Von der Klietzer Bockwindmühle sind die Besucher immer wieder beeindruckt. Denn sie ist nach ihrer Sanierung wieder voll funktionsfähig.

Klietz l Pfingstmontag ist in Deutschland traditionell zugleich Mühlentag. Immer mehr Standorte beteiligen sich daran, 2012 waren es immerhin 1083 - ein neuer Rekord.

Die Klietzer Bockwindmühle führte bis 1994 ein trauriges Dasein, nur noch ein hölzernes Skelett kündete von dem einst stolzen Bau. Zur Sanierung gründete sich eine Interessengemeinschaft, 1995 erwarb die Gemeinde die Immobilie und 1999 flossen mit 80000 Mark von Lotto-Toto erste Fördermittel. Im Jahr 2000 begann die Sanierung, nun ist die Mühle wieder voll funktionsfähig.

Zumindestens theoretisch könnte hier Mehl gemahlen werden, doch sind dafür die hygienischen und andere amtliche Auflagen zu hoch, erklärte Mühlenführer Rüdiger Sigmund. Dennoch staunten die Gäste, was damals für gewaltige Eichenbäume für die Mühle verarbeitet worden waren. Und alles war in Handarbeit erfolgt, denn Sägegatter waren 1880 beim Aufbau noch unbekannt.

Zehn Jahre zuvor war der Vorgänger in einer Silvesternacht abgebrannt. Raketen wurden da noch nicht abgeschossen, doch präsentierte Rüdiger Sigmund eine mögliche Ursache: Wird die Bremse des Kammrades, welches die riesigen Flügel antreibt, nicht ordentlich angezogen, läuft dieses große Rad heiß. Schon nach zwei Umdrehungen roch das Hainbuchenholz angebrannt, hatte der Klietzer erfahren müssen.

Diese Flügel nannten die Müller einst Ruten, sie hängen also an der dicken Rutenwelle, welche wiederum mit dem Kammrad verbunden ist. Der Stamm zum Drehen des Gebäudes war der Stert, die Mühle steht auf dem Hausbaum.

Per Wind kann die Klietzer Mühle allerdings nicht angetrieben werden, dem stehen die Gebäude der Bundeswehrkaserne im Wege. Ohnehin erfolgte der Antrieb der Mühle, die noch bis 1952 in Betrieb war, seit 1930 mit Strom.

Waldi Eckert kann sich noch gut an die Windmühle erinnern, als Kind hatte er hier oft mit dem Handwagen Säcke hin- und zurückgefahren. Ein solches Gefährt war in diesem Jahr am Fuße des Mühlberges ausgestellt, wobei auch bei den Besuchern Brigitte und Ernst Neumann aus Schönhausen Erinnerungen wach wurden. Der aus den polnischen Masuren stammende Mann hatte nach dem Krieg noch mit Mähbinder und Ableger das Getreide geborgen. Keine leichte Arbeit war das gewesen.

Früher kam kein Gramm Mehl um. Dazu diente unter anderem der Sackausklopfer, der ebenfalls zu sehen war. Der leere Mehlsack wurde eingelegt und im geschlossenen Kasten - geöffnet funktionierte er wegen des Arbeitsschutzes nicht - ausgeklopft. So fiel auch das letzte Mehl zu Boden. Auch die "Hungerharke" war ausgestellt, mit der die restlichen Ähren auf dem Feld zusammengeharkt wurden.

Die Schönhauser berichteten zudem von der einstigen Wassermühle in Rathenow, welche gleich nach der Wende abgerissen worden war. Ein prägendes Gebäude verschwand so vom Havelufer. Bis zuletzt waren hier Haferflocken produziert worden.

Erinnerungen wurden wach

Auch Baumstämme mit Hämmern und Nägeln waren zu sehen. Waldi Eckert berichtete, dass viele Schüler, welche das benachbarte Schullandheim besuchen, gerne mal einen Nagel ins Holz treiben - mit ganz unterschiedlichem Geschick. Zu sehen war auch ein Maisräpel, mit dem das Korn vom Körnermais abgeschrabt wird. Ein solches Gerät mit Handkurbel wird inzwischen sogar wieder hergestellt.

In einem Zeitungsbeitrag aus dem Jahr 1928 wird über die Windmühlen im Havelwinkel berichtet. So standen südlich von Schönhausen drei Mühlen auf aufgewehten Talsanddünen, insgesamt besaß das Bismarckdorf fünf. Kabelitz hatte zwei, ebenso Lübars. In Hohengöhren drehten sich Flügel von immerhin drei Mühlen im Wind, Neuermark hatte eine.

In Sandau gab es sogar sechs Mühlen, eine alte Zeichnung zeigt eine davon sogar auf dem Elbdeich. Scharlibbe, Klietz und Wulkau besaßen je zwei Mühlen, Schönfeld hatte eine. Viele standen auf künstlich angelegten Hügeln - und blieben so auch bei Hochwasser verschont.

In den Hellbergen in Kamern und auf dem Lehmberg in Rehberg standen je eine Mühle. Wegen des heranwachsenden Waldes musste die Kamernsche Mühle in den 1880-er Jahren ins Dorf verlegt werden - die Kosten dafür wurden in einem Gerichtsprozess dem Rittergut als Waldbesitzer aufgebürdet.

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