Warnau l "Die Weide hier steht viel zu nah am Deichfuß, sie wird weiter wachsen und in einigen Jahren kommen wir Landwirte hier mit unserer Technik nicht mehr durch," gab Landwirt Jens Köpke aus Garz bei der Abnahme der Deichbaustelle am Warnauer Schöpfwerk zu Protokoll. Soll der Deichfuß nicht durch die Technik beschädigt werden, müsste der Baum bis dahin weichen. Ansonsten gab es keine weiteren Beanstandungen.

"Das hier war die letzte Deichschlitzung aus dem Vorjahr, welche wieder verschlossen wurde", erklärte Flussbereichsleiter Reinhard Kürschner vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft als Bauherr. Eigentlich sollten die Arbeiten hier schon eher beendet sein, doch mussten sie wegen des Winterstaus der Havel im Herbst unterbrochen werden.

Der Warnauer Haveldeich musste gleich zwei Male geschlitzt werden. Zuerst wegen der geplanten Polderflutung angesichts des heranfließenden Hochwassers, danach ein Stück höher aufgrund des von Fischbeck heranströmenden Deichbruchwassers. Denn diese ungeplanten Wassermassen mussten in entgegengesetzter Richtung in die Havel geleitet werden. Am Ende klaffte die Lücke im Wall auf einer Länge von knapp 300 Metern.

Bitterer Nachgeschmack

Die Bundesrepublik zahlte die Instandsetzung komplett aus dem Fluthilfefonds, immerhin um die 240000 Euro. Ein bitterer Nachgeschmack blieb dennoch bei Reinhard Kürschner haften: Das vom LHW geforderte Flutungsbauwerk für den Warnauer Polder liegt weiterhin auf Eis. Das Vorhaben befindet sich im Planungsstadium und soll laut Aussage der Landespolitiker nicht aus den Augen verloren werden: Bis 2020 sollen nicht nur alle Deiche im Bundesland Sachsen-Anhalt ertüchtigt sein, sondern auch die dazugehörigen Wasserbauwerke - einschließlich des Warnauer Flutungsbauwerkes. Es soll in der Nähe des Schöpfwerkes entstehen und neben einer steuerbaren Polderflutung dann auch den Fischen ein ungehindertes Fortkommen ermöglichen. So hatte es auch eine Studie empfohlen, die nach 2002 in Auftrag gegeben worden war. Das zweite "Jahrhunderthochwasser" innerhalb von elf Jahren dürfte genug Anlass gegeben haben, den Hochwasserschutz an der Elbe zu forcieren.

Übrigens wurde auch der Warnauer Deich mit einer zusätzlichen Berme ausgestattet, die alten Betonplatten sind nun durch Spurbahnen ersetzt. Für den Naturschutz wurden in Zusammenarbeit mit den Landpächtern und dem Nabu 2250 Quadratmeter Gelände abgesenkt. In dem neuen Feuchtbiotop soll sich nun Röhricht ansiedeln.