Vor vielen Jahren wurde der Jugendklub am Fehnweg in Sandau geschlossen. Jetzt begehren die jungen Elbestädter auf - sie suchen einen Raum für die Freizeitgestaltung.

Sandau l Gut 20 Kinder und Jugendliche hatten sich am Donnerstagnachmittag zur Zusammenkunft mit dem Bürgermeister im Rathaussaal eingefunden. Die Muttis Birka Müller und Heike Heller hatten das Treffen angeregt, denn schon seit längerem sind die Jugendlichen der Elbestadt auf der Suche nach einem Raum, in dem sie gemeinsam ihre Freizeit verbringen können.

"Ausweich-Jugendtreff" ist schon seit einiger Zeit die hölzerne Frau-Harke-Sitzgruppe am Kriegerdenkmal mitten in der Stadt. Was wiederum viele erwachsene Sandauer auf die Palme bringt, denn hier verschandelt herumliegender Müll das Stadtbild, auch Beschädigungen gab und gibt es. Noch immer liegt zum Beispiel ein Pfeiler des benachbarten Treppengeländers um, auch etliche Scheiben in der nahen Kirche gingen wieder zu Bruch.

Bürgermeister Henry Wagner wies die jungen Gäste darauf hin, dass es in Sandau durchaus einige Angebote für die Freizeitgestaltung gibt. Als Beispiele nannte er die Feuerwehr, die Angler sowie den Sport- und den Karnevalsverein. "Der Jugendklub ist damals aus Geldmangel geschlossen worden", berichtete das Stadtoberhaupt. Zuletzt wurden die Räume verwüstet, sogar Möbel wurden angesteckt und Mopeds fuhren darin herum. Inzwischen gibt es hier kein Zurück mehr: Das gesamte Gebäude der einstigen Turnhalle wurde an eine Firma verkauft, die hier seit geraumer Zeit produziert.

"Der Jugendklub ist damals aus Geldmangel geschlossen worden."

Bürgermeister Henry Wagner

Kurzfristig dürfte jedenfalls keine Lösung in Sicht sein, erklärte Henry Wagner: "Die Stadt hat bis auf zwei Häuser in der Mauerstraße keine eigenen Gebäude mehr." Das einstige Gerätehaus der Feuerwehr liege im bewohnten Gebiet, die Anwohner würden es sicher nicht gutheißen, wenn hier ein Jugendtreff einziehen würde.

Auf den Einwurf einer Jugendlichen, doch die Kaufhalle zu nutzen, erklärte Henry Wagner, diese gehöre einer Firma in Salzwedel, welche das Gebäude veräußern möchte. Auch der schon viele Jahre leerstehende Bahnhof - ein weiterer Vorschlag aus der Runde - komme als Jugendtreff nicht in Betracht. Die Immobilie gehört der Bahn, steht ebenfalls zum Verkauf und müsste mit enormen finanziellen Aufwand saniert werden. Doch Geld steht der in Konsolidierung befindlichen Stadt für freiwillige Aufgaben - zu solchen zählt die Jugendarbeit - schon gar nicht zur Verfügung. Der Raum ist zudem das eine, das andere sind die entstehenden laufenden Unterhaltungskosten.

Lediglich eine Alternative gibt es für die Jugend: der Raum an der Bühne im Park. Doch auch er müsste hergerichtet und ausgestattet werden, allerdings ist er ohne Heizung und Toilette.

Einen ersten Kompromiss bot Henry Wagner den Jugendlichen an: Die Stadt könnte für etwa 2000 Euro pro Jahr Mitglied im Förderverein des Havelberger Jugendzentrums werden, dann würde man von diesem Unterstützung und Beratung erhalten. Dazu hatte es bereits Gespräche mit dem Juze-Leiter Rolf Müller gegeben - auch der einstige Jugendtreff im Fehnweg war von Havelberg aus betreut worden.

Allerdings könnten die Sandauer Jugendlichen auch das Jugendzentrum in Havelberg nutzen, erklärte Ratsmitglied Danny Lindemann. Die Entfernung sei nicht so groß, man könnte es ja mal probieren. Er berichtete, dass die Jugendlichen damals den Klub im Fehnweg auch in Eigenregie hergerichtet und manches selbst gebaut hatten.

Der gemeinsame Arbeitseinsatz mit der Jugend am Spielplatz ist übrigens auch nicht vom Tisch - er soll im Frühjahr stattfinden. Die Geräte sind inzwischen wieder heil, beim Einsatz soll dann der Pinsel geschwungen werden.