Hohengöhren l "Wir sind sauer, stinksauer!" Etliche Anlieger der B107 hatten sich Mittwochabend an der Bushaltestelle getroffen, um der Volksstimme von den Belastungen zu berichten, denen sie seit Mitte August ausgesetzt sind. "Bis die Risse geflickt und sie zu Huckeln gemacht worden sind, war alles in Ordnung", erzählt Caro Giese. "Jetzt klirren die Gläser in den Schränken und die Heizkörperabdeckungen vibrieren." Martina Gronwald bestätigt das, "sogar das ganze Bett vibriert und man kommt kaum in den Schlaf". Dass spätestens um 5 Uhr die Nacht vorbei ist, sagt Günter Schröder. Linda Bollmann, deren Haus ein Stück von der Straße entfernt steht, muss sogar nachts auf, weil Töchterchen Paula durch den Straßenlärm wach wird. Bei offenem Fenster zu schlafen, sei nicht mehr möglich "Nachts fährt ja erst recht niemand die vorgeschriebenen 50 km/h, da poltert es dann so richtig." Eyk Pape, der keine Nacht mehr durchschlafen kann: "Die nicht beladenen Lkw sind besonders schlimm, da poltert es am schlimmsten." Sabine Lenz, die im Schichtsystem arbeitet, muss auch tagsüber schlafen, "das ist kaum möglich. Ich hab im Schlafzimmer sogar noch ein zweites Fenster vorsetzen lassen, das hilft zumindest etwas." Sie führt noch ein weiteres Problem an, das die anderen bestätigen: Die Risse in den Häusern werden durch die Erschütterungen immer größer.

Reparatur ohne Erfolg

Nachdem die Schäden in der Straße im August ausgebessert worden und dadurch die Huckel entstanden sind, hatte die Landesstraßenbaubehörde versprochen, Abhilfe zu schaffen. Doch statt des Abfräsens der Erhebungen wurde nochmals Material aufgebracht. "Das hat gar nichts gebracht!" sagt Hans-Dieter Schulz. "Und wenn wir was sagen, bekommen wir noch unqualifizierte Antworten von der Baubehörde: Unser Haus steht nun mal direkt an der Straße, da müssten wir damit leben. Aber als unser Haus vor 300 Jahren gebaut wurde, gab es die Straße noch gar nicht. Und wir haben doch auch ein Recht auf eine vernünftige Straße!" Karin Wagener, die in ihrer Gaststätte "Stadt Braunschweig" auch Pensionszimmer anbietet, berichtet von ihren Gästen, die sich über den Lärm beklagten. Auch die Schüler Dustin Wulff und Sean Mahnke bestätigen, dass sie nachts nur noch bei geschlossenem Fenster schlafen können, "der Schulbus fährt zum Glück langsam, damit es nicht so doll holpert".

Die Anlieger wollen nicht hinnehmen, dass die Straße "verschlimmbessert" wurde und nun nichts mehr bis zum grundhaften Ausbau getan werden soll.

Denn weil die Landesstraßenbaubehörde wegen der Buga 2015 nicht bauen und für Verkehrsbehinderungen sorgen will, soll die Sanierung erst ab 2016 stattfinden. "Wir werden seit 2012 immer nur vertröstet", ärgert sich Caro Giese. "Jetzt müssen wir wegen der Buga, die ja für noch mehr Verkehr sorgt, so lange ausharren - das können wir uns nicht gefallen lassen!"

Schneller Ausbau gefordert

Die Anlieger fordern, dass zumindest als schnelle Maßnahme die Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h heruntergesetzt wird, damit die Erschütterungen nicht mehr so stark sind, "das muss dann auch entsprechend kontrolliert werden". Und vielleicht gibt es doch noch eine bauliche Lösung, wie die Huckel behoben werden können. "Und dann muss die Straße so schnell wie möglich gebaut werden, nicht erst 2016, sondern nächstes Jahr!"

Manfred Krüger von der für Bundesstraßen zuständigen Landesstraßenbaubehörde war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Im Volksstimme-Gespräch zuvor hatte er bestätigt, dass die Ausbesserung der Reparatur nicht den gewünschten Erfolg gebracht hatte. Aber das geplante Abfräsen sei nicht möglich gewesen, weshalb das Aufbringen von neuem Material Linderung verschaffen sollte.