Nach dem Großbrand am Sonnabend in Tangermünde herrscht auch am Montag noch immer Unklarheit über die Ursache des Feuers. Beamte des Landeskriminalamtes und des Revierkriminaldienstes Stendal sind mit den Ermittlungen beschäftigt. Nach Hinweisen wird direkt in den Trümmern und auch per Hubschrauber gesucht. Erste Schätzungen der Polizei gehen von einem Schaden in Höhe von fünf bis sechs Millionen Euro aus.

Tangermünde. Noch immer riecht es in Tangermünde wie sonst nur mittwochs oder sonnabends im Oktober und März. Dieses Mal sind es aber keine vor sich hin brennenden Gartenabfälle, die die Luft verpesten. Nach dem Brand von sechs Lagerhallen am Sonnabend in der Arneburger Straße sind es auch am Montagvormittag noch Rauchschwaden, die von hier mal Richtung Elbe, mal Richtung Stadt ziehen.

Das große Feuer ist seit Samstagabend gelöscht. Doch es qualmt noch immer in fast jeder der ehemaligen sechs Lagerhallen. Immer wieder muss der jeweilige Brandsicherungstrupp Wasser auf die heißen Überreste leiten. Bis Mitternacht waren die Bucher Kameraden vor Ort, danach bis zum Morgen die Milterner. Abgelöst wurden sie von einem Tangermünder Trupp.

Kriminalhauptkommissar Jürgen Krüger vom Stendaler Revier ist seit Sonnabend mit dem Tangermünder Großbrand vertraut. "Um mit den Ermittlungen voranzukommen, haben wir Unterstützung durch die Hubschrauberstaffel Magdeburg angefordert", erklärt er gestern am Rand des Brandfeldes. In diesem Augenblick hebt der Hubschrauber ab. An Bord erfahrene Kriminaltechniker, die mit Kamera- und Videotechnik den Ort des Geschehens aus der Luft untersuchen. Detailaufnahmen seien so möglich, erklärt Krüger, Dokumentationen, die die Beamten vor Ort so nie machen könnten. Nach gut 30 Minuten ist der Rundflug über die einstigen Lagerhallen abgeschlossen. Die Beamten aus dem Hubschrauber landen noch einmal vor Ort, bevor sie den Rückweg nach Magdeburg antreten.

Die Arbeit für die Kriminalbeamten aus Stendal geht weiter. Mit Kamera und Werkzeug ausgerüstet machen sie sich auf den Weg in die Trümmer. Spurensicherung steht für sie auf dem Programm. Die Elektrik oder das, was von ihr noch übrig ist, wird unter die Lupe genommen. Mit speziellen Messgeräten können die Beamten kleinste Reste von Brandbeschleunigern feststellen. Ist der Brandort völlig kalt, bestünde bei dem Verdacht, dass Brandbeschleuniger verwendet wurden, auch die Möglichkeit, Spürhunde einzusetzen, sagte Jürgen Krüger. Bis es jedoch soweit ist, stellen die Kriminaltechniker Brandreste sicher und schicken sie zu Laboruntersuchungen in das Landeskriminalamt. Zeitgleich werden Zeugen vernommen.

"All das wird zu einem großen Ganzen zusammengefügt", äußerte der Kriminalhauptkommissar. Am Ende könnten mögliche Ursachen ausgeschlossen werden, andere müssten näher unter die Lupe genommen werden.

Bislang laufen die Ermittlungen in alle Richtungen. Es gibt auch noch keinen Anhaltspunkt, was dieses große Feuer ausgelöst haben könnte.

Auch konnte Jürgen Krüger gestern noch keine Auskunft darüber geben, wann die Straße in Richtung Arneburg wieder freigegeben werden wird. Bislang liegen die eingestürzten Hallenwände noch unangetastet auf der Fahrbahn.

Bevor der Verkehr hier wieder rollen kann, müssen wahrscheinlich auch die noch stehen gebliebenen Giebelwände und Pfeiler abgerissen werden.

Nicht jedem Autofahrer war gestern morgen klar, dass er einen anderen Weg aus Tangermünde nehmen muss. Etliche umfuhren die Straßensperrung, bis sie letztendlich vor Polizeibeamten standen, die diese wieder zurückschickten.

Eine Autofahrerin riss trotz guter Ausleuchtung die Absperrung sogar um. Ihr Weg zur Arbeit führe immer hier lang, habe sie den Beamten gesagt. Nun stand die Sperre einfach nur im Weg.

Im Übrigen ist der Großbrand in Tangermünde der erste große Einsatz den Leiter des Revierkriminaldienstes in Stendal, Sven Miehle. Er ist seit 1. März im Amt.