Die Altstadt Havelbergs und die Südvorstadt sind nun vor Hochwasser geschützt. Das Land hat 1,34 Millionen Euro aus Fördergeldern der EU investiert, um feste und mobile Schutzanlagen zu errichten. Am Donnerstag fand die offizielle Bauabnahme statt.

Havelberg l Die Zeit des Sandwallbaus als Schutzring vor Hochwasser auf der Stadtinsel ist Geschichte. Werden künftig die Havelpolder zur Kappung des Hochwasserscheitels der Elbe geflutet - so wie 2002 und 2013 geschehen -, sollten die festen und mobilen Anlagen ausreichend Schutz bieten: Bis zu der laut Staatsvertrag zur Polderflutung vereinbarten regulierten Höhe des Havelpegels von 4,80 Meter (26,40 über normal Null), plus einem Freibord von 20 Zentimetern.

Diese Besonderheit Havelbergs haben gestern sowohl der Chef des Landesbetriebes für Hochwasserschutz (LHW) Burkhard Henning als auch die Staatssekretärin für Landwirtschaft und Umwelt Anne-Marie Keding und Bürgermeister Bernd Poloski anlässlich der offiziellen Bauabnahme hervorgehoben. Die gegenüber dem Deichbau vergleichsweise hohen Kosten rühren daher, dass die Hochwasserschutzanlagen so zu installieren waren, dass der denkmalgeschützte Altstadtbereich nicht davon gestört wird.

Burkhard Henning erinnerte daran, dass nach dem Hochwasser von 2002, als das in den 1950er Jahren eingerichtete Poldersystem mit den Wehren bei Quitzöbel erstmals zum Einsatz kommen musste, nach Lösungen für Havelberg gesucht wurde. Für Ende Juni 2013 war der erste Spatenstich geplant, doch machte die Flutkatastrophe da einen Strich durch die Rechnung.

"Dieses Geld ist gut angelegt."

Bürgermeister Bernd Poloski

Anne-Marie Keding berichtete über die Maßnahmen des Landes zum Hochwasserschutz. Seit der Flut 2002 sind 530 Millionen Euro investiert und damit etwas mehr als die Hälfte aller Deiche saniert worden. Bis 2020 sollen alle Anlagen DIN-gerecht ausgebaut sein. Im Landkreis Stendal sind bisher 98 Millionen Euro ausgegeben worden. Für die Maßnahme in Havelberg sind es 1,34 Millionen Euro. Vorantreiben will das Land auch die Einrichtung von Retentionsflächen durch Deichrückverlegungen und Polder. 42 Gebiete in Sachsen-Anhalt werden dafür untersucht. Mit der demnächst startenden Deichrückverlegung in Sandau Süd und Nord können 184 Hektar Platz geschaffen werden, die bei Elb-Hochwasser für Entlastung sorgen werden.

Der Bürgermeister berichtete von den immensen Kosten von jeweils bis zu 300000 Euro, die das Errichten der Sandwälle zum Schutz der Stadtinsel bei einer Polderflutung bisher nach sich gezogen hatte. 2006 war dies auch erfolgt. Allerdings kam es dann wegen des flachen Hochwasserscheitels nicht zu einer Polderflutung. "Das Geld für dieses Hochwassersystem ist gut angelegt."

Am Havelvorland, der sogenannten Avus, wurde auf 300 Meter Länge eine Spundwand in die Kaimauer an der Havel eingebracht, die oberhalb mit Klinkern abgeschlossen wurden. Diese Straße wurde im Zuge der Bauarbeiten zugleich durch die Stadt saniert. Am Stadtgraben wurden Pfähle für eine mobile Hochwasserschutzwand in den Boden gelassen. Im Bereich der Bustaschen und der Touristinfo in der Uferstraße dienen künftig ebenfalls mobile Wände zum Verschließen der Lücken. Im Friedenshort entstand ein Wall, um die Wohnhäuser vor Wasser schützen zu können.