Wenn sich an diesem Wochenende zum mittlerweile zehnten Mal bundesweit die Töpfereien für Besucher öffnen, ist auch die der Havelberger Keramikmeisterin Ute Schröter mit dabei - und ihre drei Auszubildenden, die mit ihr die Freude an dem alten Handwerk teilen.

Havelberg l Martha Zitzow ist während ihrer Schulzeit im Kunstunterricht dazu inspiriert worden, mit Ton zu arbeiten. Das Formen und Modellieren machten der Greifswalderin so viel Spaß, dass sie sich nach der Schule für ein praktisches Jahr an der Kunstschule ihrer Heimatstadt entschied. Nachdem sie selbst Kunstkurse belegt hatte, gab sie welche für Kinder. "Ich konnte mich nicht mehr losreißen vom Töpfern", nennt sie den Grund für ihre Berufswahl. In Havelberg in der Töpferei am Dom fand sie den passenden Ausbildungsbetrieb.

Es ist der einzige in Sachsen-Anhalt, berichtet Keramikmeisterin Ute Schröter. Zehn Lehrlinge hat sie bisher gehabt. Sie sieht darin nicht nur die Möglichkeit, ihre Fertigkeiten an junge Leute weiterzugeben und die uralte Handwerkstradition am Leben zu erhalten, sondern es ist auch wichtig, um den Betrieb gut am Laufen zu halten. Denn die Aufbereitung des Tons erfordert einen größeren Aufwand, wäre im Ein- oder Zweimannbetrieb nur schwer umzusetzen. Diese Aufbereitung sieht sie als wichtig an, um diesen uralten Rohstoff nicht zu vergeuden. Um das Töpferhandwerk zu beherrschen, ist es übrigens auch wichtig, Muskeln aufzubauen. Sie rät ihren Schützlingen zu Greif- und Hantelübungen

Für Martha Zitzow war es wichtig, einen Betrieb zu finden, der eine große Bandbreite und Serienproduktionen anbietet, um Kontinuität zu erreichen. Ihr gefällt die Kombination von Töpferei und Café. Ihr Wunsch ist es, später einmal selbst eine Werkstatt in ihrer Heimatregion zu eröffnen.

Das Schaffen mit den Händen, das Anfassen, Spüren des Tons liebt sie an diesem Handwerk. "In kürzester Zeit kann man etwas mit seinen Händen schaffen. Und wenn man mal eine Leiche produziert, so nennen wir die nicht gelungenen Sachen, ist das nicht schlimm, es wird nicht weggeschmissen, sondern der Ton wieder aufbereitet", erzählt die 20-Jährige und dreht weiter an einer Backform. Unterdessen formt Anne Boy den Henkel für einen Krug. Was zunächst wie eine dicke Nase an dem Krug klebt, wird nach und nach durch ihre Hände zu einem wohlgeformten Henkel.

"Der Anfang an der Drehscheibe ist schwer. Und plötzlich geht es doch und macht Spaß."

Diana Lucht (39) hatte sich bereits im vorigen Jahr auf ihre Gesellenprüfung vorbereitet. Doch eine Krankheit machte ihr einen Strich durch die Rechnung, sie musste zunächst erst wieder gesund werden. Die Havelbergerin schult von der Tischlerin zur Töpferin um. Ihren alten Beruf konnte sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben. Auf jeden Fall wollte sie auch im neuen Beruf mit ihren Händen arbeiten und vor allem kreativ sein. Das lebt sie jetzt in der Töpferei aus. Sie hängt gern Zeit an ihren Arbeitstag an, um dann zum Beispiel Echsen zu formen.

"Der Anfang ist schwer. Wenn man das erste Mal an der Drehscheibe sitzt, glaubt man, dass man es nicht schafft. Und dann plötzlich geht es doch und es macht riesig Spaß." Erfolgserlebnisse zählen natürlich, und da fällt Diana Lucht ihr Beginn in der Töpferei ein. Sie probierte sich an kleinen Backformen aus. Sie wurden noch nicht so symmetrisch, wie es sein müsste. Dennoch wollte ein Bäcker gleich eine größere Stückzahl davon haben. Er verkaufte sie mit dem darin gebackenen Kuchen.

Wenn die Werkstatt an diesem Sonnabend und Sonntag zum bundesweiten Tag der offenen Töpferei jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet ist, können sich Besucher selbst an der Drehscheibe ausprobieren. Außerdem gibt es wieder den beliebten Rakubrand - eine japanische Brenntechnik. Dieses Mal werden, passend zum Buga-Jahr, Blumen gebrannt. Mit einer Glasur in indisch-blau kann sie jeder vorher bemalen. Zur Bundesgartenschau liegt die Töpferei im Ausstellungsbereich. Den Besuchern werden dann auch Blumenwiesen präsentiert - aus natürlichem Grün und getöpferten Blüten in verschiedenen Farben.

   

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