Otto von Bismarck, erster deutscher Reichskanzler, war ein Feinschmecker. So liegt es nahe, Wissenswertes über den berühmten Schönhauser mit kulinarischen Genüssen aus jener Zeit zu verbinden.

Havelberg l Der Havelberger Heimatforscher Harald-Uwe Bossert hat einen ganz besonderen Draht zum einstigen Reichskanzler aus Schönhausen: Er wohnte über Jahre im Neubau an jener Stelle, an der bis in die 1970er Jahre die Bismarcksche Domkurie gestanden hatte. Dem ostelbischen Junker war man in der DDR als Arbeiter- und Bauernstaat nicht wohl gesonnen, neben dem Schloss in Schönhausen musste denn auch die Kurie weichen. Lediglich zwei Pfeiler künden noch von ihr.

Der Havelberger beschäftigt sich seit einem Jahr eingehender mit Otto von Bismarck. "Ich bin Gastdozent für Geschichte an der Uni Magdeburg, im Bismarck-Jahr wurden Vorträge dazu gewünscht", begründet er. Auch an den Volkshochschulen im Jerichower Land und Magdeburg ist er damit eingetaktet.

Vorträge hält Harald-Uwe Bossert auch regelmäßig bei kulinarischen Themen-Abenden in der "Güldenen Pfanne" in Havelberg. Am Sonnabend war Auftakt für 2015 - natürlich mit dem "eisernen Kanzler". Stadtführer Frank Ermer begab sich mit den Gästen zuerst auf Spurensuche in Havelberg - wobei der Weg auch an der einstigen Kurie gegenüber dem sowjetischen Ehrenfriedhof vorbeiführte. Nach dem Auszug der Domherren war hier die Königliche Oberförsterei untergebracht, 1972 rückte der Abrissbagger an.

Schon frühzeitig taucht in alten Havelberger Dokumenten der Name Bismarck auf: Bischof Anselm - er war nicht nur geistiges Oberhaupt, sondern auch Reichsfürst - verpachtet die wichtigste landesherrliche Zollstätte Havelberg 1150 an einen Klaus von Bismarck. Im Dom erinnerte ein Wappenfenster bis 1945 an die Bismarckschen Domherren - bei der Brückensprengung ging auch dieses entzwei.

Das Bismarck-Wappen - dreiteiliges Kleeblatt und drei Eichenblätter - ist übrigens auch im Stendaler Landkreiswappen integriert, informierte Harald-Uwe Bossert in seinem Vortrag.

Etliche Orte im Landkreis sind mit der Familie verbunden: Bismark, Stendal, Burgstall, Krevese, Döbbelin, Briest, Schönhausen und Fischbeck. Die beiden letzteren Orte wurden nach dem Umzug von Burgstall nach Schönhausen im Jahre 1562 sogar extra der Altmark zugeschlagen, damit die Bismarcks auch weiterhin der altmärkischen Ritterschaft angehören konnten.

"Bismarck war der größte Politiker des 19. Jahrhunderts."

Harald-Uwe Bossert

Der Referent erinnerte zudem an ein Kuriosum: Das Bismarcksche Gut in Döbbelin war 1945 bei der Enteignung übersehen worden, was erst nach dem Ende der DDR festgestellt wurde...

1767 wurde das Bismarcksche Gut Schönhausen nach einem Todesfall geteilt, erst 1885 konnte es durch eine öffentliche Sammlung zum Kanzler-Geburtstag von diesem wieder zurückgekauft werden.

Am 1. April 1815 wurde Otto von Bismarck in Schönhausen geboren - in jenem Seitenflügel, in dem sich jetzt das Museum befindet. Er war das vierte von insgesamt sechs Kindern - jedoch nur drei überleben das Kindsalter.

Aufgewachsen ist Bismarck zumeist in Pommern auf dem Familiengut, erst 1845 mit dem Tod des Vaters kehrt er an die Elbe zurück, um hier nach der Flutkatastrophe mit gleich drei Deichbrüchen das wichtige Amt des Deichhauptmannes zu übernehmen. Er versieht es sehr gewissenhaft und legt sich auch mit den Oberen an.

Der Bismarckhering erinnert noch immer an den berühmtesten Schönhauser, die sauer eingelegten Filets soll ein Stralsunder Fischhändler 1871 in einem Fässchen an den Kanzler gesandt haben. In der Güldenen Pfanne gab es in Anlehnung an diese sauer eingelegten Hecht.

Im Angebot waren ferner Wachteleier - Bismarck hatte immer zum Geburtstag 101 Kiebitzeier von den "Getreuen aus Jever" erhalten. Gastwirt Manfred Hippeli hatte sein Viergang-Menü nach solchen Anekdoten zusammengestellt. Der Kanzler galt als Feinschmecker, so wurde denn auch sein Lieblingswein, Marke Forster Ungeheuer, kredenzt.

Harald-Uwe Bossert informierte in seinem Vortrag auch über Objekte, die im Elb-Havel-Land an den Kanzler erinnern. Der Bismarck-Kult erreichte zu dessen 80. Geburtstag seinen Höhepunkt: er bekam 9875 Telegramme und 450000 Briefe! Unter den tausenden Besuchern in Friedrichsruh waren auch zwei Molkenberger, welche ihm 1896 einen Gedenkstein stifteten - der älteste in der Region. Er war über Jahrzehnte verschollen, wurde zufällig entdeckt und steht nun versteckt am Rande einer Wiese neben einer Eiche.

Leichter zu finden ist das Denkmal auf dem Mühlberg in Schollene, was 1908 in Form eines Drudenfußes angelegt wurde. Fischbeck bekam 1911 einen Gedenkstein. Übrigens sollte auch in Schönhausen ein gewaltiges Monument an den berühmtesten Sohn erinnern - wegen der Inflation wurde das Vorhaben unfinanzierbar.

   

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