Möglichst alle Einwohner von Kuhlhausen mit seiner Studiokamera zu porträtieren - dieses ehrgeizige Ziel hat sich Alfred Raschke in der Ortschaft Kuhlhausen vorgenommen. Unterstützung erhält er dabei vom Orts- und Kulturverein, welcher sein Osterfest deshalb am Sonnabend auf dem Grundstück des Neu-Kuhlhauseners am Straukenweg veranstaltete.

Von Ingo Freihorst

Kuhlhausen. Es ließ sich gut aushalten auf dem weitläufigen Grundstück. Die Idee zu dieser Aktion hatten auch Herbert Dierkes und Steffan Warnstedt vom Verein. Unter den blühenden Pflaumenbäumen verkauften die Vereinsmitglieder Dagmar und Manfred Wilberg sowie Tochter Anke Bratwürste und Getränke, auf Bierzeltgarnituren ließ es sich verweilen. Am Nachmittag öffnete dann auch noch ein Kuchenbasar, zudem stand die Ostereiersuche auf der großen Wiese - einem ehemaligen Garten - an. Alfred Raschke hatte den Verein dabei finanziell unterstützt, informierte dessen Vorsitzender Hans-Werner Ramm.

Der Erlös wird für die weitere Vereinsarbeit genutzt. Die nächste Aktion steht bereits unmittelbar bevor: Am 30. April wird an der Feuerwehr mit Kaffee und Kuchen ab 14 Uhr in den Mai hineingefeiert. Anschließend muss das Dorffest vorbereitet werden, das für den 9. Juli eingeplant ist.

Bis zum Mittag hatten sich bereits 30 Kuhlhausener von ihm porträtieren lassen, informierte Alfred Raschke. Der 65-jährige Kunstfotograf hat den Beruf von der Pike auf gelernt, stellt bei Bedarf sogar sein Fotopapier selbst her. Alle Fotos werden noch selbst entwickelt, mit digitaler Technik hat der Fotograf nichts am Hut. Die Schwarz-Weiß-Porträts werden auf einem 9 mal 12 Zentimeter großen Planfilm aufgenommen, jeder Porträtierte erhält einen Abzug auf echtem Fotopapier. Für die Ausstellung werden die Fotos natürlich größer.

Was im Einzelnen mit der Sammlung geschehen soll, ist noch offen. Ideen gibt es bereits: Eine Ausstellung in der Kirche, ein Beitrag zur Chronik oder aber die Veröffentlichung in einem Buch. "Schön wäre es, wenn sich wirklich alle Kuhlhausener beteiligen würden", so Alfred Raschke.

Mit der Fotoaktion will er ein Zeichen setzen, sich als bildender Künstler ins Dorf einbringen. Er will zeigen, dass Kuhlhausen ein lebendiges Dorf ist, dass hier etwas passiert, sich etwas bewegt - und dass es nicht vergreist. Am Ostersamstag liefen denn auch zwei Aktionen parallel: Die Porträtstrecke und das gesellige Beisammensein.

Der in der Szene bekannte Fotograf wohnt seit 2008 in dem 200-Seelen-Ort an der Havel, hat in einer alten Scheune ein Atelier eingerichtet und betreibt ein weiteres in Berlin. Zur Ruhe setzen will er sich auch im Rentenalter noch nicht, es gibt noch viele Projekte, die auf ihn warten.

In einem weiteren Raum der Scheune stehen Objekte und Fotos von ihm: Eine von ihm aus Styropor modellierte Frau, einer Madonna ähnelnd. Oder ein Stuhl, von einem Pfeil durchbohrt. Ebenfalls vom Pfeil getroffen wurde ein Teil eines alten Baumstammes. Auch die Madonna soll noch einen Pfeil erhalten.

Holz ist sein bevorzugtes Modell-Material. Ein abgestorbener Baum am Havelufer, den grauen Stamm mahnend zum Himmel reckend, wurde von ihm aus verschiedenen Perspektiven aufgenommen. Die dreiteilige Fotoserie betitelte Alfred Raschke mit "Der Schrei". Es gibt viele solcher Bäume, die an der Havel schreien.

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