Wie alle anderen landwirtschaftlichen Betriebe - ob Kleinbauern oder Genossenschaften - hat auch die Agrargenossenschaft "Elbufer" in Neuermark-Lübars an den Folgen der Flut zu knabbern. Die Erwartungen an die Ernte 2014 sind durchwachsen.

Neuermark-Lübars l Der Raps sieht gut aus, der Roggen auch. Der Mais geht langsam auf und auch die Gerste könnte gute Erträge bringen. Weizen, der in höchster Brotqualität das meiste Geld einbringt, wächst auf den Feldern der Agrargenossenschaft nur halb so viel wie üblich. "Eigentlich bauen wir im Schnitt 200 Hektar an", berichtet Geschäftsführerin Antje Wilke. "Aber im letzten Herbst, als die Felder nach der Flut endlich abgetrocknet und umgepflügt waren, haben wir es aufgrund des feuchten Wetters nicht mehr geschafft, alles zu bestellen. Auf den 100 Hektarn, die liegengeblieben sind, haben wir nun im April notgedrungen Mais ausgebracht. Auf den bestellten 100 Hektarn ist der Weizen aufgrund der Herbstnässe verfault und es sind deutliche Fehlstellen zu sehen. Wir werden sehen, wie sich das Getreide insgesamt weiterentwickelt. Der Regen letzte Woche hat jedenfalls gut getan."

Bis auf 35 Hektar Roggen in der Altmark hatte die Agrargenossenschaft mit der Flut im letzten Sommer alles verloren, was auf den 1000 Hektarn Ackerland und Wiese gestanden hat. Gut 900000 Euro Schaden sind dadurch entstanden. Dazu kommen noch Schäden an den Gebäuden, so dass Antje Wilke von gut einer Million Euro Flutschaden spricht. "Dabei hatten wir noch Glück, dass die Stallanlage am Ortsrand trockengeblieben ist."

Hälfte der Bullen wurde evakuiert - zum Glück blieb die Anlage trocken

Das Wasser kam am Mittwochmorgen (13. Juni) über den Klietzer See, durch den "Mörtel" zwar bis zur B107, aber nicht darüber hinweg. Bis zu 450 Bullen stehen in den "Elbufer"-Ställen. "Wir hatten nach dem Deichbruch am Montag gleich über die Hälfte der Tiere über Wittenberge zu unserem Partnerbetrieb nach Miltern gebracht und 70 Bullen noch unter Gewicht mit Verlust verkauft. Rund 100 Tiere mussten bleiben. Wir hatten etliche Sicherungsmaßnahmen getroffen, zum Glück blieb das Gelände dann ja trocken. Weil die Wasserversorgung nicht unterbrochen wurde und wir auch genug Futter hatten, merkten die Tiere gar nichts von der bedrohlichen Situation. Die meisten der Angestellten waren vor Ort geblieben."

Nasse Aktenordner wurden mühsam Seite für Seite getrocknet

Als das Wasser ging, fing die Arbeit für die insgesamt acht Mitarbeiter richtig an. Denn der Technikstützpunkt samt Verwaltung am gegenüberliegenden Ortsrand wurde 70 Zentimeter geflutet. Zwar war die bewegliche Technik noch in Sicherheit gebracht worden und auch die Aktenordner aus den unteren Etagen der Schränke ausgeräumt. "Aber am Ende wurde doch vieles vernichtet." Antje Wilke erzählt von den Aktenordnern, die mühsam Seite für Seite getrocknet wurden, von unbrauchbaren Computern und anderen elektrischen Geräten. Fußböden und Wände in den Büros mussten teilweise raus. Sie und Mitarbeiterin Heike Ziem haben zu Hause ihr Büro eingerichtet, schließlich musste die Arbeit weitergehen. Mühsam war die Arbeit auf den vernichteten Feldern. Das verfaulte Getreide musste mit großem Aufwand untergepflügt werden.

Kurz vor Weihnachten war baulich soweit alles fertig, dass die Schreibtische aufgestellt werden konnten. Die letzten Schränke sind erst in der vergangenen Woche aufgebaut worden.

Inzwischen ist alles wieder an seinem Platz, die Technik funktioniert und auf den Feldern wächst und gedeiht die neue Saat.

Abgehakt ist das Katastrophenjahr 2013 damit längst nicht. Denn vom Millionenschaden ist gerade mal die Hälfte beglichen. Antje Wilke hofft, "dass wir die versprochen 80 Prozent am Ende auch wirklich bekommen. Und dann ist die Summe, auf der wir sitzenbleiben, immer noch groß genug. Da brauchen wir etliche gute Ernten, bis der finanzielle Verlust ausgeglichen ist."

 

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