Günter Hasstedt ist seit gestern kein Geschäftsführer und auch kein Mitarbeiter der Havelberger Stadtwerke mehr. Mit einem festlichen Empfang hatte er sich am Donnerstag in den Ruhestand verabschiedet.

Havelberg l Nach 45 arbeitsreichen Jahren plötzlich "arbeitslos" zu sein, erzeuge in ihm zwar gerade ein zwiespältiges Gefühl, alles in allem sei "es aber vor allem auch ein Stück Freude auf die Zukunft, auf die persönliche Freiheit, darüber, über mein Leben jetzt selbst entscheiden zu können. Auf viel gemeinsame Zeit mit meiner Frau Christel und der Familie, die mich in den vielen, vielen Jahren meiner Tätigkeit immer so sehr unterstützten, indem sie mich zeitlich dafür absicherten", sagte Günter Hasstedt in seiner Abschiedsrede vor den Mitarbeitern der Havelberger Stadtwerke und den geladenen Gästen, darunter das Mitglied des Bundestages Jörg Hellmuth, Landrat Carsten Wulfänger und Bürgermeister Bernd Poloski. Auch an die Belegschaft richtete Günter Hasstedt ein großes Dankeschön und merkte an: "Ich habe für Sie alle die Arbeitsverträge unterschrieben."

In der Tat. Denn er war es, der nach der deutschen Wiedervereinigung den Aufbau und die Entwicklung der Havelberger Stadtwerke voran trieb und sie letztlich 25 Jahre lang mit Geschick und Sachverstand erfolgreich führte. Als die Stadtverordnetenversammlung am 2. August 1990 die Stelle des Geschäftsführers ausschrieb, zögerte er nicht lange mit seiner Bewerbung und wechselte vom damaligen VEB Wasserversorgung in diese äußerst verantwortungsvolle Position.

"Günter Hasstedt hat so viele prägnante Spuren wie kein anderer im Unternehmen hinterlassen", würdigte Bürgermeister Bernd Poloski die Verdienste des scheidenden Geschäftsführers. Zu diesen gehören unter anderem die stabile Versorgung aller Orte im Altkreis mit Trinkwasser und Energie sowie die Versorgung der Havelberger mit moderner Fernwärme. Eigenschaften wie strategisches Denken, extreme Beharrlichkeit oder konsequentes Festhalten an formulierten Zielen habe er an Günter Hasstedt schätzen gelernt, so Poloski. Sein Abschied sei "ein Verlust für uns". Er freue sich aber mit Günter Hasstedt, dass dieser nun sein eigener Herr sein könne.

Ein hundertprozentiger Weggang von den Stadtwerken ist es allerdings noch nicht. "In Vereinbarung mit dem Aufsichtsrat stehe ich dem Unternehmen noch für ein Jahr als Berater zur Seite", erklärte Hasstedt.

Sein Nachfolger ist der Stendaler Sebastian Horn. Dieser hatte sich in den Stadtwerken seit dem 1. März 2013 als Assistent der Geschäftsführung auf die Übernahme vorbereitet. Günter Hasstedt überreichte ihm zur Übergabe der Geschäfte ein Tablett, auf dem alle Sparten der Stadtwerke symbolisch dargestellt sind, und gab ihm unter anderem folgende Worte mit auf den Weg: "Der kluge Mann macht nicht alle Fehler selber, er gibt auch anderen eine Chance."