Seit 1991 sind in Havelberg im Rahmen der Städtebauförderung 32 Millionen Euro in die Sanierung der Altstadt geflossen. Zum ersten bundesweiten Tag der Städtebauförderung luden der Sanierungsträger BIG Städtebau und die Stadt am Sonnabend zu Rundgängen auf der Altstadtinsel ein.

Havelberg l Mit einem Informationsstand machte die BIG Städtebau auf dem Marktplatz auf sich aufmerksam. Klaus-Dieter Steuer, Gundula Schweizer und Christoph Röhrs standen als Gesprächspartner bereit. Da die Ankündigung der Veranstaltung in Zusammenhang mit der Eröffnung der Kunstausstellung "9 Yards of Flavour" etwas irritierend war, hatten die Teilnehmer damit gerechnet, bei den Rundgängen auch etwas zu den neuen Duft- und Kräuterfeldern zu erfahren. Das war so nicht geplant, letztendlich war der Rundgang am Vormittag dann aber doch eine Kopplung beider Veranstaltungen und es gab viel Interessantes zu erfahren.

Klaus-Dieter Steuer erklärte zunächst das Ziel des Tages der Städtebauförderung, der künftig einmal jährlich stattfinden soll. "Die Städtebauförderung ist das beste Konjunkturprogramm, weil sie ganz viel abdeckt. Die Stadt kann damit nicht nur eigene Gebäude sanieren, sondern auch private Eigentümer unterstützen." Bund und Land beteiligen sich mit jeweils 40 Prozent an dem Augleich für erhöhte Baukosten, die Stadt mit 20 Prozent.

Seit 1991 sind in Havelberg 32 Millionen Euro im Rahmen der Städtebauförderung geflossen. Jeweils elf Millionen Euro kamen von Land und Bund. Die restliche Summe übernahmen die Stadt beziehungsweise die Bewohner. "Wir sind schon ziemlich weit, doch gibt es immer noch Häuser, die einer Sanierung bedürfen. Schluss zu machen mit der Städtebauförderung wäre nicht gut", sagte Klaus-Dieter Steuer, Leiter des BIG Regionalbüros Perleberg.

Gut sanierte Wohnungen sind beliebt

Er machte auf die Veränderungen in den vergangenen gut 20 Jahren aufmerksam. Ging es am Anfang darum, Häuser komplett zu sanieren, inklusive der Geschäfte, zeigt sich in den vergangenen Jahren verstärkt, dass die Erdgeschosse mit den Läden leerfallen. Gründe liegen einerseits in der verringerten Einwohnerzahl und damit zurückgehenden Kaufkraft, aber auch am veränderten Kaufverhalten der Bewohner etwa durch den Internetversand. Die Frage, was aus den Erdgeschossen wird, hat auch in Havelberg große Bedeutung. "Den Stein der Weisen haben wir hier noch nicht gefunden." Fakt ist aber, dass die gut sanierten Wohnungen in der Altstadt begehrt sind.

Auf dem Rundgang erklärte der Havelberger auch veränderte Haltungen des Denkmalschutzes im Laufe der gut zwei Jahrzehnte. Gut zu sehen etwa an den beiden Fachwerkhäusern Fischerstraße 37 und 38. Während das um 1995 sanierte Haus, in dem sich das Altstadtcafé befindet, farblich durch die herausgehobenen Balken auffällt, macht das andere einen eher schlichten Eindruck - aus denkmalschützerischer Sicht die bessere Variante, erklärte Klaus-Dieter Steuer. Auf dem Hof dieses aus dem 17. Jahrhundert stammenden Hauses zeigte er, was Städtebauförderung auch heißt: das Schaffen von Wohnraum nach heutigen Wünschen und Bedürfnissen. Balkone wurden angebaut, was die Wohnungen aufwertet. Das wurde auch bei der Sanierung anderer Wohnhäuser so praktiziert.

Der Rundgang führte auch in den Hof Lange Straße 36/37. Ein Beispiel für Häuser, die noch auf eine Sanierung warten. Mit dem Erker, der Zufahrt und der Größe des Hofes eigentlich ein attraktives Grundstück. Der Hof hat sich im Zuge des Kunstprojektes "9 Yards of Flavour" nun zumindest für Besucher geöffnet, denn dort befindet sich eines der Kräuterbeete der "Old School".

Vor allem Häuser mit Charakter sind erhaltenswert

Oftmals werden leerstehende Häuser saniert und dann erst bezogen. Es gibt aber auch die Variante des Wohnens und des schrittweisen Sanierens. Als Beispiele nannte Klaus-Dieter Steuer das Sonnenhaus am Kirchplatz und die "Old School" neben dem Erlebnispädagogischen Centrum ELCH. Es gibt aber leider auch die Fälle wie Lange Straße 6 und 7, wo kein Rankommen an die Eigentümer ist. In den vergangenen Jahren haben auch einige polnische Bürger Häuser saniert - nicht in jedem Fall unter Beachtung aller Auflagen des Denkmalschutzes, indem zum Beispiel statt Holz- Kunststofffenster eingebaut wurden.

Am ersten Haus, das die Stadt mit der Städtebauförderung sanieren ließ, dem Beguinenhaus auf dem Salzmarkt, zeigte Kämmerin und Bauamtsleiterin Petra Jonschkowski Tafeln zum Sanierungsgebiet Stadtinsel und Domgebiet. Sie erklärte auch die Schaffung von Wohnquartieren in den vergangenen Jahren gemeinsam mit der Wohnbau GmbH.

Dem Salzmarkt mit seinen zum Teil stark verfallenen Häusern galt damals Hauptaugenmerk. Im Zuge der Buga-Vorbereitung wurde die sogenannte Raumkante zur Uferstraße hin nun geschlossen. Über die Art der Mauer ließe sich streiten. Allerdings: Für den Neubau eines Hauses wäre die Fläche ungeeignet. Die Blutpflaumen dort sollen übrigens an die sich einst dort befindenden Gärten erinnern. An einer weiteren Baulücke am Salzmarkt wurde ebenso wie am Beguinenhaus und an einer Hausecke ein Kräuterbeet angelegt.

Wichtig ist, Strukturen zu erhalten, dafür sind Eckhäuser wichtig, erklärte Klaus-Dieter Steuer. Zudem sind es die Häuser mit Charakter, die erhalten werden müssen. Diejenigen also, die noch viel der originalen Bauweise vorweisen.

   

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