Tangermünde l Er sieht wenig spektakulär aus, ist groß, braun, ziemlich abgewetzt und macht den Eindruck, als könnte er viel erzählen, wenn er es denn könnte - der Geschichtskoffer der Tangermünder Stadtführerjugend. Doch welcher Koffer kann schon erzählen? Es wäre mit Sicherheit furchtbar aufregend, wenn Koffer reden würden. Denn sie sind ja meist dazu da, mit dem Menschen auf die Reise zu gehen. Aber Achtung! Der alte Koffer der Tangermünder hat allen anderen etwas voraus: Er kann erzählen, und zwar Geschichten über die Geschichte der Kaiser- und Hansestadt.

Die Mädchen und Jungen der jungen Stadtführer unter Leitung von Petra Hoffmann haben ihm dazu ein wenig auf die Sprünge geholfen und sich zudem Unterstützung gesucht. Vor mehr als einem Jahr entstand die Idee. Gegenstände wurden gesammelt, die in den Koffer gelegt werden könnten. Auf einem Trödelmarkt fand Petra Hoffmann das gute Stück. Gefüllt wurde der Koffer im Laufe der Monate mit Plüschstorch, Schlüssel, Denkmalschild, Getreide, Figuren - mit 27 Dingen, die in Verbindung gebracht werden können mit der Stadtgeschichte.

Inzwischen haben Storch und Co. Schilder mit QR-Codes verpasst bekommen. Das sind diese kleinen gerasterten Quadrate, die heute auf vielen Produkten zu finden sind. Dem menschlichen Auge sagen sie nichts. Doch wer sein Smartphone ein solches Quadrat auslesen lässt, wird auf eine Internetseite geleitet. Und hier stehen dann die Informationen, die dazu gehören. Wer den QR-Code vom Storch einscannt, erfährt also etwas über diese Tiere und ihre Verbindung zu Tangermünde. Hinter jedem QR-Code stecken Filme, Lieder oder Geschichten. Diese hat Petra Hoffmann mit den Kindern gedreht, gemalt, malen lassen, aufgeschrieben und vorgelesen.

Für diese digitale Umsetzung fand die Gruppe in Schülern einer 10. Klasse der Ernst-Litfaß-Schule in Berlin einen Partner. Unter Leitung von Lehrer Dirk Zellmer und mit Hilfe des Projektes "Denkmal aktiv" gelang es in den vergangenen Monaten, das Vorhaben zu vollenden. Die Schüler aus dem Bereich für Druck- und Medientechnik besuchten dazu Tangermünde, lernten vor Ort kennen, wofür sie aktiv sein werden. "Drei engagierte Schüler haben dann letztendlich an der Umsetzung gearbeitet", berichtet Zellmer.

"Engagement, dein Name ist Frau Hoffmann."

Dirk Zellmer, Lehrer in Berlin

Während Petra Hoffmann mit dem Ergebnis nicht ganz glücklich ist, sagt Dirk Zellmer: "Wir dürfen nicht vergessen, dass es ein Schülerprojekt ist, Schüler lernen sollen, Vorgaben umzusetzen." Er versprach jedoch, dass nun noch "Stück für Stück nachgebessert wird". Weiter sagte er: "Das Projekt wurde formell im September abgeschlossen, allerdings werden Teile des Projektes eigenverantwortlich von einigen sehr engagierten Schu¨lern freiwillig weiterverfolgt. Hier ist besonders die U¨berarbeitung der Filme zu nennen, die in der aktuellen Fassung zwar technisch funktionieren, aber bezüglich der Text-Bild-Passung verbesserungswu¨rdig sind."

An welchem Standort der Koffer seinen Platz finden soll, steht noch nicht fest: Petra Hoffmann hat mehrere Ideen: "Falls Frau Brückner nichts dagegen hat, könnte er im alten Rathaus im Museum stehen. Der Koffer könnte aber auch auf Wanderschaft gehen, von Schulen genutzt beziehungsweise von Delegationen in Partnerstädte mitgenommen werden. Die QR-Beiträge könnten auch per Beamer gezeigt werden."

Für den Berliner Lehrer ist nach dem Projekt unter anderem klar: "Engagement, dein Name ist Frau Hoffmann. Ohne die weit u¨ber das Normale hinausgehende Seele des Projektes wa¨re Tangermu¨nde ein großes Stu¨ck a¨rmer und weniger Schu¨ler ha¨tten so einen guten Zugang zu Geschichte und Denkmalen." Und noch etwas nimmt er mit: "Tangermünde ist eine unbedingt erneut zum Projektgegenstand zu machende Stadt."

Was über die QR-Codes zu erfahren ist, lässt sich auch unter http://tangermuende-entdecken.ernst-litfass-schule.de/index.html anschauen.