"Und nicht mehr so viel Wasser!" Diesen Satz hörten die vier Gastgeber, die am Donnerstagabend zum Klietzer Neujahrsempfang willkommen hießen, immer wieder bei den Wünschen für das neue Jahr, "das nur besser werden kann als das Katastrophenjahr 2013".

Klietz l Natürlich zog sich die Flut wie ein roter Faden durch die Berichte aller vier Gastgeber, die auf das vergangene Jahr Rückschau hielten und von den Plänen für 2014 berichteten, die vom Wiederaufbau geprägt sind.

Bürgermeister Jürgen Masch, der zunächst die über 200 Gäste im Saal des "Seeblicks" begrüßte und vor allem die Freunde aus dem polnischen Czerwiensk herzlich willkommen hieß, erinnerte an den Juni. Vom Krankenbett aus musste er verfolgen, was sich in seiner Heimat abspielt. In den letzten Jahren, gerade nach der brenzligen Situation 2002, sei zu wenig bei der Deichsanierung gemacht worden. Seinem Ärger über die Schließung von Grundschulen im Elbe-Havel-Land machte er Luft: "Die Beschlüsse der Gemeinden wurden vom Verbandsrat und vom Landkreis ignoriert." Und an die große Politik gerichtet: "Warum kann es keine kleinen Grundschulen geben und wo bleibt ein in Deutschland einheitliches Schulsystem?" Den örtlichen Vereinen dankte er für die gute Zusammenarbeit, ebenso der Bundeswehr und allen, die sich während der Flut engagierten. Dringlichstes Vorhaben 2014 ist Radwegbau nach Neuermark.

Mit dem Wunsch, gemeinsam eine bessere Zukunft zu gestalten, übergab er das Wort an Oberstleutnant Roman Jähnel, amtierender Kommandant der Truppenübungsplatzkommandantur. "Hand in Hand haben Soldaten und Zivile im Juni kameradschaftlich und über das Maß hinaus zusammengearbeitet, alle Zahnräder griffen ineinander über." Auch die unmittelbar am See gelegene Kaserne hat großen Schaden genommen. Dennoch sei es gelungen, den Übungsbetrieb ab September wieder aufzunehmen. Aufwendig sei die Sanierung des großen Küchengebäudes, was lange Zeit in Anspruch nehmen wird. Dennoch soll darunter die Qualität des Essens nicht leiden.

Neben zwei großen Übungen im vergangenen Jahr gab es auch Bauarbeiten. Eine zivil-militärische Maßnahme stellte die 1,7 Millionen Euro teure Begradigung der Straße bei Neuschollene samt Abbiegespur zum "Briefkasten" dar, allein 400000 Euro davon dienten dem Umweltschutz. Die Waldkampfbahn 6 ist nach der Modernisierung im Zielbau wieder in Betrieb genommen worden. Und auch dieses Jahr wird investiert: Eine neue Fahrzeugwaschstation entsteht am Biwakplatz Großwudicke, ebenso eine neue Betankungsfläche. Und zwei Panzerfaustschießbahnen werden auch gebaut. Für Mai ist wieder eine Großübung geplant.

Dass der Übungsbetrieb reibungslos ablaufen kann, ist auch dem Bundesforstbetrieb zu verdanken. Forstoberrat Kurt-Werner Balke berichtete, dass es das Anliegen seiner Mannschaft ist, dem Militär optimale Bedingungen zu bieten und mit einem durchdachten Waldbau Staub und Lärm von der Bevölkerung fernzuhalten.

Wirtschaftlich war 2013 ein gutes Jahr: Insgesamt hat der Bundesforstbetrieb 76000 Festmeter Holz eingeschlagen und verkauft, allein 28000 Festmeter davon auf dem Gelände des Klietzer Platzes. Das hat 2,5 Millionen Euro in die Kassen des Bundes gespült. Auch durch die Jagd gab es Einnahmen: immerhin 270000 Euro. Geschossen wurden insgesamt 2300 Stück Schalenwild, darunter 780 Sauen und 850 Rehe. "Aber wir Jäger jagen nicht mehr allein auf dem Klietzer Platz, sondern auch der Wolf jagt mit. Es gibt allerdings keine Erkenntnisse, dass sich ein Rudel angesiedelt hat. Aber der Wolf ist verstärkt Transitgast und die Wahrscheinlichkeit, dass es hier bald ein Rudel gibt, liegt bei 110 Prozent!"

See hat sich schneller erhofft als erholt

Für den zum Bundesforstbetrieb gehörenden See bedeutete der Fischbecker Deichbruch den Super-GAU. Das einströmende Wasser ließ den Wasserspiegel um 3,80 Meter ansteigen. "Der Sauerstoffgehalt lag bei 0,0 Prozent - der See war tot!" Doch erstaunlich schnell hat er sich erholt und die Qualität hat sich inzwischen normalisiert, so dass bereits zahlreiche Besatzmaßnahmen stattfinden konnten. Dennoch wurde ein Jahr Schonzeit auferlegt - es wird nicht gefischt und nicht geangelt. Erfreulich sei auch das Ergebnis von Tests: weder Pestizide noch Schwermetalle belasten den See, so dass im Sommer beruhigt gebadet werden kann.

Der Bundesforstbetrieb durchforstet in diesem Jahr umfassend das Westufer. Das habe aber nichts mit der Flut zu tun, sondern sei eine geplante forstliche Maßnahme.

Als letzter, sich kurz fassender Redner trat Ronald Weihs vom Objektmanagement (hier ist der Großteil der

zivilen

Mitarbeiter angesiedelt) ans Pult. Die Beseitigung der Flutschäden stelle eine große Herausforderung dar. Der Sonderübungsplatz konnte bereits wieder auf das Gelände am See ziehen, die Feuerwehr folgt Ende dieses Monats. Die Unterkunftsgebäude sind fast alle wieder hergerichtet, so dass die übende Truppe vernünftig untergebracht werden kann. Ein großes Lob sprach er dem Küchenchef Guido Philipowitz aus. Er und sein Team müssen seit dem Sommer mit den eingeschränkten Bedingungen der Feldküche Großwudicke zurechtkommen und liefern dennoch weiterhin Essen von bester Qualität. Auch während der Zeit der Flut wurden Soldaten und Helfer optimal versorgt. Und auch das Essen, das es beim Neujahrsempfang gab, wurde in der Feldküche zubereitet. Das Fleisch für den Gulasch spendierte der Bundesforstbetrieb.

Nach gut einer Stunde konnten sich die Gäste das Essen dann schmecken lassen. Mit Sekt stießen sie auf das neue Jahr an.

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