Nitzow l Ein Dutzend an Jahren hat Fritz Olboeter an der Spitze des Haveldorfes Nitzow gestanden. Nach zwölfeinhalb Jahren gab er mit Ende der Wahlperiode Anfang Juli das Amt des Ortsbürgermeisters ab. Gesundheitliche Gründe waren es, die ihn zu der Entscheidung führten, nicht wieder für das Ehrenamt zu kandidieren. Im Januar 2002 hatte er sich im Ortschaftsrat erstmals zur Wahl des Ortsbürgermeisters gestellt. Der bisherige Bürgermeister Gerd Müller durfte das Amt nicht mehr ausüben, da er Angestellter der Verwaltung ist. "Das war ein schweres Los, er war Profi. Aber er und die Ortschaftsräte haben mich unterstützt", blickt Fritz Olboeter im Gespräch mit der Volksstimme zurück. Dem Gemeinde- beziehungsweise Ortschaftsrat gehörte er schon seit 1986 an. Er kannte die Aufgaben im Haveldorf. "Es wollte ja damals keiner Ortsbürgermeister werden. Und da ich in dem Jahr aus der Bundeswehr entlassen wurde, wusste ich, dass ich mehr Zeit haben werde, mich um unseren Ort zu kümmern", denkt der heute 65-Jährige an 2002 zurück.

Schade um den Kindergarten

Eine schwere Aufgabe galt es gleich im ersten Jahr seiner Amtsausübung zu erledigen: die Schließung des Kindergartens. "Das war sehr schade. Aber es waren einfach nicht mehr genug Kinder da. Mit nur vier Kindern war die Kita nicht mehr zu halten, zumal auch die Entfernung nach Havelberg nicht so groß ist."

Sehr erfolgreich war dagegen die Teilnahme Nitzows an den Landeswettbewerben "Unser Dorf hat Zukunft", wo immer vordere Plätze erreicht wurden. Die Geldprämien wurden zur weiteren Verschönerung des Dorfes eingesetzt. Zum Beispiel wurde die Beleuchtung an der Havel für den Bootskorso geschaffen. Eine eiserne Reserve von 1700 Euro liegt noch auf dem Verwahrkonto. Der neue Ortschaftsrat kann entscheiden, was mit dem Geld gemacht werden soll.

"Gut ist, dass wir immer noch das Kulturgeld von Havelberg erhalten, das wir für unsere Veranstaltungen und Vereine einsetzen konnten", sagt Fritz Olboeter. Der alte Ortschaftsrat hatte noch das Strandfest und den Bootskorso für August so weit vorbereitet, dass Festwirt und Musik vertraglich gebunden sind.

Seinem Nachfolger - Karsten Grey wurde am 3. Juli aus der Mitte des Ortschaftsrates zum Ortsbürgermeister gewählt - und den Räten wünscht Fritz Olboeter, dass das Kulturgeld weiterhin erhalten bleibt, damit die Veranstaltungen nicht einschlafen und die Vereine ihren Anteil nutzen können, um weiter arbeiten zu können und das Dorfleben aufrechtzuerhalten.

Seit gut dreieinhalb Jahren hat Nitzow weniger als 500 Einwohner. "Doch werden wir nicht unbedingt weniger. Junge Leute melden sich nur ab, wenn sie zur Ausbildung wegziehen, an den Wochenenden sind sie hier." Dennoch machen sich weniger Einwohner auch in den Vereinen bemerkbar, die zum Teil weniger Mitglieder haben. Aufwachsend ist der Feuerwehrverein. "Die Feuerwehr hat auch eine gute Jugendgruppe, aber was passiert, wenn sie in die Lehre gehen?" Die Mitgliederzahl bei der Volkssolidarität hält sich einigermaßen die Waage.

Fürs Gemeinschaftshaus fehlt eine Kraft

Nitzow ist in den Augen von Fritz Olboeter "ein schönes Fleckchen Erde mit viel Wasser und Wald. Es ist ein schönes Dorf, in dem viel gemacht wird, auch an den Häusern". 1986 zog er mit seiner Familie hierher, arbeitete im Gemeinderat mit und war Ortsvorsteher.

Mit dem Bootsanleger an der Havel und der alten Wirtschaftsfähre, die als technisches Denkmal am Havelufer liegt, wurde in den vergangenen Jahren weiterhin Neues geschaffen. Im Dorfgemeinschaftshaus ist die Heimatstube mit vielen Leihgaben noch immer in Betrieb, auch wenn es schwieriger wird. Brigitte Hoffmann, die sich über Maßnahmen des Jobcenters mit der Heimatgeschichte befasste und die Chronik schrieb, bietet jetzt bei Bedarf ehrenamtlich Führungen an. "Schön wäre es, wenn die Chronik weitergeschrieben werden könnte und wieder jemand für das Dorfgemeinschaftshaus da wäre", sagt Fritz Olboeter auf die Frage, was er sich für Nitzow wünscht. Der Jugendklub läuft gut. "Er ist sehr gut besucht, speziell an den Wochenenden. Anke Pieck hat die Sache im Griff."

Für sich selbst freut er sich jetzt auf mehr Ruhe und Zeit für Garten und Enkelkinder. Mit seiner Frau geht er gern auf Reisen. Ihr hat er ebenso für die Unterstützung in seiner Amtszeit gedankt wie allen Ortschaftsräten - "ohne sie ist der Bürgermeister gar nichts" - und allen Wegbegleitern. "Es war eine gute Zusammenarbeit, auch mit der Stadt Havelberg, dem Bauhof und den Stadtwerken." Mit Blick auf das Dorfleben sagt er: "Der Kontakt ist ja weiterhin da, auch die alten Ortschaftsräte stehen den neuen zur Seite, wenn es nötig ist. Schließlich sind wir alle Nitzower. Wenn wir nicht alle zusammenhalten, passiert gar nichts mehr."