Gesundheits-und Krankenpfleger sorgen mit dafür, dass Kranke schneller wieder gesund werden. Ein Beruf, der einiges von ihnen abverlangt. Die Volksstimme hat eine Stationsschwester bei ihrer Arbeit im Krankenhaus begleitet.

Havelberg. Wenn die meisten Menschen noch schlafend in ihren Betten liegen oder sich vielleicht den ersten Kaffee des Tages kochen, beginnt für Kathrin Fritze die Arbeit. Sie ist Leiterin der Inneren Station im KMG Klinikum Havelberg. Um punkt sechs Uhr steht die Sandauerin bereits in weißer Arbeitsbekleidung an ihrem Schreibtisch im Krankenhaus und spricht mit der Nachtschicht die Übergabe durch. Zwanzig Minuten dauert es, bis die Kollegin ihr die Vorgänge aus der Nacht berichtet hat. Dann beginnt für sie die erste Kontrolle an den Patienten. Etwa fünfundzwanzig Kranke liegen auf dieser Station. Häufige Ursachen sind Lungenentzündungen, Schlaganfälle und Herzinfarkte. Gemeinsam mit ihrem Team geht Kathrin Fritze von Zimmer zu Zimmer. Sie wecken die Patienten auf, erkundigen sich nach dem Befinden und verabreichen, wenn nötig, Tabletten oder Insulin. Mit schnellen Schritten laufen die Gesundheits- und Krankenpflegerinnen durch den Flur, doch sobald sie ein Zimmer betreten, werden ihre Schritte ruhiger. "Die Patienten sollen von der Hektik drumherum nichts mitbekommen. Schließlich brauchen sie Ruhe", erklärt die Stationsschwester.

"Einige können sich nicht waschen oder sich die Zähne putzen. Das übernehmen wir dann. Wir setzen sie zum Frühstück aufrecht hin, wenn sie es nicht alleine schaffen", erzählt sie weiter.

Um halb acht wird das Essen ausgeteilt. Da nicht jeder von den Kranken selbstständig essen kann, helfen die Schwestern. Manche müssen zum Frühstücken aber erst überredet werden. "Sie haben ja gar nichts gegessen", sagt Kathrin Fritze, als sie den Raum betritt und das volle Tablett einer Patientin sieht. Sie hat keinen Appetit, macht sich Sorgen, dass ihr Mann sie heute nicht besuchen kommt. "Aber der ist doch eine treue Seele und kommt jeden Tag", sagt die Stationsleiterin aufmunternd. Die Patientin lächelt daraufhin und entschließt sich, doch ein Brötchen zu sich zu nehmen. Vorsichtig setzt Kathrin Fritze sie auf, kämmt ihr die Haare und reicht ihr das Frühstück. In ihre Krankenakte notiert sie, dass die Patientin etwas gegessen hat. Jeder, der auf der Station liegt, hat eine eigene Akte.

"Wir müssen jede Tätigkeit am Patienten eintragen und jeden Schritt, den wir ausführen, niederschreiben. Das ist schon ziemlich aufwändig." Patienten, die bettlägerig sind, werden im Zweistunden-Takt auf eine andere Seite gedreht, damit sie sich nicht wund liegen. Das wird ebenfalls in einem Plan festgehalten, um den Überblick behalten zu können.

Kurz nach neun Uhr stehen die Ärzte Herr Dr. Becker und Herr Dr. Scholand im Flur. Zeit für die Visite, bei der Kathrin Fritze sie begleitet. Doch dann bekommt sie einen Anruf. Ein Patient soll in den OP-Saal gebracht werden. Als die Stationsleiterin das Zimmer des Patienten betritt, wirkt er ein wenig nervös. Verständlich, jeder, der schon einmal operiert wurde, kennt sicher die Gedanken, die einem so kurz vorher in den Kopf schießen. Kathrin Fritze kennt diese auch und versucht die innere Panik zu verhindern.

Sie unterhält sich mit dem jungen Mann. Über seinen ungewöhnlichen Namen, seine Herkunft, seinen Akzent. Das Gespräch lenkt ihn ab und beruhigt. In einem Bett rollt sie den Patienten über den Flur und bringt ihn mit dem Fahrstuhl nach oben in den OP. Wieder in ihrer Station angekommen, begleitet sie die Ärzte bei der Visite. Vor jedem Zimmer gibt sie ihnen eine Vorabinfo über die Kranken. Nach dem Durchgang mit den Ärzten müssen ihre Anordnungen umgesetzt werden. Bei einigen muss der Verband gewechselt werden, andere erhalten neue Tablettendosierungen oder müssen in ein Krankenhaus in der Nähe zu einer Untersuchung gebracht werden. Auch das leiten die Schwestern in die Wege.

Gute Teamarbeit ist für den Ablauf auf der Station von großer Bedeutung. Während die einen die Akten durcharbeiten, kümmern sich die anderen Gesundheits- und Krankenpflegerinnen weiter um die Patienten. Sie wenden sie, bringen ihnen Getränke und machen sie bei Bedarf sauber. Gegen elf Uhr beginnt bereits die Vorbereitung für das Mittagessen. Wieder gehen die Schwestern durch die Zimmer, spritzen Insulin und setzen die Patienten aufrecht hin. "Wir haben uns ein System im Arbeitsalltag erarbeitet. Jeder weiß, was zu tun ist", so die Stationsleiterin.

Um kurz nach vierzehn Uhr kommt die Spätschicht. Kathrin Fritze bespricht mit ihr die Übergabe, danach kann sie in den wohlverdienten Feierabend. Mit dem, wie der Beruf in vielen Fernsehserien dargestellt wird, hat die Wirklichkeit wenig zu tun, erzählt sie. Es ist harte Arbeit, die sowohl physische als auch psychische Kraft erfordert. An manchen Tagen, sagt sie, ist sie ständig am Hin-und-Her-Rennen und verzichtet auch auf ihre Pausen. "Aber auch wenn es hektisch zugeht, müssen wir hochkonzentriert sein. Denn Fehler dürfen wir uns in unserem Job nicht erlauben."