Am 28. November hat Oberstleutnant Stefan Gruhn das Kommando über das Panzerpionierbataillon 803 Havelberg übernommen. Über seine ersten Dienstwochen und die anstehenden Aufgaben im neuen Jahr unterhielt sich Andrea Schröder mit dem 40-Jährigen.

Volksstimme: Zuletzt als Generalstabsoffizier in der G2-Abteilung der 13. Panzergrenadierdivison in Leipzig tätig, sind Sie nun der Chef für rund 500 Soldaten. Haben Sie sich in Ihre neue Aufgabe schon eingewöhnt?

Stefan Gruhn: Seit Mitte November bin ich jetzt hier in der Elb-Havel-Kaserne und somit konnte die Übergabe langfristig gestaltet werden. Dass ich gerade Oberstleutnant Oliver Esdar beerbt habe, ist für mich ein Glücksfall. Wir kennen uns von unserer gemeinsamen Offiziersausbildung, haben zusammen studiert. So konnten wir uns schon im Vorfeld abstimmen. Das machte die Übergabe für mich sehr angenehm. Auch alle anderen Angehörigen des Bataillons erleichterten mir den Einstieg.

"Das tägliche Miteinander mit unterschiedlichen Charakteren macht mir Spaß."

Volksstimme: Kannten Sie Havelberg bereits?

Stefan Gruhn: Als vor einigen Jahren im Gespräch war, dass das Schwere Pionierbataillon 703 Dessau möglicherweise nach Havelberg verlegt, war ich dort gerade Kompaniechef. Bei einer Art Werbefahrt haben wir uns hier in der Kaserne umgesehen und auch als Familie geschaut, welche Arbeitsplätze möglich wären.

Volksstimme: Kommandeur sein zu dürfen, sei die schönste Verwendung, sagten Ihre Vorgänger. Wie sehen Sie das?

Stefan Gruhn: Kommandeur zu werden, sollte das Ziel eines jeden Offiziers sein. Ich habe mich sehr gefreut, als ich erfuhr, dass ich das werden kann. Denn das ist auch eine Bestätigung der Arbeit, die man bisher geleistet hat.

Dass es auch noch Havelberg geworden ist, freut mich besonders, denn das ist für mich als Sachsen-Anhalter aus Hettstedt ein Stück Heimat. Dann ist da auch die Nähe zu Berlin, die es für mich einfacher macht, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Das war während meiner Generalstabsausbildung in Hamburg und den anschließenden Verwendungen in Köln und Leipzig nicht immer so.

Volksstimme: Worauf freuen Sie sich?

Stefan Gruhn: An der Kommandeursverwendung gefällt mir besonders der Umgang mit den Menschen. Klar ist auch mein Wissen über das Handwerk des Pioniers gefragt, aber in erster Linie geht es darum, Menschen zu führen, auszubilden und zu erziehen. Hier kann ich meine Erfahrungen, die ich mir als Gruppen- und Zugführer sowie Kompaniechef über Jahre erarbeitet habe, weitergeben. Das tägliche Miteinander mit unterschiedlichen Charakteren und darüber hinaus Verantwortung zu übernehmen macht mir Spaß.

Volksstimme: Beim Jahresabschlussantreten des Bataillons kurz vor Weihnachten sprachen Sie von vielfältigen Aufgaben, die auf die Soldaten zukommen. Was gehört dazu?

Stefan Gruhn: Auf uns warten zwei herausfordernde Jahre. Einerseits muss sich das Bataillon auf den Auslandseinsatz 2014 vorbereiten. Das betrifft nur Teile des Bataillons, im Schwerpunkt die erste und die dritte Kompanie. Diese Teile müssen sich darauf einstellen, jederzeit in den Einsatz gehen zu können und die Kräfte vor Ort zu unterstützen, also eine Art Reserve.

Außerdem steht uns ein großes Ausbildungsvolumen hinsichtlich der Unterstützung der Kampftruppenverbände der Brigade bevor. Im Mittelpunkt steht im zweiten Halbjahr eine Informationslehrübung, die auf dem Truppenübungsplatz Bergen stattfindet. Im Rahmen dieser Übung werden künftigem Führungspersonal der Bundeswehr die gesamten Fähigkeiten des Heeres in verschiedenen Lehrbildern dargestellt. Als Pioniere sind wir mit unseren vielfältigen Möglichkeiten zur Unterstützung überall vertreten und können somit unser gesamtes Leistungsspektrum präsentieren.

Und dann beginnt in diesem Jahr mit der Geräteausbildung für die Faltschwimmbrücken für die vierte Kompanie auch die Umgliederung des Bataillons, die bis 2015 abgeschlossen sein wird.

Volksstimme: Damit kehrt ein Aufgabenkomplex wieder nach Havelberg zurück, den es hier über viele Jahre bereits gab?

Stefan Gruhn: Ja. Innerhalb der 1. Panzerdivision, der wir unterstellt sind, wird es künftig drei Panzerpionierbataillone geben und jedes hat ein Alleinstellungsmerkmal. Wir haben hier dann statt der bisherigen Tauchergruppe einen Taucherzug und die Faltschwimmbrückenkomponente. Andere Panzerpionierbataillone verfügen dann als bestimmendes Merkmal über Amphibienfahrzeuge oder Bohrgerät.

Volksstimme: Was bringt das Jahr 2014 weiterhin

Stefan Gruhn: Neben den vielen Terminen auf Übungsplätzen, was für die Soldaten oft heißt, nicht zu Hause beziehungsweise im Heimatstandort zu sein, wird es mit der Neuausrichtung der Bundeswehr auch Personalveränderungen im Standort geben. Wir werden versuchen, den jeweiligen Wünschen zu entsprechen. Denn das Personal muss im Mittelpunkt stehen, Berufszufriedenheit ist wichtig.

Volksstimme: Da stoßen die Vorschläge der neuen Verteidigungsministerin sicher auf Zuspruch. Was dachten Sie, als Sie hörten, dass mit Ursula von der Leyen eine Frau oberste Dienstherrin der Bundeswehr wird?

Stefan Gruhn: Für mich kam die Nachricht überraschend. Ich wünsche mir für sie, dass sie lange im Amt bleibt, und für uns, dass sie im Sinne der Bundeswehr agiert. Sie hat Ideen, politische Erfahrung und Schneid. Ich sehe der ganzen Sache positiv entgegen. Ob Frau oder Mann ist egal, die Arbeit ist wichtig.

"Die Feuerwehr schafft auch keiner ab, nur weil es längere Zeit nicht brennt."

Volksstimme: Welche Erwartungen setzen Sie in die Politik?

Stefan Gruhn: Ich fordere von der Politik Ehrlichkeit und dass sie im Sinne des nachgeordneten Bereiches agiert und handelt. Persönliche Befindlichkeiten haben da nichts zu suchen. Die Bundeswehr muss eine Struktur einnehmen, dass sie in der Lage ist zu kämpfen. Standortfragen sollten nicht ständig neu gestellt werden. Wir müssen uns auch weiterhin darauf einstellen, in Kriegsgebiete zu gehen, das ist das Los der Soldaten. Unser Interesse ist jedoch der Frieden.

Die breite Masse ist froh, wenn sie zeitnah nicht wieder in den Einsatz muss, denn diese sind aufgrund der Belastung vor Ort sehr fordernd. Nicht zu vergessen die Trennung von Familien und Freunden. Vier oder sechs Monate sind eine verdammt lange Zeit.

Volksstimme: Kann die Politik zur Akzeptanz der Bundeswehr in der Bevölkerung beitragen?

Stefan Gruhn: Natürlich. Die Akzeptanz ist regional sehr unterschiedlich. Hier in Havelberg fühle ich mich als Bundeswehr gut aufgehoben. Das ist nicht überall so und hängt davon ab, wie die Stadt, wie die Politik mit der Bundeswehr umgehen.

Ich wünsche mir, dass Soldaten einen starken Rückhalt in der Bevölkerung haben. Und das nicht nur in Krisenzeiten wie dem Hochwasser im vergangen Jahr. Die Feuerwehr schafft auch keiner ab, nur weil es längere Zeit nicht brennt. Die Menschen müssen wissen und verstehen, dass wir die Interessen Deutschlands auch anderswo auf der Welt verteidigen.

Aus meiner Sicht sind zwei Sachen wichtig: Wie stellt sich die Bundeswehr selbst dar und wie steht die Politik zu uns. Wenn das entsprechend gut funktioniert, wird auch die Akzeptanz bei den Menschen vorhanden sein.

Volksstimme: Dazu beitragen kann solch ein Tag der offenen Tür wie 2013, der nach der Flutkatastrophe auch eine Dankeschönparty von Stadt und Bundeswehr war. Ihr Vorgänger hat empfohlen, anstelle von Biwaks mit geladenen Gästen künftig öfter solch einen Tag für alle Bürger anzubieten. Gefällt Ihnen diese Idee?

Stefan Gruhn: Auf jeden Fall. Allerdings müssen wir schauen, ob wir das in diesem Jahr aufgrund der sehr vielen Aufgaben genauso umsetzen können. Das Führungsunterstützungsbataillon wird im gleichen Zeitraum seinen Abschied feiern, beim Sachsen-Anhalt-Tag sind wir gefragt. Aber 2015 wird es auf jeden Fall wieder einen Tag der offenen Tür geben.

Volksstimme: Zum einen gehen die Führungsunterstützer raus aus der Kaserne, zum anderen kommt eine Logistikkompanie mit 250 Soldaten nach Havelberg. Was ist in der Kaserne dafür zu tun?

"Die Teilnahme am Hafentriathlon habe ich mir zumindest vorgenommen."

Stefan Gruhn: Für die zusätzliche Instandsetzungskapazität sind bauliche Veränderungen erforderlich. Der Kasernenkommandant ist derzeit dabei, die entsprechenden Instandsetzungshallen auszuplanen. Von den Unterkünften her sind wir auf künftig 800 bis 900 Soldaten am Standort Havelberg gut eingestellt. Eventuell sind noch Sanierungen erforderlich.

Volksstimme: Sie gehören zu den Offizieren, die zwischen ihrem Wohn- und Arbeitsort pendeln?

Stefan Gruhn: Ich wohne mit meiner Familie seit Jahren im Landkreis Oberhavel. Meine Frau hat dort ihre Arbeit, unsere zwölfjährige Tochter ihr gewohntes Umfeld mit Freunden und ihrem Leichtathletikverein. Ein Umzug kam für uns aus diesen Gründen nicht infrage.

Volksstimme: Welche Hobbys hat der neue Kommandeur der Havelberger Pioniere?

Stefan Gruhn: Für mich ist die Familie wichtig, sie ist mein Rückhalt. Außerdem mache ich Sport als Ausgleich zum Beruf. Laufen, Schwimmen, Radfahren - am Werbellinsee habe ich im vergangenen Jahr meinen ersten Triathlon absolviert. Dabei steht für mich vor allem der Spaß im Vordergrund.

Volksstimme: Ist damit zu rechnen, dass Sie beim Havelberger Hafentriathlon im Juli mit am Start sind?

Stefan Gruhn: Ich habe es mir zumindest vorgenommen.