Wer kennt nicht den Wohnblock mit seinen acht Aufgängen in der unmittelbaren Nachbarschaft der Elb-Havel-Kaserne, besser bekannt unter der Adresse "Oberfelder Weg"? Leider geriet diese Wohngegend als sozialer Brennpunkt in zurückliegenden Jahren nicht gerade immer mit guten Nachrichten in die Schlagzeilen.

Havelberg l Dies soll nun der Vergangenheit angehören, wenn es nach Tibor Taylor, dem Geschäftsführer der Immobilienfirma geht, die den Wohnblock vor zwei Jahren gekauft hat. Dass er und sein Team aus Berlin es ernst meinen und die Mieter nicht im "Regen stehen lassen wollen", zeigt sein Leitspruch auf der Homepage der Immobilienfirma: "Immobilienvermittlung ist für mich weit mehr als nur ein Job. Es macht mir große Freude, die richtige Immobilie mit den richtigen Menschen zusammenzubringen. Dafür setze ich mich mit meiner ganzen Persönlichkeit und einer gehörigen Portion Enthusiasmus ein."

Der inzwischen Wahlhavelberger wusste beim Kauf des Wohnblocks, dass es sich dabei nicht um eine normale Immobilie, sondern mehr um ein Sozialprojekt handelt. Nun sind bereits fast zwei Jahre vergangen und Tibor Taylor blickt auf eine positive Entwicklung zurück. "Einen ganz besonderen Anteil daran haben meine sechs Hausmeister. Sie sind für alle Mieter erste Ansprechpartner für alle Probleme, sei es für Renovierungen, Reparaturen, aber auch für alle anderen Fragen rund ums Wohnen", freut sich Tibor Taylor.

Hilfe in allen Dingen rund ums Wohnen

Die sechs guten Seelen - das sind Uwe Rehfeld, Mandy Bauer, Heiko Buchholz, Andreas Gornich, Sven Schumacher und Dietmar Jacobs. "Wir haben eine Menge gemacht in den vergangenen Monaten. So wurden unter anderem die Heizungsanlage modernisiert, neue Briefkästen angebaut und mit ein wenig Farbe der große Wohnblock etwas ansehnlicher gestaltet", war von Heiko Buchholz zu erfahren, den hier alle Mieter nur unter dem Spitznamen "Oscar" kennen. Mandy Bauer, die für alle hier Wohnenden und auch für alle, die neu einziehen möchten, erste Ansprechpartnerin ist, trifft noch oft "Leute, die den Oberfelder Weg mit anderen Problemwohnvierteln vergleichen". Doch das hat sich im Laufe der Zeit sehr wohl geändert, betont die resolute Frau. Sie verheimlicht dabei auch nicht, dass es Mieter mit Alkoholproblemen gibt. Doch die Hausmeister hätten alles im Griff und würden von den Mietern respektiert.

Eine Art Sozialarbeiterfunktion hat in der Sechserrunde Andreas Gornich übernommen. Er hilft Mietern unter anderem beim Ausfüllen von Anträgen oder wenn es um Dinge bei Ämtern und anderen Institutionen geht. Für Renovierungsarbeiten oder kleinere Reparaturen sind Sven Schumacher, Dietmar Jacobs und Uwe Rehfeld die richtigen Ansprechpartner.

"Wir sind wie eine große Familie"

Das Hausmeisterteam hatte auch alle Hände voll zu tun, als im Wohnblock die fünfte und sechste Etage stillgelegt wurde, um Betriebskosten zu sparen. Hier wurden alle Wohnungen geräumt und gesäubert. Wenn es wieder eine größere Wohnungsnachfrage gibt, können die Wohnungen kurzfristig vermietet werden. Die Hausmeister bereiten für die Mieter dann sogar die neue Wohnung vor. Es wird tapeziert, Fußboden gelegt und werden andere Wünsche erfüllt. 70 der derzeit rund 100 Wohnungen in beiden Blocks sind bewohnt. "Stolz sind wir darauf, dass wir mittlerweile schon wie eine große Familie zusammengewachsen sind. Jeder achtet auf jeden. Und manchmal muss auch ein ernstes Wort gesprochen werden, wenn sich einer nicht an die Hausordnung hält", so Mandy Bauer.

Tibor Taylor ist mächtig stolz auf seine sechs Hausmeister, die alles gut im Griff haben und "sehr fleißig sind". Das hat in den letzten beiden Jahren dazu beigetragen, dass der Ruf des "Oberfelder Weges" schon besser geworden ist. "Doch gibt es immer noch Vorbehalte. Aber wer dann mal vorbei schaut, kann sehen, wie gut der Zustand der Wohnungen und auch der Außenanlagen ist", so Taylor, der es sich nicht nehmen ließ, mit seinen Mietern im Dezember zum zweiten Mal ein Weihnachtsfest zu feiern.

Auch für das neue Jahr gibt es einige Vorhaben im Oberfelder Weg. So soll der Wohnblock 9-10 einen neuen Außenanstrich erhalten. Auch der Fußweg vor diesem Gebäude soll erneuert werden. Für die jüngsten Bewohner des Oberfelder Weges wird es sicherlich eine große Freude, wenn sie ihren neuen Spielplatz in Besitz nehmen können. Vielleicht klappt es damit schon zum Osterfest im April.

Seit 1. Januar haben die sechs Hausmeister noch eine Hilfe bekommen. Eine Mieterin ist für die Reinigung der Treppenaufgänge verantwortlich. "Es ist schön zu sehen, wie sich die Mieter hier alle sehr wohl fühlen. Wir wünschen uns, dass der Oberfelder Weg wieder eine begehrte Adresse wird", erklären die sechs Hausmeister. Erste Mietanfragen gibt es bereits.