Sieben Flutgebäude im Elbe-Havel-Land sind bereits abgerissen, mehr als zehn Häusern steht das gleiche Schicksal bevor - auch dem von Pascheks in Wust.

Wust l "Wenn es bloß erst einmal soweit ist!" Susan und Frank Paschek aus Wust warten auf den Tag, an dem der Abrissbagger anrückt und das Haus, in dem sie sich bis zum 10. Juni 2013 wohl fühlten, dem Erdboden gleich macht. "Dann haben wir nicht mehr jeden Tag die Katastrophe vor Augen und können in die Zukunft blicken", erzählt der Familienvater.

Eine Drei-Zimmer-Wohnung im Neubaublock muss Pascheks mit den beiden Töchtern Reneé (12) und Penelope (6) jetzt reichen, so schnell wie möglich wollen sie zurück auf ihr Grundstück in der Breiten Straße. Hier hatten sie vor sieben Jahren das Haus, das etwa von 1900 stammt, gekauft. Nach und nach machten sie es sich schön. Frank Paschek ist handwerklich geschickt und hatte gerade erst im Flur ein originelles Mosaik gefließt. "Auch das Bad unterm Dach stand kurz vor der Fertigstellung - aber dann kam das Wasser." Etwa 40 Zentimeter hoch drang das Fischbecker Deichbruchwasser in das Haus. Die Lehmwände sogen sich voll Wasser, wollten und wollten in den folgenden Wochen trotz Einsatzes von Entfeuchtern nicht trocknen. Pascheks richteten sich in den oberen Zimmern, in denen eigentlich die Töchter wohnen, ein. "Aber die Feuchtigkeit hat sich bis hoch gezogen, die verbliebenen Möbel sind auch noch verschimmelt", berichtet Susan Paschek, dass sämtliches Mobiliar neu angeschafft werden muss.

Einzug im Spätherbst

Beim Entfernen der Gipskartonplatten und von Putz kamen Risse in den Wänden zum Vorschein. "Statisch gibt es zwar noch keine Probleme. Dennoch hat der Gutachter bescheinigt, dass ein Neubau günstiger als eine Sanierung ist", erzählt Frank Paschek, der in Premnitz in einem Betrieb für Müllrecycling arbeitet. Die Investitionsbank hat bereits zugestimmt. Jetzt warten Pascheks nur noch auf den Termin für den Abriss, der Bauantrag für das neue Haus wird demnächst gestellt. Denn Ziel ist es, im Spätherbst einzuziehen. Gebaut wird dann wohl zeitgleich mit den Nachbarn, Familie Schulze, die ebenfalls abreißen muss (wir berichteten). Bevor das Haus verschwindet, baut Frank Paschek alles aus, was man vielleicht noch irgendwie verwenden kann. Auch die Holzpfeiler, die im Untergeschoss für ein gemütliches Ambiente sorgten. "Und die Fenster, die ja noch nicht alt waren, kann man auch noch irgendwo verwenden."

Genau im Auge behalten muss er die Risse und den teilweise abgesackten Fußboden in der Scheune auf dem Hof, "ich hoffe, dass der Schaden hier nicht so groß ist".

Dank für Unterstützung

Bei all den Sorgen haben Pascheks auch positive Erfahrungen gemacht. Einen Tag vor Heiligabend beispielsweise bekamen sie Besuch von Grundschülern aus Großwudicke. Die hatte Altpapier gesammelt und auf die Schul-Weihnachtsgeschenke verzichtet, so dass eine Spende und Spielzeug übergeben werden konnten.

Abschied von ihrem Zuhause haben Pascheks mit der Silvesterfeier genommen. Auch wenn es nicht wirklich gemütlich war, so konnten doch Tische und Stühle aufgestellt und mit Sekt auf ein neues, besseres Jahr 2014 angestoßen werden.

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