Sandau l "Wie hoch hier vor einem Jahr das Wasser gestanden hatte, kann man sich jetzt kaum noch vorstellen", blickte ein nachdenklicher Horst Müller am Dienstag an der Fährstraße in Sandau auf den Deich. Der Senior war einer der Deichwächter, seit 40 Jahren notiert er die Wasserstände des Flusses. In der Nacht vom 9. zum 10. Juni 2013 trug er den Rekordwert ein: 8,40 Meter. Bei der Flut im Jahre 2002 waren es "nur" 7,88 Meter gewesen.

Der Fischbecker Deich hatte der enormen Belastung im Vorjahr nicht standgehalten. Aber auch auf der Höhe von Wulkau war die Lage äußerst kritisch gewesen. Nur mit enormem Aufwand wurde hier ein Deichbruch abgewendet - ansonsten wäre Sandau wohl ebenfalls geflutet worden.

Dem Gedenken an den Jahrestag der Katastrophe galt die Zusammenkunft an der Fährüberfahrt am Dienstag. "Wir Sandauer hatten Glück", erklärte Bürgermeister Henry Wagner. Es gab angesichts der Gefahr einen großen Zusammenhalt in der Stadt, ein drei Kilometer langer und bis zu 1,8 Meter hoher Ringdeich wurde um den Ort herum errichtet.

Planer zog ins Rathaus ein

Endlich kommt Bewegung in die Deichrückverlegung im Nordbereich, auf welche die Sandauer seit Jahren drängen. Ins Rathaus ist dazu ein Planer eingezogen, Sprechtag ist jeden Dienstag. Im Herbst beginnen die archäologischen Untersuchungen, auch starten auf der neuen Trasse die Baumfällarbeiten. Im Südbereich sei die Lage wegen des nötigen Flächentausches komplizierter.

Die Sandauer leben seit Jahrhunderten mit dem Hochwasser, oft sogar im Frühjahr und Herbst - doch scheinen die Fluten nun an Stärke zuzunehmen. So werden von den Fachleuten für die Zukunft keine Prognosen mehr abgegeben.

Zur Erinnerung an die Wasserstände bei den Fluten 2002 und 2013 hatten Silvio Wulfänger und Jörg Müller zwei Tafeln gestiftet, die neben dem Hilfspegel in den Deich versenkt wurden. Zu erkennen ist, dass im Vorjahr wirklich nicht mehr viel Platz bis zur Deichkrone gewesen war.