Gerade erst gegründet, stellt sich der Schönhauser Modellbahnclub einer großen Herausforderung: dem Nachbau des hiesigen Bahnhofgeländes, wie es in den 80-er Jahren ausgesehen hat.

Schönhausen. Da gab es noch Stellwerke, den Bahnübergang mit Schranken über die F 107, die Kleinbahnstrecke, die Kneipe im Bahnhofsgebäude, das ACZ und vor allem viele Menschen, die täglich mit dem Zug reisten. Vor allem freitags und sonntags, wenn die Lehrlinge und Studenten heimkamen oder abreisten, war der Bahnsteig voll. "Da gibt es so viele Kleinigkeiten, die man darstellen kann...", freut sich der Vereinsvorsitzende Klaus Werner schon auf die Details. Doch bis es soweit ist, wird noch ein Weilchen ins Land gehen.

Denn gerade erst beenden die acht Vereinsmitglieder die Renovierung ihres Domizils. Das befindet sich im einstigen "Deli", zuletzt Farben- und Angelgeschäft in der Gartenstraße, das viele Jahre leerstand und das die Gemeinde eigentlich abreißen wollte. Inzwischen hat die Gemeinde wieder einen Stromanschluss gelegt. "In den ersten Wochen haben wir Strom von Familie Schermert aus dem Neubaublock bekommen, wofür wir noch einmal herzlich danken, auch allen anderen, die uns mit Materialspenden geholfen haben und das noch tun wollen", so Klaus Werner. Wände wurden herausgerissen, gemalert und demnächst kommt auf die kalten Fliesen noch ein Belag. "Und dann können wir loslegen."

Eine ganz grobe Planung, wie der Schönhauser Bahnhof nachgebaut wird, haben die Modellbahner schon. "Wir wollen alles möglichst originalgetreu im Maßstab 1:87 umsetzen", berichtet Peter Jann, der die Funktion des Kassierers übernommen hat. Sein Bruder Manfred Jann hat dem Verein alte Gleispläne zur Verfügung gestellt. "Das ist sehr hilfreich. Aber wir brauchen noch dringend alte Bilder aus den 80-er Jahren. Das Material, das wir haben, stammt meist aus noch früherer Zeit. Vielleicht hat jemand Fotos, auf denen der Bahnhof oder das Gelände ringsherum zu sehen ist." An Etliches erinnere man sich zwar noch, "aber in 30 Jahren gerät auch vieles in Vergessenheit", so der Vorsitzende. Und manche wissen gar nicht, wie es hier einmal ausgesehen hat - die jüngere Generation beispielsweise oder Ralf Euker, der erst seit zwei Jahren in Schönhausen lebt. Er ist der stellvertretende Vereinsvorsitzende und freut sich, dass sich eine Gruppe Gleichgesinnter zusammengefunden hat.

Wie es dazu kam? Als Malermeister Klaus Werner kurz vor dem Einzug von Ehepaar Euker das Pfarrhaus renoviert hatte, erzählte er von seinem Hobby. Und der Pfarrer selbst ist auch begeisterter Modelleisenbahner. "Man könnte ja einen Verein gründen..." Aus der Idee ist nun Wirklichkeit geworden. Die Gründer fanden auch genügend Mitstreiter: Neben Klaus Werner, Ralf Euker und Peter Jann gehören Schriftführer Lutz Ritz, Benno Gromeier, Jürgen Kuschel, Fred Enzmann und Reinhold Rux dazu. "Wir würden uns natürlich über weitere Mitglieder freuen, je mehr mitmachen, desto eher nimmt unser Bahnhofsprojekt Gestalt an", so Klaus Werner. Er selbst hat schon seit vielen Jahren eine Modellbahn. "Zu basteln und zu werkeln, ist Entspannung nach einem stressigen Arbeitstag. Gerade im Winter, wenn es früh dunkel ist, wollte ich mich nicht um 18 Uhr vor den Fernseher setzen. Es macht einfach Spaß, so kreativ zu sein. Und wenn ein Zug dampfend aus dem Tunnel kommt und in den selbstgebauten Bahnhof einfährt, ist das ein tolles Gefühl. Manchmal vergisst man beim Basteln auch die Zeit und es wird nach Mitternacht, bis man die Lichter ausschaltet." Gleiches erzählen die anderen Modelleisenbahner, die den Reiz im Detail suchen.

An ihrer Freude am Hobby auch andere teilhaben zu lassen, ist ihnen wichtig - mit der Vereinsgründung wird das möglich. Beim Nikolausmarkt hatte Klaus Werner noch allein mit einem kleinen Modell dagestanden. Nun, zum morgigen Parkfest, sind alle Vereinsmitglieder dabei. Kinder können die dampfende Lok dann auch mal allein in Bewegung setzen.

Wer Interesse hat, kann sich vom Vorhaben, den Bahnhof nachzubauen, erzählen lassen. Und wer mitmachen möchte, kann donnerstags zwischen 17 und 20 Uhr einfach im alten "Deli" vorbeischauen.