - das Leben vor Hunderten von Jahren war nicht einfach.

Davon konnten sich die Mädchen und Jungen der Grundschule Flechtingen in ihrer Projektwoche seit vergangenen Freitag überzeugen, auch wenn es für sie mit allerlei modernen Gerätschaften schon ungleich bequemer war als bei den Kindern von früher. Dort, wo Alt-Flechtingen seinen Siedlungsursprung hatte, an der Parkstraße gegenüber den Median-Kliniken, haben die Grundschüler dieser Tage ein Mittelalterdorf mit aufgebaut. Es soll heute von 16 bis 21 Uhr die Leute aus der Zukunft willkommen heißen.

Ein richtiges Mittelalterspektakel soll es werden: Handwerker, Bauern, Mägde, Spielleute, Mundschenke, Ritter und Burgfräuleins werden das Bild bunt und anschaulich gestalten. Ab 16 Uhr wird zum Abschluss des Schulprojektes Flecht-Werk zu einem Rundgang durch das Dorf eingeladen. Und zum Verweilen gibt es allerlei Schabernack, Bogenschießen, Papierschöpfen aber auch Ernstes wie Verurteilungen am Gerichtshügel sowie Speis und Trank.

Angesagt haben sich zum Beispiel die Tempelritter aus Haldensleben, die Spieler von Miserum, die Walbecker Turmfalken, der Verein Khepera, Stegreiftheater und Mäuseroulette.

Grundschule und Kindertagesstätte haben das vielfältige Treiben vorbereitet.

Lehrerin Doreen Kleisinger flocht mit den Kindern Hütten aus Weide, unterstützt von den Männern des Flechtinger Bauhofes, die an Flechtzäunen werkelten. Die Frauen des Heimat- und Mühlenvereins sind geschickt mit den Händen und zeigten den Kindern, wie man früher zum Beispiel Gürtel im Webrahmen herstellte oder Schmuckbänder geflochten hat.

Kornelia Amler hingegen ließ leckere Gemüsesuppe über offenem Feuer köcheln. "Den großen Kochtopf haben wir in den 1990er Jahren aus Ungarn mitgebracht", sagte die Lehrerin. Während einige Jungen eifrig dabei waren, Würstchen in Scheiben zu schneiden, achtete "Ritter" Max auf das Feuer, das nicht ausgehen durfte, damit die Suppe auch gelingt. Allerdings musste das Feuer nicht mühsam wie noch vor 1000 Jahren entzündet werden. Hier bediente sich Kornelia Amler doch modernerer Mittel.

Gegen 21 Uhr ziehen die Kinder, Eltern, Erzieher und der Bürgermeister (übrigens alle in Kostümen) mit den Gästen in einem Fackelzug vom Mittelalterdorf durch den Ort bis zur Festmeile am Kurhaus.

Dort erwarten die Schiffsmodellsportler und die Irish-Folk-Band "free of charge" das Publikum. Ein Musikfeuerwerk bildet gegen 23 Uhr den Höhepunkt dieses Promenadenspektakels.

Schon ab 19 Uhr treten an der Kurpromenade vor dem Kurhaus verschiedene Mannschaften aus dem Dorf zu Floßwettfahrten an. Wer die Flöße auf dem See in Aktion sehen möchte, hat von der Promenade aus den besten Blick.

 

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