Garz/Strodehne l "Die Anlieger der nahen Ortschaften können das so nicht hinnehmen, es gibt sehr viele Berufspendler, Handwerker und Landwirte, die darauf angewiesen sind, dass die Straße Richtung Strodehne wenigstens halbseitig befahrbar bleibt", sagt Ute Sonnenberg am Volksstimme-Telefon. Ein Artikel in der Märkischen Allgemeinen Zeitung sorgt nicht nur bei der Garzerin für Unmut. Für acht Wochen soll die Landesstraße 17, die zwischen Garz und Kuhlhausen von der Havellandbrücke über die Havel nach Strodehne und Rhinow die Verbindung für viele Einwohner des Havelwinkels ins Brandenburgische darstellt, voll gesperrt sein.

"Dass gebaut werden muss, ist nachvollziehbar. Aber an diesem Nadelöhr eine Vollsperrung einzurichten - das bedeutet für uns alle, eine Riesenumleitung fahren zu müssen", so Ute Sonnenberg. Sie berichtet von Landwirten, die zum Agrarstützpunkt nach Strodehne fahren müssen. Und von der Kartoffelausfuhr, die demnächst beginnt.

Eine halbseitige Sperrung geht aus Gründen der Arbeitssicherheit auf dieser Straße nicht, dazu ist sie zu schmal, erklärt Jürgen Franke, Dezernatsleiter Bau West des Landesbetriebes Straßenwesen Brandenburg im Gespräch mit der Volksstimme. "Wir müssen strenge Auflagen beachten." Mit der Vollsperrung ist zudem eine kürzere Bauzeit möglich. "Es gibt immer Für und Wider."

Aus 5 werden 58 Kilometer

Darauf verweist auch Pressesprecherin Cornelia Mitschka. Bei einer halbseitigen Sperrung muss trotzdem noch so viel Platz für Bauarbeiter sein, dass sie sicher an einer Baumaschine vorbeigehen können, "ohne, dass ihnen der Hintern abgefahren wird". Durch Behelfsstraßen für die Zeit der Bauarbeiten würden Baumaßnahmen doppelt so teuer. "Wir haben eh viel zu wenig Geld für den Straßenbau, da können wir uns keine Luxuslösungen leisten." Für die Sorgen der Anwohner hat sie Verständnis. Doch: "Wenn wir bauen, wird geschimpft, wenn wir nicht bauen, auch."

Für Umleitungen weist der Landesbetrieb grundsätzlich möglichst Wege über eigene Straßen aus, weil ansonsten der Baulastträger anderer Straßen im Nachhinein auf die Wiederherstellung des Ursprungs pochen kann und zusätzliche Kosten entstehen. Die Maßnahmen werden im Vorfeld auch immer unter anderem mit Polizei, öffentlichem Nah- und Schulbusverkehr abgestimmt. Schleichwege oder örtliche Umfahrungen werden nicht als offizielle Umleitungen ausgewiesen, da diese den Anforderungen an den Straßenverkehr aller Fahrzeuge ohne Lasteneinschränkung nicht entsprechen.

Geplant ist, die L 17 zwischen Landesgrenze und Strodehne auf einer Länge von 1200 Metern zu sanieren. Dabei werden die Durchlassbauwerke erneuert und Amphibientunnel geschaffen. Zudem wird die Fahrbahn zwischen Rhinow und Kiez auf 600 Metern Länge erneuert. Das Geld fließt aus dem Programm zur Beseitigung der Hochwasserschäden. Die Vollsperrung ist für die Zeit der Deckenerneuerung und Herstellung der Durchlässe erforderlich. Für den Bau der sogenannten Amphibienleiteinrichtungen kann sie aufgehoben werden. Die Bauarbeiten sollen Mitte September beginnen und Mitte November abgeschlossen werden, informiert Jürgen Franke. Die Umleitung erfolgt von Garz aus über Schollene und Rathenow nach Strodehne. Das sind 58 Kilometer für eine Strecke. Normalerweise trennen fünf Kilometer die beiden Orte. Nach Rhinow sind es 13 Kilometer. Eine andere Variante ist die Strecke von Havelberg aus über Kümmernitz, Zernitz und Großderschau. Von Garz aus wären das 75 Kilometer.