Havelberg l Das war ein toller Abend im Havelberger Bilderbuchcafé: witzig, anregend und kreativ. Zu Gast war zum wiederholten Male das Prignitzer "Vogelfrei"-Theater, Daniela Dörfer und Chady Seubert, diesmal mit ihrem Programm "Impro for Two. Mitgebracht hatten sie den griechischen Akkordeonisten Petros Kalamaris, der im Laufe des Abends ein unglaubliches komödiantisches Talent entwickelte und sich zum vollwertigen Mitspieler mauserte.

Das Thema war dann auch - naheliegend - Griechenland. Aber keine Angst: der Abend verlief sich nicht in kalauernden Klischees, dazu sind die beiden Theaterfrauen viel zu intelligent. In zwölf Szenen wurde, wie geplant, nach Impulsen des Publikums wild improvisiert. Um es vorweg zu nehmen: Der Abend wurde je länger, je besser und endete schließlich auf der bekannten Miniatur-Spielfläche mit einem fast perfekt getanzten Sirtaki von Akteuren und Zuschauern.

Mit Aufwärmübungen

Allerdings brauchte es, obwohl sich Zuschauer und Akteure eigentlich kannten, eine gewisse Aufwärmzeit. Allzu nah kommen sich beide, und so brachte das professionelle Agieren zunächst einmal Berührungsängste. Ausgeprägte Gestik und Mimik gehören ja nicht gerade zu unserem Alltagsrepertoire. Da reichte die "Aufwärmübung" nicht ganz, um warm zu werden. Als aber die Scheu überwunden war, spielte das Publikum so begeistert und hervorragend mit, dass jede Szene besser wurde als die vorhergehende. Höhepunkt war das Wechselspiel an zwei unterschiedlichen Orten, auf Vorschlag der Zuschauer "Schokoladenladen" und "Kreissaal" mit Daniela als werdende Mutter und Chady als "Hebammer". Kein Wunder, dass es Petros nicht im Hintergrund hielt und er mit seinem Akkordeon nach vorn stürzen musste!

Die Zugabe wurde denn auch nicht aus dem Saal, sondern von der Bühne verlangt - "bei so einem Publikum!" Es gab gemeinsam "griechischer Wein", und als es mit dem Text etwas haperte, half eine sehr gute Stimme vom Tisch aus nach, und das ganze Bilderbuchcafé wurde zur Bühne in Erinnerung an den großen Sänger und Entertainer Udo Jürgens.

Am Ende zeigten sich das Publikum hochzufrieden und die Akteure selbst ganz begeistert. Das war wirklich ein Abend mit echter Kleinkunst vom Feinsten, und das im kleinen Havelberg!