Kuhlhausen l Einen großen Einbruch bei der Strecke haben auch die Jäger im Havelwinkel mit der Flut erleben müssen. Um so unverständlicher ist ihnen das Verhalten des Landesforstbetriebes im Naturschutzgebiet Jederitzer Holz. Denn dieser hatte dorthin trotz der Flutfolgen zu Jagden eingeladen, wobei mit Einzelabschüssen insgesamt 50 bis 60 Tiere auf der Strecke geblieben waren, schätzte Falko Leue, der Vorsitzende des Hegeringes Elb-Havel-Winkel, auf dessen Jahresversammlung in Kuhlhausen ein.

Gerade die Rehpopulation habe unter der Flut gelitten, sagte der erfahrene Jäger. Bis zu 80 Prozent des Bestandes seien weg, weshalb alle Abschusspläne nach der Flut außer Kraft gesetzt wurden. Überlebt haben vor allem Böcke, denn die Ricken waren bei ihren Kitzen geblieben - und mit diesen jämmerlich ertrunken. Der Wiederaufbau der Population dauere Jahre, schätzte der Glöwener.

Er hatte als Reaktion auf die Rehjagd der Landesforst Protestbriefe an sämtliche Jagdbehörden sowie an die Landtagsparteien verschickt, einer war auch an die Presse gegangen. Bislang kam nur eine lapidare Antwort von der CDU. Enttäuscht ist Falko Leue deshalb auch von Landesjagdverband.

Mit dem Rückgang der Abschüsse verschlechterte sich auch die finanzielle Situation der Waidmänner, denn die Jagdpacht bleibt ihnen, die Kosten für Hochsitze und Munition, ebenso die hohen Abgaben an die Berufsgenossenschaft. Der Erlös durch den Wildverkauf deckte gerade mal die Kosten für letztere.

Für ein Kilo Schweinefleisch erhält man derzeit maximal 60 Cent beim Wildhändler, beim Rotwild gibt es zwar bis zu zwei Euro, aber hier wurden vorwiegend leichte Kälber erlegt. Da kamen die Rehe mit bis zu 3,30 Euro je Kilo zur Aufbesserung der Kasse gerade recht - diese Einnahmen brachen nach der Flut weg, und das wahrscheinlich auf Jahre.

Ohne Rehe kaum Erlöse

"Wegen 20 Euro für ein Schwein werde ich künftig mit meinem Hund im Maisfeld nicht auf eine gefährliche Nachsuche gehen", ist sich der Jäger sicher. Er hofft, dass wenigstens die Begehungsscheininhaber zur Stange halten.

Teurer wird zudem die Trichinenschau bei Schweinen. Seit dem Herbst des Vorjahres ist dafür als einzige Stelle im Landkreis nur noch ein Labor in Seehausen zuständig, dienstags und donnerstags werden die Proben abgeholt. Erst muss der Befund abgewartet werden, dann kann geschlachtet werden - ein Ding der Unmöglichkeit bei diesen Preisen, findet Falko Leue. Womöglich sei gewollt, dass nur noch Händler beliefert werden. In anderen Ländern wird anders verfahren, denn die EU-Verordnung ist noch gar nicht in Kraft.

Kritik übte er auch an der immer noch mangelhaften Beteiligung am jagdlichen Schießen - obwohl dies einem Jäger ein Herzensbedürfnis sein müsste. Der fürs Schießen verantwortliche Warnauer Remo Genz zeichnete auf der Sitzung mit Matthias Wilms aus Garz den besten Schützen des Hegeringes aus, auf den Plätzen folgten Christian Ahrens und Falko Leue. Das nächste Schießen in Neustadt (Dosse) ist übrigens am 12. April.

Interessant war die Auswertung der Abschusszahlen durch Dr. Peter Hoffmann. "Es gab im Vorjahr einen deutlichen Rückgang der Zahlen, allerdings mit großen Unterschieden in den Revieren" bestätigte er den Bericht von Falko Leue.

Weiterhin viele Waschbären

Von den 80 vor der Flut erlegten Rehen waren immerhin 26 Fallwild, also Unfalltote. In Garz wurde kein Reh erlegt, in Sandau 30. In den Vorjahren wurden bis auf 2011/2012 immer über 200 Rehe geschossen. Insgesamt zehn Stück Schwarzwild wurden gestreckt, zudem 62 Schwarzkittel - mit 23 die meisten in Havelberg.

Den Waschbären hat die Flut wohl nicht zugesetzt, denn es wurden 317 erlegt - fast so viele wie im Vorjahr und doppelt so viele wie vor zwei Jahren. Am eifrigsten waren die Wulkauer (84), gefolgt von Havelberg mit 68 und Jederitz mit 59 Tieren. 19 Marderhunde, 12 Minke, 8 Nutrias, 15 Dachse und 44 Füchse blieben zudem auf der Strecke.