Gleich zwei Gedenktage fielen auf den gestrigen 9. November - beide waren Schicksalstage für Deutschland.

Havelberg l Eine Gedenktafel erinnert auf dem Havelberger Marktplatz seit 1988 an die einstige jüdische Synagoge, die sich hier befunden hatte. Damals war der 50. Jahrestag der faschistischen Reichspogromnacht, der Auftakt für die Massenvernichtung der Juden Europas. Seitdem gedenken die Havelberger den jüdischen Mitbürgern, an deren Wohnstätten seit kurzem zudem drei Stolpersteine erinnern. Auch gestern Abend.

"Der 9. November gilt als Schicksalstag für die Deutschen", erinnerte Bürgermeister Bernd Poloski. An jenem Tag endete 1918 die deutsche Monarchie, am 9. November 1923 machten die Nazis an der Münchner Feldherrenhalle erstmals auf sich aufmerksam, es folgte 1938 die Reichskristallnacht und 1989 endlich ein freudiger Wendepunkt - der Fall der Mauer, die Deutschland teilte. In Havelberg hatte sich eine der ältesten jüdischen Gemeinden der Mark Brandenburg befunden, erstmals erwähnt 1344, erinnerte Antje Reichel vom Prignitz-Museum. 1938 lebten nur noch zehn Juden in der Stadt, zwei Wohnungen in der Fischerstraße und der Sandauer Straße wurden vom Mob verwüstet. Simone Dülfer und Gerda Schürmann lasen Augenzeugenberichte vor. Zum Abschluss legten Bernd Poloski und Dieter Härtwig einen Kranz nieder.

Die nächste Station war die Stadtkirche, über 70 Gäste nahmen an der Andacht teil. Die Jugendgruppe hatte Zettel mit Ereignissen der letzten 25 Jahre in der Baustelle aufgehängt, Dompfarrer Frank Städler erinnerte an die bewegte Zeit. Die geschichtliche Tragweite des Mauerfalls für die Weltgeschichte sei damals noch gar nicht zu begreifen gewesen, unterstrich er. Das Unbeschreibliche wurde nur in ein Wort gefasst: "Wahnsinn!"

"Wäre der 9. November 1989 nicht gewesen, wäre ich mit meinem Mann jetzt nicht hier in Havelberg", erklärte Kirchenratsvorsitzende Sabine Jahnke. Das sei ihr angesichts des Jubiläums eindringlich bewusst geworden.

Ein deutsch-deutsches Paar war mit in der Kirche: Christa Helmerding ist Havelbergerin, ihr Mann Manfred stammt aus Hannover. Auch sie ließen am Ende Luftballons in den Abendhimmel steigen, versehen mit guten Wünschen.

Bilder