Mit der Übergabe der Schlüssel für die Stadtkirche von der Evangelischen Kirchengemeinde an den Zweckverband der Bundesgartenschau wurde gestern der Startschuss für die Gestaltung zur Blumenhalle gegeben. In dem aus dem 14. Jahrhundert stammenden Gotteshaus finden 16 verschiedene Schauen statt.

Havelberg l Viel wurde in den vergangenen zwei Jahren an der Havelberger Stadtkirche gebaut und saniert. Rund 600000 Euro flossen, vorrangig vom Land, um das älteste Gebäude auf der historischen Stadtinsel für die Blumenschauen und die vielen Besucher vorzubereiten. Wichtig war die Dekontamination der Holzbalken des Dachstuhles. Durch ein in den 1980er Jahren aufgebrachtes Holzschutzmittel waren die Hölzer verunreinigt worden - sichtbares Zeichen waren die großen Flecken im Gewölbe. Das ist Geschichte. Wer durch das Portal der Stadtkirche schreitet, blickt in einen hellen Raum, der zumindest auf den ersten Blick einen frischen Eindruck macht.

Floristen freuen sich auf Einmaligkeit der Gebäude

Denn noch ist bei weitem nicht alles saniert. Das Mittelgewölbe hätte neue Farbe nötig, wie Pfarrer Frank Städler bei der offiziellen Schlüsselübergabe an den Buga-Zweckverband sagte. "Aber wir haben in den vergangenen zwei Jahren viel geschafft. Stadt und Land haben uns dabei sehr unterstützt." Auf der Nordseite der Kirche sind die Fenster erneuert worden. Nach der Buga, so hofft der Pfarrer, kann die Sanierung möglicherweise auch im Außenbereich fortgesetzt werden. Er schwärmte von dem wunderbaren Kirchenraum, der entstanden ist. Bei Veranstaltungen Ende des Jahres gab es bereits Meinungen, die Kirchenbänke nach der Buga nicht wieder einzubauen, um eine flexible Nutzung des Gotteshauses auch künftig zu ermöglichen.

Bürgermeister Bernd Poloski brachte seine Freude zum Ausdruck, dass die Kirche mit der Sanierung "in einen wesentlich besseren Zustand gebracht werden konnte". Gerade die charakteristischen Sakralbauten Dom und Stadtkirche prägen Havelberg. Ihr Erhalt ist deshalb wichtig. Der Bürgermeister erinnerte an Diskussionen, die Stadtkirche zu entwidmen, da die relativ kleine Kirchengemeinde mit beiden Gotteshäusern gefordert ist. Um so froher ist er, dass mit der Sanierung die Grundlage gelegt ist, die Kirche auch nach der Buga für kirchliche und andere Veranstaltungen zu nutzen. Mit Blick auf die Blumenschauen hofft er, dass die Blumen das Gebäude zum Strahlen bringen und die Besucher ihre Freude daran haben, floristische Meisterwerke nicht in Betonhallen oder Zelten, sondern in so einem schönen historischen Gebäude bewundern zu können. Der Geschäftsführer des Buga-Zweckverbandes Erhard Skupch hob die Einzigartigkeit dieser Blumenschauen hervor, die es so vorher auf noch keiner Buga gegeben hat. Bei einer Rundreise von Floristen und Gärtnern im vorigen Jahr hatten sich alle begeistert gezeigt. "Sie sind heiß darauf, die Besonderheit dieser Räumlichkeiten zu nutzen."

In der Stadtkirche wird es keine herkömmlichen Pflanzflächen mit viel Erde geben. Vielmehr werden Vasen, Gestelle und Kübel genutzt, um die Blumenarrangements zu präsentieren. Die Umbauten erfolgen offen, die Besucher können also den Fachleuten bei ihrer Arbeit zuschauen. Die Umbauten finden in Havelberg und Brandenburg zu unterschiedlichen Terminen statt, so dass immer eine Blumenschau vollständig zu sehen ist.

Die Kirche wird noch mit einem Oberboden ausgelegt, unter dem sich diverse Versorgungsleitungen befinden. Genutzt werden auch die Emporen.

Um den Besucherfluss - 700000 bis 800000 Gäste werden in den 177 Tagen in Havelberg erwartet - lenken zu können, wird es Regelungen im Eingangsbereich und für die Treppen geben. Auch daran, die Blumen im richtigen Licht zu präsentieren, ist gedacht.

Orgelrestaurierung macht mit Kirchensanierung Sinn

Die im ursprünglichen Konzept vorgeschlagenen zwölf Palmen passen allerdings nicht in die Kirche. Sie würden zu viel Platz wegnehmen. "Von dieser tollen Idee mussten wir uns leider verabschieden", sagte Erhard Skupch. Die Einmaligkeit der Kirche wird aber in die Gestaltung integriert, berichtete Projektkoordinatorin Manuela Kenzler und sprach zum Beispiel davon, den Altar einzubeziehen.

Kämmerin und Bauamtsleiterin Petra Jonschkowski dankte allen am Bau Beteiligten, die mit großer Einsatzbereitschaft und Ideen die Anforderungen in dem denkmalgeschützten Gebäude erfüllt haben.

Domkantor Matthias Bensch informierte zur geplanten Orgelrestaurierung. "Ohne die Sanierung der Kirche hätten wir gar keine Chance gehabt, das Projekt in Angriff zu nehmen." Rund 800000 Euro sind nötig, um die historisch wertvollste der weltweit nur noch drei erhaltenen zweimanualigen Scholtze-Orgeln zu restaurieren. Immerhin: Würde jeder erwartete Buga-Besucher nur einen Euro spenden, wäre die Finanzierung des 1754 gebauten Instruments so gut wie gesichert.