Acht Kleidercontainer des DRK stehen im Elbe-Havel-Land auf öffentlichen Flächen. Das ist ab nächsten Freitag nicht mehr erlaubt. Die Verbandsgemeinde hat einen Exklusivvertrag mit einem gewerblichen Kleidersammler abgeschlossen. Der Kreisverband des DRK Östliche Altmark sieht Probleme auf sich zukommen und hofft, neue Stellflächen zu finden.

Havelberg. Erst in dieser Woche hat der Kreisverband des DRK erfahren, dass er seine acht Kleidercontainer im Elbe-Havel-Land bis zum 25. März wegnehmen muss. Kurzfristig hatte Geschäftsführer Frank Latuske gestern deshalb zu einem Pressegespräch eingeladen. Er blickte auf die Arbeit der Kleiderkammer Havelberg, die in diesem Monat seit 20 Jahren besteht, zurück, erklärte ihre Notwendigkeit und brachte zugleich seine Hoffnung zum Ausdruck, dass sich Wege finden lassen, auch künftig im Elbe-Havel-Land Kleidercontainer aufstellen zu können.

Waren die Kleidersammlungen zunächst vor allem für Hilfe bei Katastrophen oder Sendungen etwa nach Russland und Litauen oder für Hochwasseropfer in Polen und Tschechien gedacht, hat sich das Profil in den vergangenen Jahren geändert. Mit zunehmender Langzeitarbeitslosigkeit wurde es auch im Landkreis Stendal notwendig, für Bedürftige Kleidung zu sammeln. Kleidercontainer ersetzten die Straßensammlungen und bewährten sich. Im Altkreis Havelberg hat das DRK 15 Container zu stehen, die ein- bis zweimal pro Woche geleert werden. Im gesamten Landkreis sind es 130.

"Viele Bürger spenden Kleidung, dafür sind wir sehr dankbar", sagte Frank Latuske gestern. Zugleich bedankte er sich stellvertretend bei Christine Taege, die die Kleiderkammer in Havelberg seit Jahren führt, für die gute Arbeit vor Ort. Mit Hilfe von Ein-Euro-Kräften und ehrenamtlichen DRK-Mitgliedern wird Kleidung abgeholt, sortiert, aufbereitet und ausgegeben. "Wir registrieren einen steigenden Bedarf an günstiger Kleidung", sagte der Geschäftsführer. Erst in dieser Woche hatte die Volksstimme über die Kleiderkammer berichtet. 559 Frauen und Männer aus dem gesamten Altkreis sowie Glöwen und Tangermünde nutzten im vergangenen Jahr die Einrichtung. Knapp 4000 Stücke wurden ausgegeben.

"Mehr als 85 Prozent der Kleidung geht an Bedürftige", berichtete Frank Latuske und erklärte zugleich, dass das DRK gesetzliche Anforderungen zu erfüllen hat und die Gemeinnützigkeit nachweist. Nur nicht mehr verwertbare Kleidung wird zur Verarbeitung weitergegeben oder, im ungünstigsten Fall, gegen Gebühr in den Abfall gegeben. Der Kreisverband subventioniere jährlich alle fünf Kleiderkammern, denn die Einnahmen reichen nicht für die Betriebkosten aus. Im vergangenen Jahr standen 15 000 Euro Ausgaben Einnahmen von 13 000 Euro gegenüber.

"Unser Ziel ist es, hilfsbedürftige Menschen mit Kleidung zu unterstützen. Hinzu kommen die Veranstaltungen in der Begegnungsstätte für sozialschwache Kinder und Familien", unterstrich Frank Latuske. Er könne nicht verstehen, dass das Elbe-Havel-Land diese gemeinnützige Arbeit des Kreisverbandes augenscheinlich nicht mehr unterstützen will. Mit dem Abschluss des Exklusivvertrages werde den Bürgern die Entscheidung genommen, für wen sie Kleider spenden wollen: für einen gemeinnützigen Zweck oder für ein Unternehmen, das für die Nutzung der Flächen Pacht an die Verbandsgemeinde bezahlt.

"Unser Angebot, etwas für Hilfsbedürftige zu tun, ist kostenlos für die Gemeinden, um so unverständlicher ist es, dass uns die Flächen, die wir kostenlos von den Gemeinden erhielten, gestrichen werden", sagte Frank Latuske. Klar unterliegen die Kommunen finanziellen Zwängen - sie waren der Grund für die Entscheidung, wie Verbandsbürgermeister Bernd Witt gestern auf Nachfrage sagte -, doch müsse auch der gesellschaftliche Auftrag verstanden werden, so Frank Latuske. Hoffnung gibt es aus Gesprächen mit Bürgermeistern, die bei der Suche nach privaten Stellflächen unterstützen wollen. Wer einen Platz für Kleidercontainer hat, kann sich unter (0 39 31) 64 65 11 beim DRK melden.