Mit dem Erstellen eines Baumkatasters will die Stadt Sandau künftig solch einem schlimmen Unglück vorbeugen, wie es im Vorjahr auf der Landstraße kurz vor Jederitz geschehen war. Dort war ein Autofahrer von einem umstürzenden Baum erschlagen worden.

Von Ingo Freihorst

Sandau. Mit dem freiberuflichen Gehölzsachverständigen Ingo Jurig haben die Sandauer sogar einen entsprechenden Fachmann im Ort zu wohnen. Er informierte auf der jüngsten Ratssitzung über ein solches Baumkataster. Ein Grundstückseigentümer sei grundsätzlich für sein Haus und auch die Bäume auf seinem Grundstück verantwortlich, stellte Ingo Jurig vorab.

In dem Kataster werden alle relevanten Daten erfasst: Baumart, -höhe und -umfang, dessen Alter und Gesundheitszustand. Aufgrund der Schadsymbole werden Handlungsempfehlungen an den Auftraggeber gegeben, zum Beispiel die Krone auslichten oder - bei Gefahr im Verzug - im Extremfall das Fällen. Die gesammelten Daten können auch nach Straßen oder Flächen sortiert werden.

Der Fachmann hatte sich vorab schon mal auf Fotopirsch durch Sandau begeben und war prompt fündig geworden. Im Lichtbildervortrag war zu sehen, dass einige Bäume am Wiehl mit Pilzkonsolen bewachsen sind, auf dem Friedhof wächst eine Robinie mit offener Rippe und Spechthöhle, an der Königsallee stehen Bäume bedenklich schräg.

In der Parkstraße steht sogar ein "Brennholzgewächs": Die kranke Eiche wurde arg gestutzt, ist dadurch aber abgestorben. In einer Kastanie an der Bundesstraße hat sich die Braunfäule eingenistet, im Stadtwald ist ein Baum mit Säbelwuchs zu verzeichnen, zudem steht eine Robinie mit Pilzbefall neben der Bühne. Am Sportplatz ist allerhand Totholz zu entdecken. Auf dem Kirchberg ist so manche gestutzte Linde innen arg hohl, eine Eiche dort hat eine einseitige Kronenlast.

Die im Kataster registrierten Bäume werden mit kleinen Plaketten markiert, zugleich werden eventuelle Pflegemaßnahmen festgelegt sowie die Abstände der Probeschauen. Gleiches wird seit fünf Jahren bereits im Pflegeheim praktiziert, dort sind alle Bäume erfasst und plakettiert, informierte Ingo Jurig.

Auf Nachfrage des Bürgermeisters informierte der Fachmann, dass pro erfasstem Baum 3,70 Euro fällig werden, in den Folgejahren entstehen natürlich weitere Kosten. "Ein Baumkataster ist nötig und hilfreich, denn ein Experte sieht doch mehr als ein Laie", so der Bürgermeister. Ein Problem sieht er in den Kosten, doch könnten die Bäume ja auch parzellenweise nach und nach erfasst werden. "Die Notwendigkeit besteht, mal sehen, ob unser Haushalt es zulässt."

Ingo Jurig gab hierzu den Hinweis, dass er sich bei der Erfassung fürs Kataster auch nur auf die für die Verkehrssicherheit relevanten Bereiche beschränken werde, also auf die Bäume an den Zuwegungen sowie an der Bühne.

Wolfgang Hellwig wollte wissen, wer an den landwirtschaftlichen Wegen für die Baumpflege zuständig sei. Am Birnenweg in Richtung Havelberg würden beispielsweise neu gepflanzte Bäume nicht gepflegt, etliche Pfähle seien bereits weggebrochen.

An solchen Wegen bestehe keine Verkehrssicherungspflicht, antwortete Kathrin Kleinod vom Ordnungsamt. Zudem wies sie darauf hin, dass in den Kommunen ohnehin zweimal im Jahr Baumschauen durch die Gemeindearbeiter stattfinden, was für die Haftpflichtversicherungen eigentlich ausreichend sei.