"Stellen Sie sich vor, Sie könnten sich einen Schutzengel kaufen, würden Sie nicht auch alles dafür tun?" fragt Bianca Bölt aus dem Vehlgast-Kümmernitzer Ortsteil Klein Damerow. Sie könnte einen Schutzengel haben, der sogar ihr Leben retten würde.

Von Ingo Freihorst

KleinDamerow l Die Frau ist seit 44 Jahren an Typ-I-Diabetes erkrankt: Ihr Immunsystem zerstörte anfangs das in der Bauchspeicheldrüse gebildete Insulin, was dessen Produktion danach völlig lahmlegte. Mehrfach täglich muss sie nun Insulin spritzen, was eine am Körper zu tragende Pumpe automatisch erledigt.

Dieser Automatismus hat allerdings oft böse Folgen für die Diabetikerin: Weil die Pumpe den Blutzuckerspiegel nicht misst und das Insulin gleichbleibend dosiert, erleidet Bianca Bölt fast täglich einen lebensbedrohlichen Zuckerschock. Denn der Zuckerspiegel schwankt beim Typ I sehr stark. Mit ihrem Auto hatte sie deshalb sogar schon einen Unfall verursacht.

Mit im Fahrzeug hatte damals auch ihre Hündin "Dorho" gesessen, ein Mix aus Dogge und Rhodesien Ridgeback. Seitdem ist der Vierbeiner im Auto immer hellwach, denn damals hatte er gerade geschlafen. Die erfahrene Hündin bekommt auch mit, wenn ihrem Frauchen Unterzuckerung droht - sie verweigert dann deren Kommandos. Eines Nachts, als Bianca Bölt im Schlaf schockte, machte die Hündin auf dem Hof mächtig Lärm - und rettete ihr womöglich das Leben.

Zweites Tier "ist für mich ein kleiner Einstein"

Seit etwa einem Vierteljahr besitzt die Diabetikerin einen zweiten Hund: Emmi ist ein junger Labrador-Boxer-Mix, für ihr Alter schon sehr gelehrig und selbstständig. "Emmi ist für mich ein kleiner Einstein!" schwärmt Bianca Bölt.

Mit dem Hund hat sie Großes vor: "Emmi soll mein Schutzengel werden!" Denn bei Eignung können Hunde zum Diabetiker-Warnhund ausgebildet werden - für die Tiere ist das ein anstrengender 24-Stunden-Job: Droht Unterzuckerung, warnen sie ihren Besitzer. Emmi ist dazu geeignet, wie ihr eine Professorin an der dänischen Grenze erst jetzt nach einer Überprüfung bescheinigt hat. Ausgebildet werden soll die Hündin ab September im Hundezentrum in Friesack.

Die Tiere lernen dabei, auf eine drohende Unterzuckerung (Hypoglykämie) mit einem bestimmten Signal zu reagieren. Oder auch, dass sie mal Pause vom stressigen Job machen können. Das alles dauert ein halbes Jahr und kostet knapp 5000 Euro. Die Krankenkassen bezuschussen zwar die Ausbildung von Blinden- und Assistenzhunden, nicht aber jene von Hypo-Hunden, wie die Diabetikerwarnhunde auch heißen. Und das, obwohl diese Tiere Leben retten!

Solch Hund ist für die Diabetikerin im abgeschiedenen Klein Damerow noch wichtiger als andernorts, zumal jetzt auch noch die letzten Nachbarn fortzogen. So muss halt der Vierbeiner als ihr Retter in der Not in die Bresche springen. Dennoch ist Bianca Bölt in dem Ortsteil glücklich und zufrieden - auch ohne Einkaufsmöglichkeiten, Gaststätten oder Dienstleister ringsum.

Schmale Rente für das Leben

Die schlimme Krankheit brachte es mit sich, dass sie nicht nur keine Kinder bekommen kann, sondern auch seit vielen Jahren erwerbsunfähig ist. Sie muss seitdem von einer schmalen Rente leben, für die Ausbildung ihres "Schutzengels" Emmi reicht dieses Geld leider nicht.

Diverse Anfragen bei Firmen wegen Spenden blieben ohne Erfolg, denn für Pivatpersonen gibt es kein Geld. Ihr Mann steht zwar voll hinter ihr, unterstützt sie auch nach Kräften und fährt sie überall hin, doch kann auch er diese Summe nicht stemmen.

Bianca Bölt wendet sich in ihrer Not nun auch an all jene, die sie kennen: "Ich brauche wegen meiner Krankheit kein Mitleid, sondern Verständnis und nun nur dieses eine Mal sogar ihre Hilfe." Sie will sich auch später für das Projekt "Hypo-Hund" einsetzen, um somit vielleicht auch anderen Diabetikern helfen zu können. Letztendlich geht es dabei schließlich um nichts Geringeres als Menschenleben...

Bianca Bölt steht unter 039387/12433 für Fragen zur Verfügung - die Vorwahlnummer bitte immer mitwählen. Das Spendenkonto: IBAN DE10500105175549424432, Kennwort: Hypohund-Ausbildung.