Ihr Haus in der Kabelitzer Dorfstraße hatte im Flutwasser gestanden und so großen Schaden genommen, dass es abgerissen werden muss. Neben der Ruine entsteht derzeit das neue Heim. Vor wenigen Tagen wurde Richtfest gefeiert.

Kabelitz l Brigitte und Otto Witte sind hin- und hergerissen zwischen der Vorfreude auf das neue Zuhause und dem Nachtrauern um ihr altes Heim. Auch wenn es immer noch trübe Stunden gibt, so wächst doch von Tag zu Tag die Zuversicht. Denn vor wenigen Tagen konnten Wittes Richtfest feiern. Das 120 Quadratmeter große Haus wächst auf dem Grundstück neben dem alten Heim, das der Urgroßvater von Otto Witte etwa um 1840 gebaut hatte.

"Dass wir so weit sind, haben wir unserer Tochter Undine und ihrem Mann Klaus Dieter Ahlf zu verdanken. Ohne sie hätten wir das nie geschafft! Sie nehmen uns alle Arbeit ab und halten auch vieles, was uns zusätzliche Sorgen bereiten würde, von uns fern." Und das war gerade in Vorbereitung des Baus einiges. Denn die Versicherung hat nicht wie erhofft gezahlt. "Deshalb haben wir uns mit der Investitionsbank in Verbindung gesetzt. Hier war man wirklich sehr entgegenkommend", ist Undine Witte dankbar. "Wir bekamen auf unsere Antragstellung die Zusage der 80-prozentigen Kostenübernahme für den Neubau. Wenn der Rechtsstreit zu unseren Gunsten entschieden ist, holt die Bank sich das Geld von der Versicherung." Bis eine Entscheidung mit der Versicherung gefallen ist, wollten Wittes nicht mit dem Neubau warten. "Wer weiß, wie lange das noch dauert. Und so lange können und wollen wir nicht warten."

"Wenn alles klappt, sind wir Weihnachten drin"

Wittes sind über 70 Jahre alt. Sie leben jetzt bei der Tochter in Schönhausen, wohin sie in der Flutnacht geflüchtet waren. Zuvor hatten sie schon einiges in Sicherheit gebracht. "Wir haben also noch ein paar Dinge, die uns an unser altes Zuhause erinnern", ist Brigitte Witte froh, nicht in einer komplett neuen Einrichtung leben zu müssen. "Das ist zwar schön, aber man will ja auch noch etwas haben, was an das frühere Leben erinnert." Seine zehn Bienenvölker hat Imker Otto Witte auch gerettet. Für das neue Bienenhaus im Garten ist das Fundament angelegt.

Zu Himmelfahrt hatte die Baugenehmigung im Postkasten gelegen und am 10. Juni, dem Jahrestag des Deichbruchs, wurde das Fundament abgesteckt. Drei Tage später rückte die Baufirma aus Arnim an. Zusammen mit den Bauarbeitern sind Wittes jeden Morgen pünktlich auf dem Grundstück. "Die Männer machen sehr gute Arbeit", ist das Ehepaar zufrieden mit dem Baufortschritt, den sie genau verfolgen und sich über jedes neue Element freuen. "Wenn alles klappt, sind wir Weihnachten drin", hoffen sie auf eine komplikationslose Bauzeit.

Vor wenigen Tagen zum Richtfest hatten Wittes die Menschen eingeladen, die vor einem Jahr beim Aufräumen auf dem Hof geholfen hatten und den Flutopfern auch sonst mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Das alte Haus soll abgerissen werden, wenn das neue Heim fertig ist.

In Kabelitz gibt es noch zwei weitere Häuser, die aus statischen Gründen nicht zu retten waren.