Während vielerorts über Ärztemangel geklagt wird, kommen positive Nachrichten aus Schollene. Hier lässt sich Allgemeinmediziner Ben Güldenpfennig nieder. Gestern weihte er die Arztpraxis ein.

Schollene l "Herzlichen Glückwunsch zu dieser Entscheidung und zum Mut, sich als Arzt niederzulassen!" Viele gute Wünsche nahm Ben Güldenpfennig gestern Nachmittag von Berufskollegen, ehemaligen Studienfreunden, Wegbegleitern und Freunden entgegen. Ab Montag behandelt er in der neuen Praxis, die die Gemeinde in der alten Schule nach seinen Wünschen ausgebaut hat, die Patienten. Die wurden bisher von Dr. Anton Schreiber betreut, der vor zwei Wochen in Ruhestand gegangen ist.

Der 42-Jährige freut sich auf die Herausforderung, der er sich stellt. Dabei ist der Wunsch, Arzt zu werden, erst spät gereift. Der gebürtige Wulkauer hat die Oberschule in Klietz besucht und eine Ausbildung zum Binnenfischer in Werder bei Potsdam gemacht. Gerade damit fertig, kam die Wende - und die Arbeitslosigkeit.

"Ich war dann erst einmal als ABM-Kraft in Wulkau tätig, zu dritt haben wir uns um die Grünflächen gekümmert oder im Kindergarten Hausmeisterarbeiten ausgeführt. Als die Teichzucht Maubach eröffnete, habe ich hier schnell wieder Arbeit gefunden. Aber nach drei Jahren, mit 25, hab ich mich gefragt, ob es das wirklich ist, was ich ein Leben lang will. Also begann ich erst einmal in Magdeburg, mein Abi zu machen. Auf der Suche nach einem Beruf mit Zukunft entschied ich mich, Medizin an der Magdeburger Uni-Klinik zu studieren. Dr. Beyer, der mal Anästhesist in Havelberg war und den ich vom Angeln kannte, hat mich in dieser Orientierung bestärkt." 2007 hatte Ben Güldenpfennig den Medizin-Abschluss in der Tasche. Noch einmal fünf Jahre Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin schlossen sich an.

Dr. Schreiber fragte, ob er sein Nachfolger werden möchte

Kurze Einsätze in der Urologie in Magdeburg und am Halberstädter Krankenhaus folgten, bevor Ben Güldenpfennig 2009 an das Krankenhaus nach Stendal kam. Vor drei Jahren dann, als der Wulkauer vorübergehend in Schönhausen lebte, klopfte Dr. Anton Schreiber eines Tages an seine Tür. "Ich kenne ihn schon, seit ich ein kleiner Junge bin. Er fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, seine Praxis zu übernehmen. Ich hab mich immer mehr mit dem Gedanken angefreundet und schließlich zugesagt. Und nun bin ich hier!"

Die beiden Arzthelferinnen Sigrit Costrau und Marion Volkmer, die auch bei Anton Schreiber im Schloss arbeiteten, hat der neue Arzt in seine Praxis übernommen. Hier gibt es zwei Behandlungsräume und ein Labor für Funktionsdiagnostik, "ich decke das gesamte hausärztliche Spektrum ab".

Ben Güldenpfennigs Hobby ist schon seit vielen Jahren das Angeln - da ist er seinem ersten Beruf treu geblieben.

Ein paar Arbeiten in der Praxis sind noch nötig, deshalb ist kommende Woche nur verkürzt Montag- bis Mittwochvormittag geöffnet.