An die vom Landkreis Stendal vorgeschriebene Stallpflicht für Geflügel hält sich auch Familie Kropa aus Kabelitz. Jetzt über den Winter fällt das nicht ganz so schwer.

Kabelitz l "Aber im Frühjahr wird die Stallpflicht hoffentlich wieder aufgehoben." Denn sonst müssten Olaf Kropa und seine Familie die Zucht drastisch reduzieren. "Die Pommerngänse brauchen Auslauf und vor allem Wasser. Und die Hühner wollen auch nicht eingesperrt sein." Die Tauben, die Kropas züchten, sind ohnehin in Volieren untergebracht. Sie mussten allerdings etwas zusammenrücken, damit Platz für die beiden Pommerngänse ist. Eigentlich bleiben die auch im Winter draußen. Aber auch sie müssen unters Dach, um nicht mit den Wildvögeln in Kontakt zu kommen, die eventuell die Geflügelgrippe übertragen. "Spätestens im März legt die Gans wieder Eier. Dann wird es Zeit, dass sie nach draußen kommen." Olaf Kropa berichtet, dass die im letzten Frühling von zwei Altpaaren gezüchteten Jungen im November, als die Stallpflicht ausgerufen wurde, gerade abgeschafft waren. "Auch Hühner halten wir nur bis zum Herbst, es macht zu viel Arbeit, sie gut über den Winter zu bringen. Und wahrscheinlich wird die Stallpflicht nicht zum letzten Mal verordnet sein." Olaf Kropa ist als Montagearbeiter die Woche über unterwegs, im Winter kommt er wegen der langen Wege meist nur alle zwei Wochen nach Hause - da ist er froh zu wissen, dass seine Frau sich zu Hause gut um alles kümmert.

Fortsetzung der Zucht von "Nürnberger Lerchen"

Olaf Kropa und Sohn Max (13) sind Mitglieder im Schönhauser Kleintierzuchtverein. Eher zufällig waren sie dazu gekommen. "Mama hat von einem Tiermarkt mal zwei Tauben mitgebracht. Und dann hab ich auf der Schau in Schönhausen eine Taube und ein Kaninchen gewonnen", erzählt Max. So kam ein Tier zum anderen. Und Kropas haben dann auch die Tauben der Rasse "Nürnberger Lerchen" des verstorbenen Schönhausers Werner Kurth übernommen. "Die Rasse ist hier in der Region selten. Damit sie erhalten bleibt, haben wir bei uns Platz geschafft." Olaf Kropa erzählt, dass er durch die Mitgliedschaft im Verein Wissenswertes über die Zucht erfährt.

Und wenn die Kabelitzer Tiere dann von den Preisrichtern auch noch gut benotet werden, freut das die ganze Familie. Meist sahnt Max als Jungzüchter die Preise ab. Auf die Frage, ob er sich denn auch um die Tiere kümmert und sie füttert, lacht der 13-Jährige und sagt: "manchmal". Also meist ist es seine Mama Meike, oder auch Opa, der nebenan wohnt. Meike Kropa unterstützt das Hobby ihrer Männer und duldet, dass sie ihr hin und wieder auch mal neue Tiere unterjubeln, "obwohl wir schon genug haben".

Dabei hatte die Flut im Sommer 2013 für große Einbußen gesorgt. Wieviele tote Hühner und Enten Olaf Kropa entsorgen musste, kann er nicht mehr sagen, "es waren etliche". Die meisten Tauben konnten sich in den Volieren nach oben retten. Er gehörte zu den neun Kabelitzer Männern, die im Ort geblieben waren. Tagsüber hielten sie sich auf dem kleinen trockenen Platz in der Ortsmitte an Albrechts Hof auf, fütterten die überlebenden Tiere, sammelten die im Wasser treibenden Kadaver ein. Auch Kropas Haus stand im Wasser. Bis auf Kleinigkeiten sind die Schäden inzwischen behoben. Im Stall sieht man noch deutlich die Spuren.

Flut bescherte Katzen und zwei Pommerngänse

Aber recht schnell wurden neue Tiere beschafft - für ein Stück Normalität nach der Katastrophe. Die hat der Familie auch Katzenzuwachs beschert. "Die fünf Katzenbabys waren während der Flut auf Albrechts Hof einfach da, keiner weiß, woher sie kamen. Wir haben sie gefüttert und ich hab sie dann mit nach Hause genommen - ins Tierheim sollten sie nicht." Alle wurden vermittelt, bis auf den roten Kater. "Garfield" ist ein treues Tier, schläft nachts in der Buchte von Kaninchen "Lukas" (das auf der Schönhauser Schau gewonnene Tier), das die Flut auch überlebte.

Und auch zu den beiden Pommerngänsen kann Olaf Kropa eine rührende Geschichte erzählen: Die prächtigen Tiere haben Holger Borowski aus Schönhausen gehört. Als das Wasser am 10. Juni nach Schönhausen kam, verschwanden auch die Gänse. Aber nicht auf Nimmerwiedersehen. Als das Wasser weg war, kamen sie wieder! Doch im Schönhauser Wiesengrund hatte das Wasser am längsten und höchsten gestanden und alles vernichtet, und Borowskis hatten für die Tiere weder Platz noch Zeit. Bei Kropas kamen sie in gute Hände. "Sie bleiben hier auch auf Lebenszeit", versichert der Familienvater.

Mit den Tauben "Nürnberger Lerchen" und den großen "Lux" sowie den Gänsen bestücken Olaf und Max Kropa auch diverse Schauen in der Umgebung, zuletzt waren sie in Goldbeck. Und Ferchland Mitte Januar steht auch schon im Terminkalender. Allerdings ohne Tiere. Vater und Sohn wollen "nur mal gucken". Mutter Maike winkt ab, "das ,nur mal gucken` kenne ich..."

 

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