Mit zahlreichen Veranstaltungen würdigt die Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen den 200. Geburtstag des ersten deutschen Reichskanzlers. Anke Schleusner-Reinfeldt sprach mit Stiftungsleiterin Andrea Hopp über die ersten Wochen.

Die ersten Wochen im 200. Bismarck-Geburtstags-Festjahr sind um. Wie viele Besucher konnten seit dem 1. April im Schönhauser Museum begrüßt werden?

Auf die bisher größte Resonanz ist die von mir kommentierte Lesung mit Hanns Zischler aus unserer Neuausgabe der Gesammelten Werke Bismarcks in der Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt in Berlin gestoßen, bei der gar nicht alle Interessenten Einlass fanden: Mit 220 Zuhörern war der Saal weit über den letzten Platz hinaus gefüllt. Dr. Rudolf Seiters, Kuratoriumsvorsitzender der Bismarck-Stiftung, sprach ein Grußwort. An der Veranstaltung nahmen auch zahlreiche Schönhauser und Tangermünder Bürger teil. Seit 15. März hatten wir in Schönhausen 757 Museumsbesucher, in sechs Veranstaltungen außerdem 1064 Teilnehmer und elf Gruppen mit 240 Personen, die aus Berlin, Hamburg, Potsdam, Tangerhütte, Stendal, Havelberg und Cambridge kamen. Nach dem letzten erneut gut besuchten Wochenende sind die Zahlen weiter gestiegen. Und die nächsten Tagen werden sicher auch für einen Besuch genutzt.

Wie stemmt die Stiftung personell den erhöhten Bedarf an Führungen gerade an den Wochenenden?

Wir haben unser Team durch Christiane Schramm und Katharina Handke vergrößert, die wir - wie Edeltraut Jeske und Heidi Voigt - aus den Kreisetatmitteln bezahlen.

An welchen Mitbringseln aus dem Museums-Shop haben die Gäste größtes Interesse?

An den "Friedrichsruher Beiträgen" - den kleinen Themenheften der Bismarck-Stiftung, ansonsten nehmen die Besucher auch gern Tassen und Büsten mit.

Wie kommt die Sonderschau mit den Schätzen des Bismarck-Museums von 1891 an?

Die Gäste schauen sich in der Regel alles, also sämtliche Ausstellungen an. Die Foto-Tapete der genannten Sonderschau zieht aber ganz besonders die Blicke auf sich, vermittelt sie doch einen visuellen Eindruck vom ersten Bismarck-Museum und seinen verschiedenen Räumlichkeiten, und sie macht neugierig auf das, was dort zu sehen war.

Die gemeinsame Sonderausstellung "Bismarck: Familie-Politik-Mythos" mit dem Familien-Part in Schönhausen wird am morgigen Mittwoch in Bad Kissingen mit dem Part "Politik" vervollständigt, seit kurzem kann man sich in Friedrichsruh über den "Mythos" informieren. Wie profitiert Schönhausen von dieser Kooperation?

Es gibt Touristen, die in Friedrichsruh waren und nun nach Schönhausen kommen, weil dort ihr Interesse am Geburtsort geweckt wurde. Ähnliches erwarten wir nach der Eröffnung in Bad Kissingen.

Die nächsten Angebote im Jubiläumsjahr finden am kommenden Wochenende statt. Was erwartet die Besucher?

Zunächst werden wir am Sonnabend ab 14 Uhr während einer kleinen Kaffeerunde eine Auswahl aktueller Sammlungszuwächse präsentieren. Der Vortrag von Dr. Maik Ohnezeit zu "Reklame, Kunst und Propaganda: Formen des Bismarckkults" muss wegen einer Erkrankung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Am internationalen Museumstag am Sonntag, 17. Mai, ist der Eintritt in die Dauerausstellung frei und wir zeigen wie am Sonnabend ergänzend zur Sonderschau der über 100 Jahre alten Geschenke eine Auswahl solcher, die das Museum in den letzten Jahren für seine Sammlung erhalten hat. Am Sonntag beginnt außerdem die Reise unserer Bismarck-Büste durch die Museen Sachsen-Anhalts: Erste Station ist Genthin, wo ich sie Museumsleiterin Antonia Beran zur Präsentation in ihrer derzeitigen Sonderausstellung überreichen werde.

Woran liegt es, dass es selbst im Jubiläumsjahr für Durchreisende kein Hinweisschild auf das Bismarck-Museum an der Straße in Schönhausen gibt?

Eine solche Beschilderung hat die Stiftung bereits vor Jahren angeregt - auch in verschiedenen Gesprächen, die seinerzeit mit Vertretern des Wirtschaftsministeriums wegen der geplanten, aber seitens der Gemeinde einstweilen nicht weiterverfolgten Drittmittelförderung für die touristische Infrastruktur geführt wurden.

Auf welche Geburtstags-Aktionen kann man sich im Jubiläumsjahr noch freuen?

Auf alles, was im Programm steht, beispielsweise die Geschichtenwerkstatt III im November, welche die Sprengung des Schlosses zum Thema hat.