Gut 50 Friedhofsgärtner aus ganz Deutschland wollen zur Bundesgartenschau 2015 Havelregion im nächsten Jahr zeigen, was sie können. Auf dem alten Domfriedhof in Havelberg gestalten sie 70 Mustergräber. Welche das sind und welche Grabsteine darauf stehen, wurde am Dienstag per Los entschieden.

Havelberg l Bevor die Friedhofsgärtner, die aus der ganzen Republik nach Havelberg gekommen waren, erfuhren, welches Grab sie gestalten dürfen, reiste der Ausstellungsbevollmächtigte der Deutschen Bundesgartenschau Gesellschaft Rainer Berger mit ihnen zunächst virtuell "von Dom zu Dom" entlang der Havel von Havelberg nach Brandenburg. "Es ist mir wichtig, dass sie die Besonderheit dieser Buga kennenlernen und verstehen", sagte er im Gespräch mit der Volksstimme. Immerhin 80 Kilometer liegen zwischen Havelberg und Brandenburg und mittendrin die weiteren Standorte Premnitz, Rathenow und Rhinow.

Alleinstellungsmerkmal des Standorts Havelberg ist die Ausstellung der Friedhofsgärtner und Steinmetze, die auf dem alten Domfriedhof stattfindet und sich bekanntlich immer eines großen Besucherinteresses erfreut. Der Friedhof ist in den vergangenen Monaten von einem jahrzehntelang zugewachsenen Areal in eine Fläche verwandelt worden, auf der Historisches etwa in der Wegeführung wieder hergestellt wurde und ab April 2015 die Friedhofsgärtner und Steinmetze ihr Können zeigen.

Erste Bepflanzung kurz vor Eröffnung der Buga

Dafür sind 70 Mustergräber entstanden, auf denen derzeit eine Zwischenbepflanzung wächst. Am Wochenende vor Eröffnung der Buga werden die Friedhofsgärtner die Gräber bepflanzen und gestalten. Ende Mai folgt die Sommerbepflanzung und Ende August die Herbstbepflanzung. Die Grabflächen werden seit einigen Jahren zugelost, damit es keinen Streit gibt, weil der Platz zu schattig oder aus anderen Gründen nicht genehm ist.

Die künstlerisch gestalteten Grabsteine waren im Juli im Rahmen eines Wettbewerbes aus 130 Entwürfen ausgewählt und den 18 Urnen-, 20 Einzel-, 22 Doppelgräbern sowie den zehn Gräber mit fließenden Formen zugeordnet worden. Wichtig für die Friedhofsgärtner: Das Los gilt, tauschen ist nicht möglich, machte Josef Knostmann, stellvertretender Vorsitzender des Bundes deutscher Friedhofsgärtner, deutlich.

Bei der Zulosung der Gräber im Paradiessaal am Dom bekam er Unterstützung von Anne Wandke vom Zweckverband und Buga-Maskottchen Wilma Wels. Per Projektor wurde ein Foto von der Grabstelle und vom Grabsteinentwurf gezeigt. Rainer Berger gab jedem Friedhofsgärtner zudem ein Foto vom Grabstein mit auf den Weg. Bis zum Frühjahr können sich die Friedhofsgärtner nun Gedanken machen, wie sie die Mustergräber gestalten wollen.

Ralf Spillner aus Potsdam entschied sich nach zwei Gräbern, für die er sein Interesse angemeldet hatte, spontan für ein weiteres. "Ich habe Lehrlinge, die können sich dort auch ausprobieren." Seit der Buga in Cottbus 1995 ist er bei ostdeutschen Gartenschauen mit dabei. Neugier und Weiterbildung nennt er als Beweggründe. "Man lernt immer wieder dazu", sagt er und berichtet: "Jede Gartenschau ist eine Herausforderung." Gemeinsam mit seinen Berufskollegen schaute er sich später den Domfriedhof an. Er kennt noch den verwunschenen Urzustand. "Super, der Friedhof ist sehr hell geworden. Der Wildwuchs ist weg und die schönen alten und wertvollen Bäume kommen zur Geltung."

Der Friedhof ist wunderbar lichtdurchflutet

Und seine Frau Irmtraud ergänzt: "Der Friedhof ist wunderbar lichtdurchflutet, aber ohne pralle Sonne, und hat eine schöne lockere Form." Die Gärtnerei hat sich auch für eine der fließenden Grabflächen entschieden - das ist eine noch recht neue Form auf Friedhöfen, auf deren Vorstellung zur Buga Wert gelegt wird.

Dass die Mustergräber relativ eng nebeneinander liegen, sieht Ralf Spillner positiv: "Das fördert den Teamgeist."

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