Der Termin für die Bürgermeisterwahl steht. Es ist der 19. April 2015. Während die Parteien mit ihren Kandidaten öffentlich noch hinter dem Berg halten, hat Jürgen Pyrdok jetzt den Schritt nach außen gewagt. Als Parteiloser wird er sich um das Amt des Bürgermeisters bewerben.

Tangermünde l Seit längerer Zeit ist Tangermündes Hauptamtsleiter Jürgen Pyrdok bereits im Gespräch, wenn es um die Zukunft an der Verwaltungsspitze der Kaiserstadt geht. Seit Donnerstagabend nun ist es offiziell. Erstmals stellte sich Pyrdok in der Öffentlichkeit als Bewerber um das Amt des Bürgermeisters vor - während der Sitzung des SPD-Ortsvereins.

Als Parteiloser wolle er sich um den Bürgermeister-Posten bewerben, machte Pyrdok deutlich. Ob er dabei auf die Unterstützung einer der Tangermünder Parteien oder Vereinigungen bauen kann, steht derzeit noch nicht fest, da sie alle selbst noch keine Entscheidung getroffen haben, ob und wenn ja, wen sie ins Rennen schicken werden.

"Natürlich bin ich aufgeregt", gestand der Tangermünder in dieser eher familiären Runde der SPD. Gut zehn Interessenten und Mitglieder lauschten seinen Worten. Und damit die Aufregung sich zunächst einmal legen konnte, präsentierte der Mann, Jahrgang 1958, zunächst ein wenige Privates. In Polen geboren, zog seine Familie 1965 nach Tangermünde. Hier ging er zur Schule, lernte bei Erdöl/Erdgas, studierte in Freiberg/Sachsen und arbeitete bis zur Wende als Bohringenieur. Seit März 1990 ist die Stadtverwaltung Tangermünde der Arbeitsplatz des Vaters zweier erwachsener Söhne.

"Ich will den Weg gehen - bis zum Ende."

Mit dem Schritt, sich um das Amt des Bürgermeisters zu bewerben, habe er sich nach eigener Aussage sehr schwer getan. "Es ist mir sehr schwer gefallen. Ehrlich gesagt habe ich dieses Amt nie angestrebt", betonte Pyrdok. Doch bereits sehr früh seien die ersten an ihn herangetreten, hätten ihn gefragt, nach und nach wären es mehr geworden. "Ich habe viele Nächte darüber nachgedacht", sagte der Hauptamtsleiter. Das Ergebnis: "Wenn ich es nicht tun würde, dann würde ich all das verleugnen, was ich die vergangenen Jahre seit 1990 für Tangermünde getan habe." Und noch etwas steht für den Tangermünder fest: "Selbst wenn ich verliere, werde ich mich besser fühlen, als wenn ich mich gar nicht erst beworben hätte. Deshalb will ich den Weg gehen - bis zum Ende."

Jürgen Pyrdok sprach bereits während seines ersten öffentlichen Auftritts auch über eine mögliche Niederlage. "Wie werde ich damit umgehen?", fragte er selbst. "Ich habe immer für die Sache gearbeitet, nie für eine Person. Also geht es für mich auch danach weiter."

Was die Wähler von Jürgen Pyrdok, einem gewachsenen Hauptamtsleiter nicht erwarten können, sind Wahlversprechen. Auch das machte der 56-Jährige an diesem Abend deutlich. "Wenn Sie so etwas hören wollen, dann müssen Sie einen anderen wählen", sagte er gerade heraus.

"Es wird nicht einfacher", sagte der Tangermünder mit Blick in die Zukunft. Er kennt die Lage der Stadt, weiß um die kleinen und großen Zusammenhänge, kennt sich vor allem aus mit dem für die meisten Bürger unverständlichen "Verwaltungsdeutsch".

Eine seiner Aufgaben als Bürgermeister dieser Stadt sieht Jürgen Pyrdok darin, zu vermitteln, dafür zu sorgen, dass sich Rat und Verwaltung "auf Standards einigen", Kredite überlegt aufzunehmen, nur für "Dinge, die folgenden Generationen noch Nutzen bringen, für Bleibendes".

Da Jürgen Pyrdok keiner Partei angehört, muss er vor der Bewerbung Unterschriften sammeln. 100 Menschen muss er davon überzeugen. Erst dann kann er den nächsten Schritt gehen, sich mit weiteren Kandidaten um das Bürgermeister-Amt bewerben.