Schönhausen l Das bei den Schönhausern als "Melkerhotel" bekannte Mehrfamilienhaus in der Breitscheidstraße ist Ende 2014 abgerissen worden. Die Mieter waren in der Deichbruchnacht geflüchtet und konnten auch nicht wiederkommen, weil das rund einen Meter hoch stehende Wasser die Gebäude vernichtet hat. Ein Blick in die Geschichte:

Der Ausbau ehemaliger Wirtschaftsgebäude zu Wohnungen hatte in der DDR zwei immer wiederkehrende Gründe: Erstens der Mangel an Wohnraum überhaupt und zweitens der permanente Arbeitskräftemangel in fast allen Betrieben. Da machte die Landwirtschaft keine Ausnahme. So wurde 1977 von der LPG "Rotes Banner" der Getreidespeicher des ehemaligen Bauernhofes Nehre zum Wohnhaus umgebaut. Vier Wohnungen entstanden, um Arbeitskräfte für die Rinderzucht in den Ort zu holen. So wurde das Gebäude denn auch bald als Melkerhotel bezeichnet. Der Name hält sich bis heute. Je zwei Drei-Raum- und Vier-Raum-Wohnungen mit der damals beliebten Kachelofen-Luftheizung konnten 1977 bezogen werden. Auch ein Bad mit Badeofen war vorhanden und eine kleine Speisekammer. Anfangs gab es noch keine Abwasserleitung. Das Abwasser musste in Eimern herausgetragen werden und auf dem Hof gab es nur ein Toilettenhäuschen, wie Bewohner Bernd Reinke berichtet. Auf dem Foto steht er an der Stelle, wo er drei Jahre im Obergeschoss gewohnt hat. "Vor dem Melkerhotel, an der Breitscheidstraße, stand noch ein Fachwerkhaus, in dem sich auch noch eine kleine Wohnung befand, und daneben stand ein Waschhaus. Erst als das alte Fachwerkhaus an der Körnerstraße abgerissen war, wurde dort eine Sammelgrube gebaut und wir mussten das Wasser nicht mehr runter schleppen." Nach der Wende und der Auflösung der LPG übernahm die Gemeinde die Wohnungen.

Für den Wiederaufbau bekommt die Gemeinde Geld, allerdings wie auch für privaten Wohnraum nur 80 Prozent. Deshalb wird auch kleiner und eingeschossig gebaut.

Bilder