Rund 40 Einwohner nutzten am Dienstagabend im Rathaus die Gelegenheit, von Daniela Süßmann zu erfahren, was es mit dem Bürgerprojekt Grünkorridore für die Stadtinsel auf sich hat. Das Motto der Landschaftsarchitektin für Havelberg: "Es darf etwas mehr Blüte sein."

Havelberg l "Ich möchte Sie mitnehmen, Sie von dem Projekt überzeugen und ermuntern, dass Sie ein Stück Verantwortung mit übernehmen", sagte Daniela Süßmann zur Begrüßung der Zuhörer. Ziel des Bürgerprojektes Grünkorridore ist die Fassadenbegrünung. Wobei das nur der Oberbegriff ist, denn die Landschaftsarchitektin, die den Wettbewerb Grünkorridore gewonnen hatte, will die Altstadt zum Blühen bringen. "Mehr Blüte steht auch für mehr Leben", sagte sie und berichtete von Vögeln und Insekten, die sich dort heimisch fühlen. Und natürlich wirken blühende Fassaden gleich viel freundlicher auf Einwohner und Gäste.

Mehr Blüte steht für mehr Leben

Sie zeigte Beispiele aus dem vergangenen Jahr, wo Fassadenbegrünungen einen ordnenden Schnitt vertragen würden, und vor sich hin kümmernde Pflanzen in Rankgittern. Zugleich verdeutlichte Daniela Süßmann anhand von Fotos, welche Vielfalt mit Kletterpflanzen und Co. erreicht werden kann. Strahlengriffel, Akebie, Blauregen, Pfeifenwinde, Klettertrompete, Clematis, Kletterhortensie, Goldregen, Wein, Rosen und natürlich auch Efeu - "den muss man wollen", wies sie auf die Haftwurzeln am Putz hin - sind Möglichkeiten, Farbenpracht auf die Stadtinsel zu bringen. Zum Teil sind sie wintergrün, sorgen also auch in der kalten Jahreszeit für Farbtupfer. Hinzu kommen Stauden für Blumenkästen, Zwiebelpflanzen und Kräuter als Alternativen zu den oft üblichen Geranien und Petunien. Kräuter setzen nicht nur Farbakzente, sondern können zugleich für eine gesunde Ernährung auf kurzem Weg vom Balkon auf den Küchentisch gelangen.

Die Pflanzen und Rankgitter würde die Stadt mit den für das Projekt zur Verfügung stehenden Fördergeldern bezahlen. Die Einwohner - egal, ob Eigentümer des Hauses oder Mieter - sind aufgerufen, Patenschaften über die Pflanzen zu übernehmen. Beschneiden, Wässern, Düngen wären Tätigkeiten, die über die Bundesgartenschau hinaus zu erledigen wären. "Ich hoffe, dass wir in den Dialog kommen", warb Daniela Süßmann um viele Mitstreiter. Etliche der Teilnehmer trugen sich bereits in eine Liste ein und klebten Punkte auf eine Übersichtskarte, wo sie zu finden sind.

Jeder soll nach seinem Geschmack entscheiden

Gefragt sind jetzt Wunschzettel. Weder die Stadt noch die Freiraumplaner aus Magdeburg wollen vorschreiben, wo was wachsen soll. Die Einwohner können ihre Wünsche auf einen Zettel schreiben, samt Name, Adresse und Telefonnummer, und diesen im Rathaus abgeben. "Jeder soll nach seinem Geschmack und seiner Farbintention entscheiden, ich stelle mir die Stadt bunt vor", so Daniela Süßmann.

Anhand der Wunschzettel soll der Bedarf an Pflanzen, Rankhilfen und Blumenkästen erfasst werden, sagte Bauamtsleiterin Petra Jonschkowski. Dann kann entschieden werden, was möglich ist. Auf einige Leute wird die Stadt zugehen. Manche hatten sich für Dienstagabend entschuldigt, aber ihre Bereitschaft erklärt. Die Pflege muss aufgrund der Fördergelder etwa für Blumenkästen für fünf Jahre gewährleistet werden. Sollte es aber in der Zeit etwa einen Mieterwechsel geben, findet sich eine Lösung, hieß es auf Nachfrage. Bewusst ist sich die Stadt, dass es wohl nicht gelingen wird, alle hässlichen Flecken zu beseitigen, denn aus privatrechtlichen Gründen lässt sich nicht alles regeln. Beispiel Lange Straße 6 und 7, wo die Stadt schon seit Jahren versucht, diesen Missstand zu beseitigen.

Voraussichtlich im Herbst soll die Bepflanzung erfolgen. Daniela Süßmann steht für Fragen bereit, ist mindestens einmal pro Woche in Havelberg. Auch eine Bürgersprechstunde ist möglich.