Droht den Jederitzern der Einsatz eines Ortsvorstehers, wenn sie es nicht schaffen, zur Wahl am 25. Mai einen Ortschaftsrat aufzustellen? Eine Frage, die beim Neujahrstreff am Freitagabend diskutiert wurde.

Jederitz l Dass Ortsbürgermeisterin Beatrix Groos und Mitglieder des Ortschaftsrates zur Kommunalwahl im Mai nicht wieder kandidieren, ist schon länger bekannt. Doch die Suche nach neuen Ortsvertretern verlief bisher noch nicht so wie erwünscht. Vielleicht müsse künftig der Kultur- und Ortsverein mehr in den Mittelpunkt gerückt werden, um die Interessen des Dorfes weiterhin vertreten zu können. Nach einem kurzen Rückblick auf das Hochwasser und dem Dankeschön an alle Helfer appellierte die Ortsbürgermeisterin eindringlich an die Einwohner, Vorschläge für den Ortschaftsrat zu unterbreiten.

"Mir liegt es sehr am Herzen, dass wir zusammenhalten, Veranstaltungen gemeinsam organisieren und füreinander Verständnis aufbringen", sagte sie und schlug vor, die Vergangenheit ruhen zu lassen und in die Zukunft zu schauen. "Wir sollten in unserem kleinen Ort besser an einem Strang ziehen, auch wenn es mal Probleme gibt."

Ortsvorsteher kann zum Prügelknaben werden

"Gute Erfahrungen haben wir zur 500-Jahr-Feier gemacht, als wir alle zusammengearbeitet haben", warb sie für gutes Miteinander in dem 137 Einwohner zählenden Haveldorf. Sehr gerührt bedankte sie sich bei allen, die sie in den vergangenen Jahren unterstützt haben: Ortschaftsrat und Ortsverein, Volkssolidarität, Feuerwehr, Einwohner, ehemalige Jederitzer, Havelbergs Bürgermeister und ihre Familie, "die oft zurückstecken musste". Ganz besonders sprach sie die Vorsitzende des Ortsvereins Christine Kunz an, "die in der letzten Zeit viel mehr als meine rechte Hand gewesen ist". Blumen gab`s für sie am Freitagabend und eine Einladung zu einem Essen.

Bürgermeister Bernd Poloski bescheinigte den Jederitzern bei allen Problemen, die es überall mal gibt, eine gute Dorfgemeinschaft. Als Zeichen dafür sieht er die Hochwasserzeit im Juni. In der speziellen Gefahrensituation, als der Polderdeich zu brechen drohte, waren die Einwohner füreinander da und haben sich an das gehalten, was sie vorher abgesprochen hatten. Bis auf die, die wegen der Gefahrenabwehr bleiben mussten, sind alle der Evakuierungsaufforderung gefolgt. "Das ist für mich eine ganz besondere Leistung."

Bezogen auf die Schäden etwa an Wegen informierte er, dass in diesem Jahr damit begonnen werde, den Großteil zu beseitigen. Absprachen erfolgen mit den Ortschaftsräten. "Das setzt voraus, dass wir Ansprechpartner in den Orten haben", schlug er die Brücke zum aktuellen Thema in Jederitz.

Er sei Verfechter der Ortschaftsräte und setze auf die Meinungsbildung vor Ort. Ohne Ortschaftsrat würde der Bürgermeister einen Ortsvorsteher einsetzen. "Der tut mir leid. Er soll die Meinung der Einwohner vertreten. Liegt er mal falsch, wird er zum Prügelknaben", machte er deutlich, die Meinungsbildung in den Orten besser auf mehrere Schultern zu verteilen. Ein Ortschaftsrat sei gut für die Dorfgemeinschaft und mache zudem die Arbeit für die Verwaltung leichter. Er dankte all jenen, die sich in den vergangenen fünf Jahren im Ortschaftsrat engagiert haben und machte Einzelbewerbern Mut. Die Hürde sei mit einer Unterstützungsunterschrift nicht hoch.

Engagement zur Buga ist gefragt

Ein weiterer Schwerpunkt des Neujahrstreffens war die Buga. Das Stadtoberhaupt warb um das Engagement eines jeden. "Andere Leute beneiden uns um dieses Ereignis", sagt er und berichtete von den Info-Veranstaltungen derzeit in verschiedenen Städten und Vorhaben der CDU-Frauen in Tangermünde. Sie wollen profitieren von der Bundesgartenschau. Diskussionen, die er sich verstärkt auch in und um Havelberg wünsche. Für Investitionen in die Buga-Kulissen bekommt die Stadt Fördergelder. Aber für Blumenbeete, Veranstaltungen und Personal außerhalb davon hat sie nicht einen Cent mehr zur Verfügung. Jeder, der seinen Beitrag leisten möchte, sollte es tun. Es komme keiner und fragt, ob er mitmacht, setzt das Stadtoberhaupt auf Eigeninitiativen in den Ortschaften. Etwa, wenn es um die Gestaltung von Ortseinfahrten oder auch geöffnete Kirchen, Gaststätten, Ausstellungen und das Kümmern um Pflegeobjekte geht.

"Wir sind am Thema dran und haben Ideen, die wir aber nicht an die große Glocke hängen wollen", sagte Ortsvereinsvorsitzende Christine Kunz und versicherte, dass sich die Jederitzer um ihren Ort kümmern.