Havelberg l "Unser Mathelehrer Nordheim war ganz akkurat. Wir haben ihn Spinner genannt. Er stand schon in der Pause hinter der Tür und exakt mit dem Klingelzeichen riss er die Tür auf und kam in den Klassenraum", berichtet Helga Schulz (geb. Stamer). "Dagegen kam Direktor Fricke oft viele Minuten später, weil er so viel Verwaltungsarbeit hatte. Die Zeit haben wir genutzt, um zum Beispiel alles umzurücken im Raum", erzählt sie weiter.

Solche und andere Geschichten gehörten gestern dazu, als sich der Abiturjahrgang 1954 in Havelberg getroffen hat. Es war das fünfte Nachwendetreffen. Elf Absolventen verbrachten zum Teil mit ihren Partnern einen erlebnisreichen Tag in der Hansestadt, einige bleiben bis heute. Zehn lernten damals in der A-Klasse, 15 in der B-Klasse. Sie waren geteilt in Sprachen und Naturwissenschaften. In einer Klasse hatten 40 Schüler ab Klasse 9 an der EOS gelernt, doch nur 15 machten das Abitur. Viele wohnten im Internat, die meisten kamen aus der Prignitz. Für Schüler aus dem nahen Sandau etwa war es nicht einfach, in Havelberg zur Schule zu gehen, denn sie gehörten ja zum anderen Verwaltungsbereich, hätten nach Genthin gemusst.

Hannes Siegmund ging als Sandauer in die Havelberger Schule. Mit dem Fahrrad wurde die Strecke absolviert. Daran erinnert sich auch Helga Schulz. "Und jedes Mal mussten wir den Nußberg hoch."

"Auf dem Schulhof haben wir Handball gespielt."

Lieselotte Wenk

Einen kurzen Weg hatte dagegen die Havelbergerin Lieselotte Wenk (geb. Lippstreu). Sie ist ihrer Heimatstadt treu geblieben, war nur zum Lehrerstudium weg. Sport war ihr Hauptfach. "Aber ich habe auch Mathe und Geografie unterrichtet, wie das damals ja so war. Auf dem Schulhof haben wir Handball gespielt. Dort gab es einen kurzen, wunderbaren Rasen dafür." An seinen Schulweg erinnert sich auch der Arneburger Arne Könnecke gern. Er wohnte in der Fischerstraße 17. "Es war ein sehr schöner Weg." Er denkt aber auch an einen Dachstuhlbrand in der Fischerstraße zurück, der schnell auf andere Häuser übergriff. Es war ein strenger Winter und das Löschwasser war am Morgen festgefroren an den Hauswänden. Zu den ehemaligen Schülern gehört auch Wilhelm Ebendorff-Heidepriem, der in Iden zu Hause ist.

Einen weiteren Weg hatte dagegen Waltraud Napierski (geb. Gericke), die in Darmstadt zu Hause ist. Die einstige Warnauerin durfte damals nicht zur Universität. "Ich war kein Arbeiter- und Bauernkind, mein Vater war Lehrer in Warnau", erklärt sie. Sie machte nach dem Abitur zunächst ein Praktikum im Krankenhaus. Mit ihren Eltern ging sie dann 1955 in den Westen. Dort wurde das Abitur allerdings nicht anerkannt und sie arbeitete bei der Deutschen Bundespost. Mit ihrem Mann kommt sie oft in die Havelberger Region zurück. "Wir sind viel mit dem Wohnwagen unterwegs."

Auch Hannes Siegmund ist öfter hier. "Wir haben noch Freunde hier und kommen gern mit dem Schiff. Zur Buga werden wir natürlich auch den Wasserweg nehmen", berichtet er. Er war 42 Jahre Lehrer in Blankenfelde bei Berlin, zuletzt auch Schulleiter.

Wie sich das gut hundertjährige Schulhaus durch die umfangreichen Sanierungsarbeiten verändert hat, zeigte der Schulfachliche Koordinator Volker Woltersdorf den einstigen Schülern. Bürgermeister Bernd Poloski führte sie anschließend zu künftigen Buga-Kulissen. Außerdem gab es eine Schiffstour und genug Gelegenheit zum Schwelgen in Erinnerungen.