Im Freizeitbereich am Schönfelder See - so heißen jetzt Campingplatz und Bungalowsiedlung - herrscht reges Leben. Ohne Strom, Wasser- und Abwasseranschluss.

Schönfeld l An der Decke des Vorbaus hängt eine Petroleumlampe, im Bungalow steht lediglich ein Feldbett. Spartanisch wie vor hundert Jahren lebt der Stendaler Klaus Haack derweil auf dem Campingplatz. Wasser holt er im Kanister vom Zapfhahn am Sanitärgebäude, die Notdurft muss er auf einer von zwei Dixi-Toiletten verrichten. Toaster und Wasserkocher werden übers Notstromaggregat betrieben, gekocht wird auf dem Gasherd, einen Fernseher braucht er nicht.

"Bis vor kurzem hatte ich im Zelt geschlafen, doch wurden jetzt die Nächte zu kalt", begründet der Camper seinen Umzug in den Holzbungalow. Dabei ist dieser noch immer eine Baustelle. Spanplatten liegen hier gestapelt, diese stellte die Gemeinde Kamern den Campern aus einer Fluthilfespende zur Verfügung. Mit ihnen werden nun die Wände verkleidet und ein Raum abgeschlagen, Nachbar Fritz Vetter aus Tangermünde hilft ihm dabei. Überhaupt ist der Zusammenhalt der Camper nach der Flut noch enger geworden, alle helfen sich gegenseitig.

Holzbungalow stand 70 Zentimeter im Wasser

Etwa 70 Zentimeter hoch hatte der Bungalow im Wasser gestanden, an der Fassade sind noch die Streifen zu sehen. Das Holz war dort, wo Glaswolldämmung drunter war, auseinandergequollen. Beim Styropor war das zum Glück nicht der Fall, so hielt sich der Schaden an der Fassade mit 2500 Euro in Grenzen. Klaus Haack ist wohl bislang der einzige auf dem Platz, der seine Fluthilfe schon bekommen hat: 1200 Euro, also 60 Prozent des Schadens. Inventar darf bei Wochenendhäusern nicht geltend gemacht werden.

"Ich bin seit 16 Jahren hier auf dem Platz", berichtet der Stendaler. Jetzt wird das gesamte Areal neu beplant, damit die Gesetzlichkeit wieder hergestellt wird. Im dazu nötigen Bebauungsplan gibt es wegen des Brandschutzes auch Vorschriften für die Abstände der Häuser: mindestens fünf Meter. Zum Glück haben zwei Nachbarn gekündigt, so kann der Bungalow stehen bleiben. Vor allem Ältere gingen weg, sie wollten nicht noch einmal von vorne anfangen.

Einige Häuser sind noch immer mit grünen Planen verhangen, hier müssen noch Abstände oder Grundstücksfragen geklärt werden. Das Areal um Klaus Haacks Bungalow gehört der Kirche.

"Es wird schon alles wieder, es dauert halt nur", zeigt der Stendaler Verständnis, dass es auf dem Platz nur langsam vorwärtsgeht - viele Bürger in den Orten waren weit ärger betroffen, sie hatten alles verloren. Ein Trost ist, dass die Camper in diesem Jahr keine Gebühren bezahlen müssen, so kann er die 500 Euro für den Wiederaufbau nutzen. Im Vorjahr hatte er bezahlt, dann kam die Flut.

Wie es auf dem Schönfelder Platz weitergehen wird, erfuhr der Gemeinderat Kamern auf seiner Sitzung in der Vorwoche von Christine Wendt vom Bauamt. So werden für das neue Sanitärgebäude, den Straßenbau, den Spielplatz sowie das Mehrzweckgebäude samt seinen Außenanlagen nun die Planungen in Auftrag gegeben. Die Ausschreibung soll dann über den Winter erfolgen. Im Januar könnte, wenn alles gut läuft, der Innenausbau beginnen. Fluthilfegelder wurden auch für das alte Sanitärgebäude bewilligt, hier soll die Anmeldung unterkommen.

Bürgermeister Arno Brandt sowie Ratsmitglied Fred-Wilhelm Braunschweig forderten die Verwaltung auf, all diese Vorhaben so rasch wie möglich abzuarbeiten. Denn im kommenden Jahr muss der Platz auf jeden Fall wieder nutzbar sein. Die Gemeinde hat mit diesem allerhand Kosten, aber aktuell keine Einnahmen. Zudem besteht dann die Gefahr, dass noch weitere Camper abspringen. In einer Woche, am 9. September, findet dazu mit dem Bungalowverein eine Beratung vor Ort statt.

Ein weiteres wichtiges Argument erwähnte Camper Fritz Vetter auf dem Platz: "Nächstes Jahr ist doch die Bundesgartenschau in Havelberg, hier wären noch viele Stellplätze vorhanden."