Das Wappen, welches die Aktiven der Kamernschen Wehr am Ärmel tragen, wurde 2013 bittere Realität: Wasser floss um die Hedemicke. Auf der Jahresversammlung wurde jetzt Bilanz gezogen.

Kamern l "Feuerwehrtypische Einsätze hatten wir im Vorjahr eigentlich wenige, dafür wurden wir über Wochen zu einer Wasserwehr", leitete Ortswehrleiter Jürgen Brandt seinen Jahresrückblick ein. Ein Meilenstein war zudem die Gründung des Fördervereins im Frühjahr 2013.

Ab dem 9. Juni war nicht mehr wie es vorher war. An jenem Tag waren einige Kameraden zum Deichabrutsch nach Fischbeck geeilt, andere zur Wulkauer Problemstelle. Bei Wulkau waren die Aktiven mit vielen anderen Helfern von 9 Uhr bis nachts um 3.30 Uhr mit der Deichverteidigung beschäftigt, nach fünf Stunden Pause ging es weiter. Tage zuvor wurden bereits Sandsäcke gefüllt und diese verteilt.

Harsch kritisierte Jürgen Brandt die seiner Meinung nach unsinnige Evakuierungsanordnung für Kamern, dadurch sei ein ganzer Tag verlorengegangen und die Schäden im Ort noch schlimmer geworden. Schlimm war auch, dass zugesagter Materialnachschub ausblieb. "Es gab viele sinnlose Aktionen, weil nicht auf die Einheimischen gehört wurde", kritisierte der Wehrleiter. Auch die ständige Präsenz der Medien hatte ihn gestört. Beispielsweise die vielen Filmteams bei der Straßenschlitzung.

Von den Aktiven wurde das Letzte abgefordert, erst ab der zweiten Juli-Woche konnten sie wieder ihrer normalen Arbeit nachgehen. Jürgen Brandt nannte Benjamin Boyken als Beispiel, der jeden Tag im Einsatz war. Er hatte ohnehin nur noch seine Feuerwehrbekleidung, da seine Wohnung unter Wasser stand.

Toll sei der Zusammenhalt im Dorf gewesen, ebenso der Elan der Jugend. Leider gab es auch unsolidarisches Verhalten und Verleumdungen. So wurden der Wehr unter anderem innerhalb von zehn Minuten zwei Tauchpumpen gestohlen. Jürgen Brandts Dank ging an alle Fluthelfer aus dem Ort - Bürger als auch Firmen -, an das THW aus Baden-Württemberg, den Katastrophenschutzzug Salzwedel, die Feuerwehrbereitschaft aus Schleswig-Holstein sowie die Wehren aus Pinneberg und Waltershausen.

Das zweite Halbjahr gestaltete sich wesentlich ruhiger. Es gab einen Einsatz am 29.August in der Warnauer Gemarkung, als Ödland durch einen heißgelaufenen Mäher in Flammen aufging. Ein weiterer folgte am 6. Dezember, hier lag wegen des Orkans ein Baum auf der Straße nach Wulkau.

2637 Stunden im Katastropheneinsatz

Ansonsten gingen die Aktiven ihrer Ausbildung nach, wobei der Wehrleiter eine regere Teilnahme anmahnte. Fürs Dorfleben wurden in Zusammenarbeit mit dem Förderverein der Maibaum aufgestellt, das Pfingstfeuer sowie das Lampionfest in der Tagesstätte abgesichert. Auch für den Ausscheid im Löschangriff wurde fleißig trainiert. "Hätte er stattgefunden, wären wir wohl Sieger geworden", meinte Jürgen Brandt augenzwinkernd.

Auch Erfreuliches gab es im Vorjahr: Der Wehr traten drei neue Mitglieder bei. Silvio Schulz half schon bei der Flut mit, hinzu kamen später Johannes Ebel und Torsten Klose. Die beiden Letztgenannten werden dieses Jahr den Truppmannlehrgang absolvieren, Benjamin Boyken will zudem in Kürze Gruppenführer werden.

Von den 3257 Einsatzstunden der Aktiven im Vorjahr gehen allein 2637 Stunden auf das Konto der Flutkatastrophe. Die Ausbildung nahm 2013 insgesamt 380 Stunden in Anspruch, 240 Arbeitsstunden wurden ferner geleistet.

In diesem Jahr steht den Mitgliedern der Wehr und ihres Fördervereins noch ein großes Jubiläum ins Haus: Seit nunmehr 80 Jahren existiert in der Seegemeinde die freiwillige Feuerwehr. Aus diesem Grund wird hier am 14. Juni der Löschangriff-Ausscheid der Verbandsgemeinde ausgetragen, verbunden mit einer Dankeschön-Party. Und natürlich werden auch die traditionellen Veranstaltungen im Dorf wieder stattfinden.

Erstmals fand im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Wehr auch diejenige ihres Fördervereins statt. Vorsitzender Arno Brandt berichtete, dass der im März gegründete Verein inzwischen amtlich eingetragen ist. Erste Aktion war am 30. April das Aufstellen des Maibaumes, inzwischen gibt es an Grill und Tresen eingespielte Teams.

Wegen der Flutkatastrophe im Sommer stellte der junge Verein sein Konto für Spenden zur Verfügung. Knapp 60000 Euro flossen darauf ein, auch Dank des Engagements von Vereinsmitglied Christoph von Katte. Er hatte sein Fluttagebuch per Internet an viele Bekannte versandt. 45000 Euro sind bislang an Flutopfer ausgezahlt worden, damit wurde bereits Anfang August begonnen. Die jüngste Tranche wurde kurz vor Weihnachten ausgezahlt. Aufs Konto waren unter anderem auch 18000 Euro des Rotary-Clubs geflossen und ausgezahlt worden.

Die notwendige und aufwendige Schreibarbeit dazu erledigten die Vereinsmitglieder Sandra Bioletti und Erhard Michael. Er führt zugleich die Kasse. "Beide arbeiteten sehr akribisch" lobte Arno Brandt.

Büro und Lager im Dachgeschoss geplant

Desweiteren organisierte der Verein eine Dankeschönparty für die Fluthelfer des Ortes, wozu aber auch die Betroffenen eingeladen wurden. Im August wurde für den Verein, aber auch für Helfer und Betroffene eine Busfahrt ins Bergtheater nach Thale angeboten, die leider nur wenig Resonanz fand.

Es gab eine Schrottsammlung, am 2. Oktober organisierte der Verein zusammen mit der Wehr das Traditionsfeuer samt Umzug. Mit im Arbeitsplan standen zudem der Kartenspielabend im November und die Weihnachtsfeier, welche erstmals passive und aktive Mitglieder vereinte.

Auch für 2014 hat sich der Förderverein einiges vorgenommen. Zuallererst soll die Arbeit der Aktiven unterstützt werden. Dazu wird auch der geplante Ausbau des Dachgeschosses vom Gerätehaus dienen. Das Lager und ein Büro für die Wehrleitung sollen hier eingerichtet werden, dann wäre im Erdgeschoss mehr Platz. Es wird eine Straßensammlung für die Wehr stattfinden, Spieleabende im März und November, eine Schrottsammlung und das Aufstellen des Maibaumes. Natürlich hilft der Verein beim Ausrichten des Jubiläums, auch eine Busfahrt ist geplant. Für das Ziel sind Anregungen der Mitglieder willkommen.

Den Kassenbericht des Vereins gab Erhard Michael. Er wurde nach dem Bericht der Kassenprüfer mitsamt dem Vorstand entlastet. Der Kassenwart mahnte, die noch ausstehenden Beiträge umgehend zu bezahlen, denn im Januar werden etliche Ausgaben fällig.

Gerätewart Werner Bioletti attestierte in seinem Bericht einen guten Zustand der Technik, fast alle Ausrüstungsgegenstände, die bei der Flut zu Schaden oder abhanden gekommen waren, wurden inzwischen wiederbeschafft. Der Gesamtschaden betrug 60000Euro. Die Wehr besitzt nun auch eine größere Schmutzwasserpumpe.

"Die Katastrophe hat gezeigt, wie wichtig jede Wehr für die Gemeinde ist", erklärte Verbandsbürgermeister Bernd Witt als Dienstherr. Vor, während und nach der Flut waren die Kameraden im Einsatz, oft bis an ihre Grenzen. Die Analyse habe gezeigt, dass jede Wehr wichtig sei. In den kommenden Jahren seien zwei Millionen Euro für Investitionen in die Feuerwehren nötig.

 

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