Ein 630 Meter langer Deichabschnitt von Havelberg in Richtung Nitzow wird in den nächsten Wochen und Monaten zur Teststrecke. Im Zuge der erforderlichen Deichsanierung soll eine Kunststoff-Spundwand in ihn eingebaut werden.

Havelberg l Planer Jörg Priebe und Flussbereichsleiter Reinhard Kürschner vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz waren am Dienstagabend nach Havelberg gekommen, um hier im städtischen Ausschuss für Ordnung, Umwelt und Tourismus die nächsten Baumaßnahmen zur Hochwasserschadensbeseitigung vorzustellen. Im Havelberger Bereich finden in den nächsten Tagen Bauanlaufberatungen für gleich zwei solcher Projekte statt. Sie betreffen den Deichabschnitt zwischen Havelberg und Nitzow sowie den Deich bei Quitzöbel.

Archäologische Voruntersuchungen

Bei der erstgenannten Maßnahme handelt es sich um ein 630 Meter langes Deichstück, dessen Beginn unmittelbar am Havelberger Schleusenkanal liegt. Rund 1,5 Millionen Euro an Kosten werden dafür veranschlagt.

Bereits am heutigen Donnerstag soll in dem Bereich mit archäologischen Voruntersuchungen begonnen werden, ab kommenden Montag, 28. April, dann mit dem Wegebau. Dieser macht sich erforderlich, damit die künftige Baustelle problemlos von schweren Lkw befahren werden kann. "Am 2. Juni", so der Planer "soll die 1000 Meter lange Baustraße dann soweit sein, dass der Startschuss für den eigentlichen Deichbau gegeben werden kann." Alles unter der Voraussetzung, dass mögliche archäologische Entdeckungen nicht zu einer Verzögerung des Baugeschehens führen. Wenn dieser Fall nicht eintritt, ist der Fertigstellungstermin für die Deichsanierung im November 2014 angedacht.

Die Besonderheit besteht darin, dass als Kerndichtung eine Spundwand in den Deich eingebracht werden soll. Aber keine gewöhnliche, sondern eine Spundwand aus Kunststoff. "Wir wollen testen, ob sie ihren Zweck, der in der reinen Dichtfunktion besteht, erfüllt oder ob sich die geringere Stabilität dieser Spundwand in der Praxis negativ auswirkt", erklärte Reinhard Kürschner auf der Ausschusssitzung.

Aus diesem Grund sei zunächst auch ein relativ kurzer Deichabschnitt für den Einbau gewählt worden. "Wir werden genau beobachten, was sich mit dieser Spundwand im Deich tut, vor allem bei höheren Wasserständen. Wenn sich das Material bewährt, soll es auch auf den nächsten gut zweieinhalb Kilometern Deichsanierung in Richtung Nitzow, an deren Ende sich der kritischste Bereich bei Hochwasser befindet, zum Einsatz kommen."

40 bis 50 Zentimeter höher als bisher

Abgesehen von diesem Test erhält der Deich einen Verteidigungsweg, der auch bei Hochwasser befahren werden kann - im Durchschnitt werden die Deichabschnitte 40 bis 50 Zentimeter höher angelegt - und einen Kronenkontrollweg. Auf beide Wege wird eine Asphaltdecke aufgebracht.

Solche neuen Wege sind auch auf dem Deich bei Quitzöbel vorgesehen, der als Schutzwall sowohl vor Hochwassern der Elbe als auch der Havel dient. In der kommenden Woche ist Anlaufberatung für die Sanierung einer 1,8 Kilometer langen Teilstrecke. "Hier erfolgt der Einbau einer deutlichen Verstärkung, so dass sich die Fließgeschwindigkeit des Wassers im Deich deutlich verringert", erfuhren die Mitglieder des Ausschusses. Die Firma Ostbau aus Osterburg wird die Arbeiten ausführen, für die unter anderem 1300 Kubikmeter Aueton, 65000 Kubikmeter Sand/Kies sowie 4000 Kubikmeter Dränagekies benötigt werden.

Die Maßnahme macht eine Investition von rund 2,8 Millionen Euro aus.