Ein Bild, das man sonst nur im hohen Norden sieht, bietet sich jetzt im tiefverschneiten Winter auf dem Hohengöhrener Damm. Schlittenhunde ziehen ein Gespann, sicher gelenkt von Tony Steitzer. Mit der Zucht von "Alaska Malamute" erfüllt er sich einen Traum, den er seit einem Alaska-Urlaub 1995 hegte.

Hohengöhrener Damm. Eisige minus 12 Grad zeigt das Thermometer an einem Tag zwischen Weihnachten und Silvester an. Über Nacht hat der Frost Wald und Wiesen in eine glitzernde Winterlandschaft verzaubert. "Besser geht‘s nicht, ideale Bedingungen für das Training!" Tony Steitzer, selbst dick eingemummelt, nimmt das Zuggeschirr vom Haken und geht hinunter zu den drei neuen großen Zwingern, in die seine Hunde vor wenigen Wochen eingezogen sind. Sie springen vor Aufregung und Vorfreunde umher, wedeln mit dem Schwanz, können kaum stillsitzen, als sie das Geschirr umgelegt bekommen. Denn sie wissen: Es geht raus in den Wald, durch die verschneite Landschaft.

Das sind die Momente, die auch Tony Steitzer entschädigen für die viele Mühe und die Zeit, die er in die Zucht der Alaska Malamute steckt. "1995, als ich mit Freunden vier Wochen Urlaub in Alaska machte, habe ich mich in diese Hunderasse verliebt. Auf unserer Kanutour waren wir in einem Indianerdorf vorbeigekommen, in dem die Malamute gehalten wurden. Sie sind eine Rasse Schlittenhunde, schwerer und robuster als die bekannten Huskys, dem Wolf im Aussehen sehr ähnlich. Auch die braunen Augen und die weit auseinanderstehenden Ohren unterscheiden sie von den Artgenossen. Selbst bis zu 50 Kilo schwer, können sie über lange Strecken schwere Lasten ziehen", erzählt der gebürtige Neuermark-Lübarser.

Als Tony Steitzer 2003 auf den Hohengöhrener Damm zog, erfüllte er sich auch den Traum und kaufte sich den Rüden Wallace. Nicht einfach so. Intensiv hat er sich mit der Rasse beschäftigt, Bücher gelesen, Experten gesprochen. Denn eine artgerechte Haltung war Tony Steitzer wichtig. Und er wusste von Anfang an: Die Zucht macht Mühe, kostet Geld und vor allem viel Zeit. Denn die Malamute sollen nicht einfach nur Auslauf auf dem 1000 Quadratmeter großen Grundstück haben, sondern die große Weite genießen und ihren Urinstink als Schlittenhund ausleben dürfen. Das bedeutet: Training von September bis Frühling. Täglich ein bis zwei Stunden. Als selbständiger Handwerker kann er sich die Zeit einteilen, meist sind es die Abendstunden, in denen eingespannt wird. "Sobald die Temperaturen unter 12 Grad sinken, geht es raus. Bei Hitze wollen die Hunde im Schatten liegen und sich möglichst wenig bewegen. Mit entsprechendem Futter, das weniger energetisch als jetzt das Leistungsfutter ist, versucht man, die Hunde gut durch die heiße Jahreszeit zu bringen. Solche Bedingungen, wie wir sie seit Anfang Dezember haben, sind ideal und die nutzen wir auch aus", erzählt der 42-Jährige. Fünf Hunde hat er inzwischen. Der erst sieben Monate alte Kinai wird langsam an das Ziehen des Schlittens herangezogen – noch ist er zu verspielt, um über längere Zeit in geordneten Bahnen zu laufen. Zum Rudel gehören außerdem die zweieinhalbjährige Juna sowie Beo und die beiden Rüden Wallace und Hamish. Hamish ist es auch, der im Vierergespann der Leithund ist. Wallace ist zwar der Ältere, aber als erster Hund von Tony Steitzer auch etwas verwöhnt. "Er bleibt gern mal stehen und reagiert nicht sofort auf mein Kommando, verwechselt auch mal rechts und links. Mit Hamish als Leithund funktioniert es besser", erzählt Toni Steitzer.

Zwischen 10 und 20 Kilometer lässt er sich durch den Wald ziehen, wenn kein Schnee liegt, dann wird der Schlitten mit Rollen anstelle der Kufen eingesetzt. Während der Weihnachtsferien haben auch mal Kinder auf dem Schlitten Platz genommen und genossen die Fahrt durch den Winterwald. Auch Toni Steitzers Kinder sind gern mit dabei, die 15-jährige Lisa hilft außerdem beim Anspannen und Futterzubereiten.

Inzwischen hat Tony Steitzer die Bedingungen auf seinem Hof so perfektioniert, dass er im Frühling mit der Zucht beginnen will und die ersten Alaska Malamute auf dem Hohengöhrener Damm zur Welt kommen. Und irgendwann will er sich auch den Traum erfüllen, bei einem Schlittenhunderennen durch die Weiten Skandinaviens zu fahren. Solange genießen er und seine Hunde Wald und Wiesen rund um den Hohengöhrener Damm, die gerade im Winter fast genauso reizvoll sind.